Die unwirk­sa­me Beschrän­kung der Revisionszulassung

Hat das Beru­fungs­ge­richt eine nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [1] im Grund­satz mög­li­che Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung nicht wirk­sam vor­ge­nom­men, hat dies zur Fol­ge, dass die Revi­si­on unbe­schränkt zuge­las­sen ist [2].

Die unwirk­sa­me Beschrän­kung der Revisionszulassung
  • Die Zulas­sung der Revi­si­on kann auf einen tat­säch­lich und recht­lich selb­stän­di­gen Teil des Streit­stoffs beschränkt wer­den, wel­cher Gegen­stand eines Teil­ur­teils sein kann oder auf den der Revi­si­ons­klä­ger sei­ne Revi­si­on beschrän­ken könn­te [3].
  • Dem­ge­gen­über sind Beschrän­kun­gen der Revi­si­ons­zu­las­sung auf ein­zel­ne recht­li­che oder tat­säch­li­che Gesichts­punk­te, bestimm­te Rechts­fra­gen oder ein­zel­ne Urteils­ele­men­te unzu­läs­sig [4].

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on nicht im Urteils­aus­spruch der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung zuge­las­sen. Die Zulas­sung der Revi­si­on fin­det sich erst am Ende der Urteils­grün­de. Sie bezieht sich aus­drück­lich auf die Fra­ge, ob die Grund­sät­ze des gestör­ten Gesamt­schuld­ner­aus­gleichs auch im Fall des Haf­tungs­pri­vi­legs gemäß § 839 Abs. 1 Satz 2 BGB anwend­bar sind, sowie auf die Fra­ge, ob sich die Pflicht des Rechts­be­ra­ters zur Über­prü­fung der Ver­sor­gungs­aus­kunft auf offen­ba­re Unstim­mig­kei­ten und Feh­ler auch auf Aus­künf­te über den eige­nen Man­dan­ten bezieht. Dabei han­delt es sich um bestimm­te Rechts­fra­gen, die sich auf ein­zel­ne Vor­aus­set­zun­gen des mit der Kla­ge ver­folg­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs bezie­hen. Eine der­art vor­ge­nom­me­ne Beschrän­kung der Zulas­sung der Revi­si­on ist unzulässig.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Okto­ber 2020 – IX ZR 10/​20

  1. BGH, Beschluss vom 29.01.2004 – V ZR 244/​03, NJW-RR 2004, 1365 f; vom 17.05.2017 – IV ZB 25/​16, BGHZ 215, 109 Rn.19[]
  2. BGH, Urteil vom 20.05.2003 – XI ZR 248/​02, NJW 2003, 2529[]
  3. BGH, Urteil vom 20.05.2003, aaO; vom 14.04.2010 – VIII ZR 123/​09, NJW 2010, 2122 Rn. 12; st. Rspr.[]
  4. BGH, Urteil vom 08.03.2006 – IV ZR 263/​04, NJW-RR 2006, 877 Rn. 16[]

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