Die Haf­tung des Kran­ken­hau­ses für sei­nen Kon­si­liar­arzt

Ein Kran­ken­haus­trä­ger haf­tet einem Pati­en­ten für Arzt­feh­ler eines Kon­si­liar­arz­tes als sei­nes Erfül­lungs­ge­hil­fen aus Ver­trag (§ 278 BGB), wenn der Kon­si­liar­arzt hin­zu­ge­zo­gen wird, weil es dem Kran­ken­haus an eige­nem fach­kun­di­gen ärzt­li­chen Per­so­nal man­gelt, der Kran­ken­haus­trä­ger mit den Leis­tun­gen des Kon­si­liar­arz­tes sei­ne ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen gegen­über dem Pati­en­ten (hier: im Rah­men einer Schlag­an­fall­ein­heit) erfüllt und die Hono­rie­rung des Kon­si­liar­arz­tes durch den Kran­ken­haus­trä­ger erfolgt.

Die Haf­tung des Kran­ken­hau­ses für sei­nen Kon­si­liar­arzt

Dass dane­ben der Kon­si­liar­arzt unab­hän­gig davon, wie sei­ne „Kon­si­li­ar­tä­tig­keit“ recht­lich ein­zu­ord­nen ist, für sein feh­ler­haf­tes ärzt­li­ches Han­deln selbst aus Delikt haf­tet, kann nicht zwei­fel­haft sein [1].

Der Begriff des Kon­si­liar­arz­tes ist legal nicht defi­niert [2]. Je nach Auf­ga­ben- und Ver­trags­ge­stal­tung ist der Kon­si­liar­arzt nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung häu­fig nicht als Erfül­lungs­ge­hil­fe des auf­trag­ge­ben­den Arz­tes bzw. der auf­trag­ge­ben­den Kli­nik anzu­se­hen. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn zwi­schen dem Kon­si­liar­arzt und dem Pati­en­ten eine (wei­te­re) ver­trag­li­che Bezie­hung zustan­de kommt, so dass die Faust­re­gel anzu­wen­den ist, dass haf­tet, wer liqui­diert [3]. Eine Fall­ge­stal­tung, bei der die­ser Grund­satz anzu­wen­den ist, liegt hier nicht vor. Dass der Kran­ken­haus­trä­ger bei der Beauf­tra­gung des Kon­si­liar­arz­tes davon aus­ge­gan­gen wäre, zwi­schen die­sem und den Pati­en­ten, zu deren Behand­lung er zuge­zo­gen wur­de, kom­me ein selbst­stän­di­ges Ver­trags­ver­hält­nis zustan­de, ist vor­lie­gend nicht ersicht­lich.

Der Kran­ken­haus­trä­ger erfüllt mit Hin­zu­zie­hung eines Kon­si­liar­arz­tes sei­ne ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen gegen­über der Pati­en­tin. Weil im vor­lie­gen­den Fall der beklag­te Kran­ken­haus­trä­ger in der Nacht nicht in der Lage war, ein CT fach­kun­dig von ange­stell­ten Ärz­ten befun­den zu las­sen, hat­te sie eine ver­trag­li­che Rege­lung mit exter­nen Ärz­ten getrof­fen, die zur Befun­dung hin­zu­ge­zo­gen wur­den. Der Kon­si­liar­arzt wur­de daher im Rah­men der Erfül­lung einer Ver­bind­lich­keit des Kran­ken­haus­trä­gers tätig, die ein­ge­lie­fer­te Pati­en­tin fach­kun­dig ärzt­lich zu ver­sor­gen. Dies oblag pri­mär dem Kran­ken­haus­trä­ger, weil er mit Ein­rich­tung einer Schlag­an­fall­ein­heit die Vor­aus­set­zun­gen dafür geschaf­fen hat­te, dass spe­zi­fisch gefähr­de­te Pati­en­ten in sein Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert wur­den. Da er die fach­kun­di­ge ärzt­li­che Ver­sor­gung von Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten nicht allein mit eige­nen ange­stell­ten Ärz­ten voll­zie­hen konn­te, muss­te er sich exter­ner Ärz­te bedie­nen, hier des Kon­si­liar­arz­tes, der mit­hin nicht im Rah­men einer eige­nen Leis­tungs­pflicht der Pati­en­tin gegen­über tätig wur­de.

Auf­grund die­ser Fest­stel­lun­gen ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Kon­si­liar­arzt für ein umfas­send zustän­di­ges – bzw. sich als sol­ches nach außen dar­stel­len­des – Kran­ken­haus tätig und von die­sem auch hono­riert wur­de. Jeden­falls in einem sol­chen Fall muss sich der Kran­ken­haus­trä­ger einen Feh­ler des zuge­zo­ge­nen Kon­si­liar­arz­tes nach § 278 BGB zurech­nen las­sen [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Janu­ar 2014 – VI ZR 78/​13

  1. vgl. etwa OLG Jena, VersR 2008, 401, 403; OLG Köln, NJW-RR 2003, 1031; Geiß/​Greiner, Arzt­haft­pflicht­recht, 6. Aufl., Rn. B 124; Wenzel/​Henning, aaO, Kap. 2 Rn. 58[]
  2. vgl. Wenzel/​Hennings, aaO, Rn. 57; Wenzel/​Flachsbarth, aaO, Rn. 587 ff.[]
  3. vgl. Geiß/​Greiner, aaO, B 121 ff. mwN[]
  4. vgl. Deutsch/​Spickhoff, Medi­zin­recht, 6. Aufl., Rn. 397; Frahm/​Nixdorf/​Walter, Arzt­haf­tungs­recht, 5. Aufl., Rn. 18; Geiß/​Greiner, aaO, Rn. B 122; Wenzel/​Köllner, aaO, Kap. 2 Rn. 1063[]