Die zins­güns­ti­ge Ver­mö­gens­an­la­ge des Insol­venz­ver­wal­ters

Der Insol­venz­ver­wal­ter kann aus der ihn gegen­über den Insol­venz­gläu­bi­gern und dem Schuld­ner tref­fen­den Ver­mö­gens­er­hal­tungs­pflicht gehal­ten sein, bis zur end­gül­ti­gen Ver­tei­lung der Mas­se nicht benö­tig­te Gel­der nicht nur sicher, son­dern auch zins­güns­tig anzu­le­gen.

Die zins­güns­ti­ge Ver­mö­gens­an­la­ge des Insol­venz­ver­wal­ters

Der Insol­venz­ver­wal­ter ist einem Betei­lig­ten nach § 60 Abs. 1 InsO zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet, wenn er die­sem gegen­über wahr­zu­neh­men­de insol­venz­spe­zi­fi­sche Pflich­ten schuld­haft ver­letzt 1. Auch der Schuld­ner ist Betei­lig­ter im Sin­ne die­ser Bestim­mung 2.

Insol­venz­spe­zi­fisch ist der Ver­wal­ter unter ande­rem dazu ver­pflich­tet, das zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­de Ver­mö­gen zu bewah­ren und ord­nungs­ge­mäß zu ver­wal­ten 3. Vom Schutz­be­reich die­ser Pflicht sind nicht nur die Gläu­bi­ger erfasst, sie ist auch gegen­über dem Schuld­ner zu beach­ten. Die­ser hat ein recht­lich geschütz­tes Inter­es­se dar­an, den Umfang sei­ner Nach­haf­tung gemäß § 201 Abs. 1 InsO gering zu hal­ten oder einen Über­schuss zu erzie­len 4.

Zur Beant­wor­tung der Fra­ge, ob und gege­be­nen­falls unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Insol­venz­ver­wal­ter auf­grund sei­ner Mas­se­ver­wal­tungs­pflicht zur zins­güns­ti­gen Anla­ge von zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­den Gel­dern gehal­ten ist, hat­te der Bun­des­ge­richts­hof bis­her kei­ne Gele­gen­heit. Die Pflicht besteht nach Maß­ga­be der nach­fol­gen­den Aus­füh­run­gen.

Zur Anla­ge fähi­ge Gel­der kön­nen ent­we­der ursprüng­lich in der Mas­se vor­han­den sein oder durch den Erwerb von Neu­ver­mö­gen zu die­ser gelan­gen. Durch Ver­wer­tungs­hand­lun­gen im Sin­ne des § 159 InsO kann sons­ti­ges Ver­mö­gen des Schuld­ners in Geld umge­wan­delt wer­den. Aus­drück­lich gere­gelt ist eine (ori­gi­nä­re) Pflicht des Insol­venz­ver­wal­ters zur zins­güns­ti­gen Anla­ge sol­cher Gel­der in der Insol­venz­ord­nung nicht. Recht­li­che Vor­ga­ben fin­den sich weder in den Vor­schrif­ten über die Siche­rung der Insol­venz­mas­se (§§ 148 ff InsO) noch in den­je­ni­gen über deren Ver­wer­tung (§§ 156 ff InsO). § 149 Abs. 1 Satz 1 InsO ord­net ledig­lich an, der Gläu­bi­ger­aus­schuss kön­ne für den Insol­venz­ver­wal­ter bin­dend 5 bestim­men, bei wel­cher Stel­le und zu wel­chen Bedin­gun­gen Geld ange­legt wer­den soll. Ist kein Gläu­bi­ger­aus­schuss bestellt oder hat die­ser noch kei­nen Beschluss gefasst, so kann das Insol­venz­ge­richt Ent­spre­chen­des anord­nen (§ 149 Abs. 1 Satz 2 InsO). Die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung kann abwei­chen­de Rege­lun­gen beschlie­ßen (§ 149 Abs. 2 InsO).

