Der Zugangs­code von Heiz­kos­ten­ver­tei­lern und Was­ser­zäh­lern

Ein Gerä­te­an­bie­ter von Heiz­kos­ten­ver­tei­lern und Was­ser­zäh­lern muss sei­ne Kun­den in die Lage ver­set­zen, die Daten selbst aus­zu­le­sen und abzu­re­chen, wenn der Ser­vice­ver­trag been­det ist, der mit län­ge­rer Lauf­zeit ver­se­he­ne Gerä­temiet­ver­trag aber noch fort­be­steht. Er darf sich nicht wei­gern, sei­nem Kun­den als Mie­ter der Gerä­te die Ent­schlüs­se­lungs­codes zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Der Zugangs­code von Heiz­kos­ten­ver­tei­lern und Was­ser­zäh­lern

So hat das Amts­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und daten­schutz­recht­li­che Beden­ken ver­neint. Grund für den Rechts­streit waren getrenn­te Ver­trä­ge über die Mie­te von Heiz­kos­ten­ver­tei­lern und Was­ser­zäh­lern einer­seits und den Erfas­sungs- und Abrech­nungs­ser­vice ande­rer­seits. Die gemie­te­ten Gerä­te über­mit­tel­ten die erfass­ten Wer­te dabei per Funk der­art ver­schlüs­selt an den Gerä­te­an­bie­ter, dass nur er in der Lage ist, den Ver­brauch im Rah­men des eben­falls mit ihm abge­schlos­se­nen geson­der­ten Ser­vice­ver­tra­ges aus­zu­le­sen und abzu­rech­nen.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Frank­furt am Main darf sich der Gerä­te­an­bie­ter nicht wei­gern, sei­nem Kun­den als Mie­ter der Gerä­te die Ent­schlüs­se­lungs­codes zur Ver­fü­gung zu stel­len, wenn der Ser­vice­ver­trag been­det ist, der mit län­ge­rer Lauf­zeit ver­se­he­ne Gerä­temiet­ver­trag aber noch fort­be­steht. Der Gerä­te­an­bie­ter müs­se sei­nen Kun­den in die Lage ver­set­zen, die Daten selbst aus­zu­le­sen und abzu­rech­nen. Wei­ge­re er sich, kön­ne der Kun­de auch zur Kün­di­gung des Gerä­temiet­ver­tra­ges berech­tigt sein.

Der Kun­de habe ansons­ten kei­ne Mög­lich­keit zur ver­trags­ge­rech­ten Nut­zung der gemie­te­ten Gerä­te mehr. Ver­lie­re er den Zugang zu den von den Gerä­ten erzeug­ten Daten sei­en die­se für ihn funk­ti­ons­los. Der Anbie­ter kön­ne sich nur dann dar­auf beru­fen, dass der Kun­de mit dem Abschluss eines lang­fris­ti­gen Miet­ver­tra­ges und eines kurz­fris­ti­gen Ser­vice­ver­tra­ges die­ses Risi­ko frei­wil­lig ein­ge­gan­gen sei, wenn fest­ste­he, dass dem Kun­den das Risi­ko bewusst gewe­sen sei, etwa weil es in den Geschäfts­be­din­gun­gen des Anbie­ters erläu­tert sei.

Gerä­temiet­ver­trag und Ser­vice­ver­trag sei­en tech­nisch ver­schränkt und bil­de­ten eine sach­li­che Ein­heit. Für Ser­vice­ver­trä­ge gel­te aber, anders als für Gerä­temiet­ver­trä­ge, eine gesetz­li­che Begren­zung der Lauf­zeit von zwei Jah­ren. Die­se Beschrän­kung dür­fe der Anbie­ter nach § 306a BGB nicht dadurch umge­hen, dass er sei­ne sach­lich als Ein­heit anzu­se­hen­de Leis­tung in zwei ver­schie­de­ne Ver­trags­wer­ke auf­spal­te.

Auch durch­grei­fen­de daten­schutz­recht­li­che Beden­ken an der Offen­le­gung der Ent­schlüs­se­lungs­codes gegen­über dem Kun­den bestün­den nicht. Für die betrof­fe­nen Woh­nungs­mie­ter erge­be es kei­nen Unter­schied, ob der Anbie­ter der Gerä­te oder der Kun­de die Gerä­te­da­ten aus­le­se.

Amts­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2018 – 385 C 2556/​17 (70) (nicht rechts­kräf­tig)