Der Rechen­feh­ler beim Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag

Bean­tragt der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Beru­fungs­klä­gers, die Frist für die Beru­fungs­be­grün­dung „um einen Monat bis zum 22.09.2014 zu ver­län­gern”, obgleich die Monats­frist nach § 520 Abs. 2 Satz 3 ZPO bis zum 29.09.2014 läuft, und ver­län­gert der Vor­sit­zen­de auf die­sen Antrag hin die Frist für die Beru­fungs­be­grün­dung bis zum 22.09.2014, so ist die­se Frist­ver­län­ge­rungs­ver­fü­gung in aller Regel nach ihrem objek­ti­vem Inhalt dahin zu ver­ste­hen, dass damit die Frist für die Beru­fungs­be­grün­dung – unter abschlie­ßen­der Ver­be­schei­dung des Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags ledig­lich bis zum 22.09.2014 ver­län­gert und ein etwa wei­ter­ge­hen­der Antrag still­schwei­gend abge­lehnt wor­den ist1.

Der Rechen­feh­ler beim Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag

Es kann daher nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs dahin ste­hen, ob die Aus­le­gung des Beru­fungs­ge­richts, die Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist sei von der Beklag­ten nur bis zum 22.09.2014 bean­tragt wor­den, rich­tig ist. Selbst wenn zuguns­ten der Beklag­ten unter­stellt wird, sie habe die Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist bis zum 29.09.2014 bean­tragt, was der Ver­län­ge­rung um einen Monat ent­sprä­che, ver­hilft dies der Rechts­be­schwer­de nicht zum Erfolg. Denn mit der Ver­fü­gung der stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den des Beru­fungs­se­nats vom 26.08.2014 ist die Frist für die Beru­fungs­be­grün­dung ledig­lich bis zum 22.09.2014 ver­län­gert und ein etwa wei­ter­ge­hen­der Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag still­schwei­gend abge­lehnt wor­den.

Für den Umfang einer gericht­li­chen Frist­ver­län­ge­rung ist der objek­ti­ve Inhalt der Mit­tei­lung maß­geb­lich, die an die die Frist­ver­län­ge­rung bean­tra­gen­de Par­tei gerich­tet ist2. Ver­län­gert der Vor­sit­zen­de die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist für eine kür­ze­re Zeit als bean­tragt, liegt dar­in in aller Regel zugleich die (still­schwei­gen­de) Ableh­nung des wei­ter­ge­hen­den Antrags und nicht ein Vor­be­halt, inso­weit erst noch ent­schei­den zu wol­len3.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze ist die Ver­fü­gung der Vor­sit­zen­den nach ihrem objek­ti­ven Inhalt dahin zu ver­ste­hen, dass damit die Frist für die Beru­fungs­be­grün­dung unter abschlie­ßen­der Ver­be­schei­dung des Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags ledig­lich bis zum 22.09.2014 ver­län­gert und ein etwa wei­ter­ge­hen­der Antrag still­schwei­gend abge­lehnt wor­den ist. Der der genann­ten Ver­fü­gung bei­gefüg­te Hin­weis, dass mit einer wei­te­ren Frist­ver­län­ge­rung nur bei recht­zei­ti­ger Vor­la­ge oder anwalt­li­cher Ver­si­che­rung – einer Ein­wil­li­gungs­er­klä­rung der Gegen­sei­te gerech­net wer­den kann, ändert an die­ser Aus­le­gung nichts. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts hat der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Beklag­ten die Ver­fü­gung vom 26.08.2014 zunächst auch selbst im Sin­ne einer abschlie­ßen­den Ver­be­schei­dung des Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags ver­stan­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. April 2015 – VII ZB 62/​14

  1. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 21.06.1989 – VIII ZB 5/​89, NJW-RR 1989, 1278
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 29.01.2009 – III ZB 61/​08, NJW-RR 2009, 643 Rn. 13 m.w.N.
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 21.06.1989 – VIII ZB 5/​89, NJW-RR 1989, 1278, 1279; Alt­ham­mer in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 520 Rn. 16