Mit der Rege­lung des § 149 InsO hat sich der Gesetz­ge­ber nicht gegen eine eige­ne Pflicht des Insol­venz­ver­wal­ters zur zins­güns­ti­gen Anla­ge aus­ge­spro­chen. Dies zeigt die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te. § 168 Abs. 1 Satz 1 des Regie­rungs­ent­wurfs sah vor, dass der Insol­venz­ver­wal­ter Geld, Wert­pa­pie­re und Kost­bar­kei­ten zu hin­ter­le­gen oder anzu­le­gen habe, wenn der Gläu­bi­ger­aus­schuss dies beschlie­ße. Nach Absatz 1 Satz 2 der Vor­schrift soll­te der Gläu­bi­ger­aus­schuss zusätz­lich bestim­men kön­nen, bei wel­cher Stel­le und zu wel­chen Bedin­gun­gen hin­ter­legt oder ange­legt wer­de 6. Der Ent­wurf woll­te die ver­schie­de­nen Vor­schrif­ten der Kon­kurs­ord­nung über die Hin­ter­le­gung und die Anla­ge von Geld, Wert­pa­pie­ren und Kost­bar­kei­ten (§ 129 Abs. 2, § 132 Abs. 1, § 137 KO) ohne wesent­li­che inhalt­li­che Ände­run­gen zu einer Vor­schrift zusam­men­fas­sen 7. Die Beschluss­emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses lau­te­te, Absatz 1 Satz 1 zu strei­chen und es bei der – redak­tio­nell ange­pass­ten – Kann-Bestim­mung von Absatz 1 Satz 2 zu belas­sen 8. Durch die Ände­rung soll­te klar­ge­stellt wer­den, dass die Anla­ge und Ver­wah­rung von Geld und Wert­sa­chen grund­sätz­lich dem Insol­venz­ver­wal­ter oblä­gen und er dafür die Ver­ant­wor­tung tra­ge. Dem Gläu­bi­ger­aus­schuss soll­te ledig­lich die Befug­nis zukom­men, auf den Hand­lungs- und Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ver­wal­ters Ein­fluss zu neh­men 9. § 149 Abs. 1 InsO ent­spricht der Fas­sung der Beschluss­emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses.

Ohne eine Beschluss­fas­sung nach § 149 InsO ist der Insol­venz­ver­wal­ter dem­nach selbst für die Anla­ge von zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­den Gel­dern ver­ant­wort­lich; die Anla­ge hat zins­güns­tig zu erfol­gen 10. Dies ergibt sich aus der in § 148 Abs. 1 InsO gere­gel­ten Pflicht, das zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­de Ver­mö­gen zu ver­wal­ten, und gilt glei­cher­ma­ßen für ursprüng­lich vor­han­de­ne, neu­erwor­be­ne und durch Ver­wer­tungs­hand­lun­gen gemäß § 159 InsO zur Mas­se gelan­gen­de Gel­der.

Die Pflicht zur zins­güns­ti­gen Anla­ge hat sich am gesetz­li­chen Leit­bild des ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Insol­venz­ver­wal­ters aus­zu­rich­ten. Die­ses Leit­bild ist ange­lehnt an die han­dels- und gesell­schafts­recht­li­chen Sorg­falts­an­for­de­run­gen (§ 347 Abs. 1 HGB, § 93 Abs. 1 Satz 1 AktG, § 34 Abs. 1 Satz 1 GenG, § 43 Abs. 1 GmbHG). Die­se Anfor­de­run­gen kön­nen aller­dings nicht unver­än­dert auf den Insol­venz­ver­wal­ter über­tra­gen wer­den. Viel­mehr sind die Beson­der­hei­ten zu beach­ten, die sich aus den Auf­ga­ben des Insol­venz­ver­wal­ters und aus den Umstän­den erge­ben, unter denen er sei­ne Tätig­keit aus­übt. In aller Regel wird der Insol­venz­ver­wal­ter unter erheb­lich ungüns­ti­ge­ren Bedin­gun­gen tätig als die Normadres­sa­ten der genann­ten han­dels- und gesell­schafts­recht­li­chen Vor­schrif­ten 11.

