Der Sturz auf dem Wan­der­weg

An einen Wan­der­weg sind hin­sicht­lich der Ver­kehrs­si­che­rung nur gerin­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Ist kein Gelän­der vor­han­den und die Stu­fen unter­schied­lich hoch, hat sich der Benut­zer eines sol­chen Weges mit ent­spre­chen­der Vor­sicht zu bewe­gen.

Der Sturz auf dem Wan­der­weg

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Mag­de­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Spa­zier­gän­ge­rin auf Schmer­zens­geld abge­wie­sen. Die damals 75-jäh­ri­ge Klä­ge­rin aus Wer­ni­ge­ro­de ging gemein­sam mit ihrer Schwes­ter am 04.08.2013 auf dem Weg zum Schloss Wer­ni­ge­ro­de. Die Klä­ge­rin behaup­te­te, sie habe den Aus­schil­de­run­gen "Efeu­haus Schloss" fol­gend, den als Kies­weg aus­ge­stat­te­ten Ver­bin­dungs­weg zum Chris­tia­nen­tal genom­men. Die­ser hät­te im obe­ren Bereich unbe­fes­tig­te, teils schie­fe Stu­fen unter­schied­li­cher Höhe auf­ge­wie­sen. Ein Gelän­der oder ander­wei­ti­ge Vor­rich­tun­gen sei­en zu bei­den Sei­ten nicht vor­han­den gewe­sen. Rechts und links des Weges habe sich Dor­nen­ge­strüpp befun­den. Zudem füh­re der Weg rechts­sei­tig (in Auf­stiegs­rich­tung) abschüs­sig nach unten.

Hier habe die Klä­ge­rin beim Bestei­gen der ers­ten Stu­fe – die außer­ge­wöhn­lich hoch und uneben gewe­sen sei – ihr Gleich­ge­wicht ver­lo­ren und sei die Dor­nen­bö­schung hin­ab­ge­stürzt. Der Schwes­ter der Klä­ge­rin sei es erst mit Hil­fe eines vor­bei­kom­men­den Ehe­paa­res aus Braun­schweig gelun­gen, die Klä­ge­rin zurück auf den Wan­der­weg zu zie­hen. Danach habe sie eine wei­te­re Per­son zu Hil­fe geholt, die die Klä­ge­rin sodann in die Not­auf­nah­me des Harz­kli­ni­kums gefah­ren habe. Durch den Sturz habe die Klä­ge­rin Kratz- und Riss­ver­let­zun­gen, sowie Schmer­zen und Ver­span­nun­gen am Hals und Rücken erlit­ten.

Im Pro­zess for­der­te die Klä­ge­rin min­des­tens 500 Euro Schmer­zen­geld von der Stadt Wer­ni­ge­ro­de. Die Stadt habe ihre Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten dadurch ver­letzt, dass sie den tou­ris­tisch genutz­ten Weg nicht im Bereich der unebe­nen und schie­fen Stu­fen mit einem Gelän­der gesi­chert habe.

Nach Auf­fas­sung dess Land­ge­richts Mag­de­burg sind an einen Wan­der­weg hin­sicht­lich der Ver­kehrs­si­che­rung nur gerin­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. In die­sen Fäl­len tritt die Eigen­vor­sor­ge durch den Ver­kehrs­teil­neh­mer, sich selbst vor Scha­den zu bewah­ren in den Vor­der­grund. Vom Benut­zer des Weges ist zu erwar­ten, dass er den Weg mit ent­spre­chen­der Vor­sicht begeht. Dies gilt umso mehr, wenn der Nut­zer erken­nen kann, dass die Stu­fen unter­schied­lich hoch sind und kein Gelän­der vor­han­den ist.

Umstän­de, die mög­li­cher­wei­se in der Per­son der Klä­ge­rin und deren hohem Alter begrün­det lie­gen, erhö­hen nicht die Anfor­de­rung an die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht. Die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht rich­tet sich an den durch­schnitt­li­chen Benut­zer eines Weges. Beson­der­hei­ten. Eine Aus­nah­me liegt ledig­lich dann vor wenn sich Wege im Bereich von Alters­hei­men oder Kran­ken­häu­sern befin­den.

Der Unfall der Klä­ge­rin stellt sich viel­mehr aus­schließ­lich als Ver­wirk­li­chung des all­ge­mei­nen Lebens­ri­si­kos dar, das vom Schutz­be­reich der Haf­tung wegen Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht­ver­let­zung nicht umfasst ist.

Land­ge­richt Mag­de­burg, Urteil vom 12. Juni 2014 – 10 O 397/​14