Die bei­gezo­ge­ne Akte im Zivil­pro­zess

Wird eine Akte bei­gezo­gen und zum Gegen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung gemacht, wird dadurch nicht ohne wei­te­res der gesam­te Akten­in­halt zum Bestand­teil des Par­tei­vor­brin­gens.

Die bei­gezo­ge­ne Akte im Zivil­pro­zess

Gibt der Rich­ter einem auf Bei­zie­hung von Akten gerich­te­ten Antrag statt, wird nicht ohne wei­te­res der gesam­te Akten­in­halt zum Gegen­stand des Par­tei­vor­brin­gens. Vor die­sem Hin­ter­grund ist der Tatrich­ter auch nicht ver­pflich­tet, von sich aus Bei­ak­ten dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob sie Tat­sa­chen ent­hal­ten, die einer Par­tei güns­tig sind.

Tei­le der Bei­ak­te, auf die sich kei­ne Par­tei erkenn­bar beruft, gehö­ren eben­so wenig zum Pro­zess­stoff wie Anla­gen zu Schrift­sät­zen, auf die sich eine Par­tei nicht hin­rei­chend kon­kret bezieht 1. Dies gilt selbst dann, wenn es in dem Sit­zungs­pro­to­koll oder in dem Urteil heißt, eine Bei­ak­te sei zum Gegen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung gemacht wor­den.

Im Lich­te der den Zivil­pro­zess prä­gen­den Bei­brin­gungs­ma­xi­me sind sol­che For­mu­lie­run­gen in der Regel so zu ver­ste­hen, dass sie sich nur auf die­je­ni­gen Tei­le der Bei­ak­te bezie­hen, die einen von den Par­tei­en zumin­dest in gro­ben Umris­sen vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt betref­fen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. April 2014 – V ZR 110/​13

  1. zu Letz­te­rem vgl. auch BGH, Urteil vom 16.01.2009 – – V ZR 74/​08, BGHZ 179, 230 Rn.20[]
  2. BGH, Urteil vom 09.06.1994 – – IX ZR 125/​93, VersR 1994, 1231, 1233 [inso­weit in BGHZ 126, 217 nicht abge­druckt]; vgl. auch BGH, Urteil vom 12.11.2003 – XII ZR 109/​01, NJW 2004, 1324, 1325[]