Danach ist der Ver­wal­ter nicht schon mit der Amts­über­nah­me zur zins­güns­ti­gen Anla­ge vor­han­de­ner Gel­der ver­pflich­tet. Ihm ist eine Ein­ar­bei­tungs­zeit zuzu­ge­ste­hen, deren Dau­er sich nach der Art und dem Umfang des jewei­li­gen Insol­venz­ver­fah­rens rich­tet, regel­mä­ßig aber nicht län­ger als sechs Wochen beträgt. Nach die­ser Zeit wird der Insol­venz­ver­wal­ter einen Über­blick über die zur Mas­se gehö­ren­den Gel­der gewon­nen haben und beur­tei­len kön­nen, ob und in wel­chem Umfang sie für eine zins­güns­ti­ge Anla­ge zur Ver­fü­gung ste­hen.

Im Regel­fall beginnt die Ein­ar­bei­tungs­zeit schon mit der Bestel­lung zum vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter. Uner­heb­lich ist, wel­che Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se die­sem zukom­men. Kern­auf­ga­be eines jeden, auch des mit­be­stim­men­den oder mit kei­ner Ver­wal­tungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis aus­ge­stat­te­ten vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters ist die Über­wa­chung des Schuld­ners. Aus dem Zweck der Über­wa­chungs­pflicht folgt ohne wei­te­res, dass jedem vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter unge­ach­tet einer spe­zi­fi­schen gericht­li­chen Pflich­ten­zu­wei­sung bereits kraft sei­ner Funk­ti­on als ori­gi­nä­re Pflicht die Siche­rung und Erhal­tung des Schuld­ner­ver­mö­gens obliegt 12. Die Erfül­lung die­ser Pflicht setzt zwin­gend vor­aus, dass sich der vor­läu­fi­ge Ver­wal­ter einen Über­blick über das Ver­mö­gen des Schuld­ners ver­schafft. Dabei wer­den zur Mas­se gehö­ren­de Gel­der und deren Ver­füg­bar­keit für eine zins­güns­ti­ge Anla­ge eben­so offen­bar wie im Fal­le der end­gül­ti­gen Ver­wal­tung.

In Betracht zu zie­hen ist, dass dem (spä­te­ren) Insol­venz­ver­wal­ter die zur zins­güns­ti­gen Anla­ge zur Ver­fü­gung ste­hen­den Gel­der bereits frü­her zur Kennt­nis gelan­gen und sich eine Anla­ge­pflicht des­halb schon vor Ablauf von sechs Wochen, gerech­net ab der Bestel­lung zum (vor­läu­fi­gen) Insol­venz­ver­wal­ter ergibt. Dies wird – abge­se­hen von Sach­ver­hal­ten leicht fest­stell­ba­rer über­schüs­si­ger Mit­tel – etwa dann anzu­neh­men sein, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter bereits als Sach­ver­stän­di­ger im Insol­venz­eröff­nungs­ver­fah­ren tätig war. Da dem Sach­ver­stän­di­gen nicht die Siche­rung und Erhal­tung des Schuld­ner­ver­mö­gens obliegt und ihm auch nicht die in § 22 Abs. 3 InsO gere­gel­ten Befug­nis­se zukom­men, bedarf es dann aber nähe­ren Vor­trags des inso­weit dar­le­gungs- und beweis­be­las­te­ten Anspruch­stel­lers, wann und wodurch die Kennt­nis erlangt wor­den sein soll. Ande­rer­seits kann der Insol­venz­ver­wal­ter den durch Bestel­lung zum (vor­läu­fi­gen) Insol­venz­ver­wal­ter und Zeit­ab­lauf ver­mit­tel­ten Anschein durch die Dar­le­gung und erfor­der­li­chen­falls den Beweis außer­ge­wöhn­li­cher Umstän­de ent­kräf­ten.

