Die vom originären Einzelrichter zugelassene Rechtsbeschwerde

Entscheidet der originäre Einzelrichter in einer Sache, der er rechtsgrundsätzliche Bedeutung beimisst, über die Beschwerde und lässt er die Rechtsbeschwerde zu, so ist die Zulassung wirksam.

Die vom originären Einzelrichter zugelassene Rechtsbeschwerde

Auf die Rechtsbeschwerde unterliegt die Entscheidung jedoch wegen der fehlerhaften Besetzung des Beschwerdegerichts der Aufhebung von Amts wegen, weil der Einzelrichter über die Zulassung der Rechtsbeschwerde wegen grundsätzlicher Bedeutung (§ 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO) nicht selbst entscheiden durfte, sondern das Verfahren gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der mit drei Richtern besetzten Kammer hätte übertragen müssen.

Dem originären Einzelrichter nach § 568 ZPO ist die Entscheidung von Rechtssachen grundsätzlicher Bedeutung schlechthin versagt1.

Bejaht er mit der Zulassungsentscheidung zugleich die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache, ist seine Entscheidung objektiv willkürlich und verstößt gegen das Verfassungsgebot des gesetzlichen Richters nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG2.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 22. Juli 2021 – IX ZB 4/21

  1. BGH, Beschluss vom 16.05.2012 – I ZB 65/11, NJW 2012, 3518 Rn. 4 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 13.03.2003 – IX ZB 134/02, BGHZ 154, 200, 201 ff; vom 28.06.2012 – IX ZB 298/11, ZInsO 2012, 1439 Rn. 3; vom 20.11.2014 – IX ZB 56/13, ZInsO 2015, 108 Rn. 4; vom 16.04.2015 – IX ZB 93/12, ZInsO 2015, 1103 Rn. 4; vom 18.02.2021 – IX ZB 6/20, ZIP 2021, 642 Rn. 4 mwN[]