Zur Mas­se gehö­ren­de Gel­der ste­hen für eine zins­güns­ti­ge Anla­ge zur Ver­fü­gung, wenn sie vor­aus­sicht­lich über einen län­ge­ren Zeit­raum für das lau­fen­de Insol­venz­ver­fah­ren nicht benö­tigt wer­den. Es muss sich gemes­sen an der Grö­ße des Insol­venz­ver­fah­rens um erheb­li­che Mit­tel han­deln. Bei der Beur­tei­lung, ob Gel­der für das lau­fen­de Insol­venz­ver­fah­ren benö­tigt wer­den, kommt dem Ver­wal­ter ein mit der Viel­schich­tig­keit des Ver­fah­rens zuneh­men­der Spiel­raum zu.

Für die nähe­re Bestim­mung des Zeit­raums ist die Wech­sel­be­zie­hung zwi­schen der Men­ge des vor­han­de­nen Gel­des und der Anla­ge­dau­er in den Blick zu neh­men. Der glei­che Zins­er­trag kann mit einer grö­ße­ren Geld­men­ge in kür­ze­rer Zeit erwirt­schaf­tet wer­den. Maß­stab ist, ob eine – auch kurz­fris­ti­ge Anla­ge aus kauf­män­ni­scher Sicht ange­zeigt erscheint. Dies kann bei einem ganz erheb­li­chen Geld­be­trag schon für einen kur­zen Anla­ge­zeit­raum von Tagen oder Wochen der Fall sein. Regel­mä­ßig wer­den die Gel­der jedoch für eini­ge Mona­te zur Ver­fü­gung ste­hen müs­sen. Auch dann besteht aller­dings kei­ne Anla­ge­pflicht, wenn der im vor­aus­seh­ba­ren Anla­ge­zeit­raum zu erzie­len­de Ertrag bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se den mit der Anla­ge ver­bun­de­nen Auf­wand nicht zu recht­fer­ti­gen ver­mag.

Für die vor­zu­neh­men­de Wirt­schaft­lich­keits­be­trach­tung ist im Regel­fall auf die Zins­er­trä­ge abzu­stel­len, die bei einem im Inland zum Geschäfts­be­trieb befug­ten Kre­dit­in­sti­tut auf einem soge­nann­ten Tages­geld­kon­to zu erzie­len sind. Es muss sich mit­hin um ein Kon­to mit täg­lich fäl­li­gen Gel­dern han­deln, das mit kei­ner giro­ver­trag­li­chen Abre­de ver­knüpft ist, und des­halb nicht dem Zah­lungs­ver­kehr, son­dern Anla­ge­zwe­cken dient 13. Das Kon­to­gut­ha­ben muss durch ein Ein­la­gen­si­che­rungs­sys­tem gedeckt und min­des­tens tele­fo­nisch ver­füg­bar sein. Grund­sätz­lich kann dem Insol­venz­ver­wal­ter nicht ange­son­nen wer­den, dar­über hin­aus – etwa durch Nut­zung des Inter­nets – beson­ders güns­ti­ge Ange­bo­te zu ermit­teln und wahr­zu­neh­men. Regel­mä­ßig darf er bestehen­de eige­ne Geschäfts­be­zie­hun­gen zu ent­spre­chen­den Kre­dit­in­sti­tu­ten nut­zen oder sol­che des Schuld­ners. Nur wenn dort im Ver­gleich zu ande­ren, die vor­ste­hen­den Anfor­de­run­gen erfül­len­den Kre­dit­in­sti­tu­ten unge­wöhn­lich schlech­te Bedin­gun­gen ange­bo­ten wer­den, ist der Insol­venz­ver­wal­ter gehal­ten, sich an ein ande­res Unter­neh­men zu wen­den. Der hier­bei zu erzie­len­de Mehr­ertrag muss jedoch den mit der Begrün­dung einer neu­en Geschäfts­be­zie­hung ver­bun­de­nen Mehr­auf­wand aus kauf­män­ni­scher Sicht ver­tret­bar erschei­nen las­sen.

Eine ein­mal begrün­de­te Anla­ge­pflicht kann auch wie­der ent­fal­len. Dies kommt in Betracht, wenn ihre Vor­aus­set­zun­gen nicht mehr vor­lie­gen und vor­aus­sicht­lich wäh­rend der nächs­ten Mona­te auch nicht mehr ein­tre­ten. Maß­geb­lich ist mit­hin auch für den Fort­be­stand der Anla­ge­pflicht, ob der mit der geson­der­ten Anla­ge ver­bun­de­ne Auf­wand unter Berück­sich­ti­gung des zu erzie­len­den Mehr­ertrags wirt­schaft­lich sinn­voll ist.

Da schon die Fra­ge der Pflicht­wid­rig­keit nach dem Leit­bild des ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Insol­venz­ver­wal­ters zu beant­wor­ten und des­sen Sorg­falt zugleich Maß­stab für das nach § 60 Abs. 1 InsO erfor­der­li­che Ver­schul­den ist 14, folgt aus einer objek­ti­ven Pflicht­ver­let­zung der Fahr­läs­sig­keits­vor­wurf. Weder in der Recht­spre­chung noch im Schrift­tum wird die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Insol­venz­ver­wal­ter müs­se ihm zumut­ba­re Anstren­gun­gen nicht unter­neh­men, um für die Mas­se einen Zins­ge­winn zu erwirt­schaf­ten. Ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on ist des­halb die Fra­ge der Pflicht zur zins­güns­ti­gen Anla­ge nicht der­art zwei­fel­haft, dass ein Ver­schul­den aus­schei­den könn­te 15.

Anla­ge­pflicht nach Ein­stel­lung des Insol­venz­ver­fah­rens

Für die Zeit nach Ein­stel­lung des Insol­venz­ver­fah­rens kann eben­falls ein Scha­dens­er­satz­an­spruch aus § 60 Abs. 1 InsO in Betracht kom­men.

Ver­gü­tungs­an­sprü­che des Insol­venz­ver­wal­ters zäh­len zu den strei­ti­gen Mas­se­an­sprü­chen, für die nach § 214 Abs. 3 InsO Sicher­heit zu leis­ten ist, wenn das Ver­fah­ren, wie hier, nach § 213 InsO ein­ge­stellt wird 16. Im Streit­fall ist wegen des strei­ti­gen Ver­gü­tungs­an­spruchs des Beklag­ten eine Sicher­heits­leis­tung nach §§ 232 ff BGB nicht erfolgt. Statt­des­sen hat der Beklag­te im Ein­ver­ständ­nis mit dem Klä­ger die für die Befrie­di­gung des behaup­te­ten Ver­gü­tungs­an­spruchs erfor­der­li­chen Geld­mit­tel wei­ter­hin selbst ver­wahrt. In einem sol­chen Fall trifft den Insol­venz­ver­wal­ter die aus sei­nem Amt nach­wir­ken­de Pflicht, die zins­güns­ti­ge Anla­ge der Gel­der über den Zeit­punkt der Been­di­gung sei­nes Amtes hin­aus bis zur Klä­rung der Berech­ti­gung des Ver­gü­tungs­an­spruchs fort­zu­füh­ren. Auch für die­sen Zeit­raum hat das Beru­fungs­ge­richt des­halb die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen unter Berück­sich­ti­gung der aus­ge­führ­ten Maß­stä­be zu tref­fen.

zins­ge­winn und Steu­er­pflicht

die zuer­kann­te Scha­dens­er­satz­leis­tung ist ein­kom­men­steu­er­pflich­tig (§ 24 Nr. 1 Buchst. a EStG). Der ent­gan­ge­ne Zins­ge­winn kann des­halb grund­sätz­lich ohne Steu­er­ab­zug berech­net wer­den, weil der auf den Scha­den anre­chen­ba­re Steu­er­vor­teil durch die Steu­er­pflicht der Scha­dens­er­satz­leis­tung aus­ge­gli­chen wird 17. Eine nähe­re Betrach­tung ist nur dann erfor­der­lich, wenn Anhalts­punk­te für außer­ge­wöhn­li­che Steu­er­vor­tei­le bestehen, die dem Geschä­dig­ten unter Berück­sich­ti­gung der Steu­er­bar­keit der Ersatz­leis­tung ver­blei­ben 18.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Juni 2014 – IX ZR 162/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 2009 – IX ZR 220/​08, WM 2010, 364 Rn. 9; vom 16.09.2010 – IX ZR 121/​09, ZIP 2010, 2164 Rn. 18; vom 05.05.2011 – IX ZR 144/​10, BGHZ 189, 299 Rn. 29[]
  2. BGH, Urteil vom 22.01.1985 – VI ZR 131/​83, ZIP 1985, 423, 425 zur KO; vom 10.07.2008 – IX ZR 118/​07, ZIP 2008, 1685 Rn. 11; Münch­Komm-InsO/Bran­des­/­Schopp­mey­er, 3. Aufl., § 60 Rn. 65; Uhlenbruck/​Sinz, InsO, 13. Aufl., § 60 Rn. 47[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 22.01.1985, aaO; Münch­Komm-InsO/Bran­des­/­Schopp­mey­er, aaO Rn. 15, 65[]
  4. vgl. HK-InsO/­Loh­mann, 7. Aufl., § 60 Rn. 17; Uhlenbruck/​Sinz, aaO; Schmidt/​Thole, InsO, 18. Aufl., § 60 Rn. 34[]
  5. vgl. Schmidt/​Jungmann, aaO § 149 Rn. 4; HK-InsO/­De­pré, aaO § 149 Rn. 1; Lind in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, InsO, 2. Aufl., § 149 Rn. 1[]
  6. BT-Drs. 12/​2443 S. 36[]
  7. BT-Drs. 12/​2443 S. 171[]
  8. BT-Drs. 12/​7302 S. 63[]
  9. BT-Drs. 12/​7302 S. 174[]
  10. vgl. Desch/​Nachtmann, EWiR 2013, 209, 210; Uhlen­bruck, aaO § 149 Rn. 3; Lind in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, aaO Rn. 3; Beck/​Depré/​Zuleger/​Wegmann, Pra­xis der Insol­venz, 2. Aufl., § 26 Rn. 52; fer­ner KG, NZI 2002, 497 f zu § 8 Abs. 2 GesO[]
  11. vgl. BT-Drs. 12/​2443 S. 129[]
  12. BGH, Urteil vom 05.05.2011 – IX ZR 144/​10, BGHZ 189, 299 Rn. 49 mwN[]
  13. vgl. Schür­mann in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch, 4. Aufl., § 70 Rn. 2[]
  14. vgl. Schmidt/​Thole, InsO, 18. Aufl., § 60 Rn. 36[]
  15. vgl. BGH, Urteil vom 09.06.1994 – IX ZR 191/​93, NJW 1994, 2286, 2287; HK-InsO/­Loh­mann, 7. Aufl., § 60 Rn. 31; Münch­Komm-InsO/Bran­des­/­Schopp­mey­er, 3. Aufl., § 60 Rn. 92; Uhlenbruck/​Sinz, InsO, 13. Aufl., § 60 Rn. 96[]
  16. vgl. HK-InsO/­Land­fer­mann, 7. Aufl., § 214 Rn. 5; Uhlenbruck/​Ries, InsO, 13. Aufl., § 214 Rn. 10; Münch­Komm-InsO/He­f­er­mehl, 3. Aufl., § 214 Rn. 12[]
  17. vgl. BGH, Urteil vom 18.12 1969 – VII ZR 121/​67, BGHZ 53, 132, 138; vom 22.03.1979 – VII ZR 259/​77, BGHZ 74, 103, 116; vom 10.02.1987 – VI ZR 17/​86, NJW 1987, 1814, 1815[]
  18. vgl. BGH, Urteil vom 31.05.2010 – II ZR 30/​09, WM 2010, 1310 Rn. 25; vom 15.07.2010 – III ZR 336/​08, WM 2010, 1641 Rn. 45; vom 01.03.2011 – XI ZR 96/​09, WM 2011, 740 Rn. 9[]