Ein Phan­tom als Klä­ger

§ 56 Abs. 1 ZPO ver­pflich­tet die Gerich­te zwar nicht, in jedem Rechts­streit von Amts wegen eine umfas­sen­de Prü­fung aller in der Vor­schrift genann­ten Pro­zess­vor­aus­set­zun­gen vor­zu­neh­men. Sie haben in die­ser Hin­sicht ledig­lich einen Man­gel von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen. Eine Prü­fung ist aber dann ange­zeigt, wenn hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te dafür gege­ben sind, dass Pro­zess­un­fä­hig­keit vor­lie­gen oder eine Par­tei ihre Rechts- und Par­tei­fä­hig­keit ver­lo­ren haben könn­te 1. Ent­spre­chen­des gilt für die Fra­ge, ob eine Par­tei über­haupt exis­tiert 2.

Ein Phan­tom als Klä­ger

Der Beklag­te hat hin­rei­chen­de Zwei­fel dar­an vor­ge­tra­gen, dass der Klä­ger exis­tiert. Auf­grund die­ses Vor­brin­gens war das Gericht ver­pflich­tet, die Fra­ge der Exis­tenz des Klä­gers einer Über­prü­fung zu unter­zie­hen. Die Exis­tenz und damit die Par­tei­fä­hig­keit jeder an einem Rechts­streit betei­lig­ten Par­tei gehört zu den Pro­zess­vor­aus­set­zun­gen, deren Man­gel das Gericht, auch in der Revi­si­ons­in­stanz, von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen hat und ohne die ein Sachur­teil nicht erge­hen darf 3. Das Gericht ist des­halb gehal­ten, alle in Fra­ge kom­men­den Bewei­se zu erhe­ben, wobei es nicht an die förm­li­chen Beweis­mit­tel des Zivil­pro­zes­ses gebun­den ist, weil – auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren – der Grund­satz des Frei­be­wei­ses gilt, so dass der Beweis mit allen mög­li­chen Mit­teln erho­ben wer­den kann 4.

Geht nach alle­dem das Gericht davon aus, dass der Klä­ger nicht exis­tiert, son­dern ein Drit­ter unter dem Namen im Rechts­ver­kehr auf­tritt und pro­zes­siert, so schei­det eine Berich­ti­gung des Rubrums auf den rich­ti­gen Klä­ger aus, da weder aus dem Inhalt der Kla­ge­schrift noch aus Anla­gen unzwei­fel­haft deut­lich wird, wer die­ser Drit­te ist, d.h. wel­che Par­tei tat­säch­lich gemeint ist 5. Das Gericht hat die Kla­ge des­halb letzt­lich zu Recht als unzu­läs­sig abge­wie­sen, weil unter den gege­be­nen Umstän­den ein Sachur­teil nicht erge­hen darf.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2010 – XII ZR 41/​09

  1. BGHZ 86, 184, 188 f.; 159, 94, 99 f. und 176, 74, 78[]
  2. vgl. BGHZ 24, 91, 94; BGH, Beschluss vom 12.05.2004 – XII ZB 226/​03NJW-RR 2004, 1505, 1506[]
  3. BGHZ 86, 184, 188 f.; 134, 116, 118[]
  4. BGH, Urteil vom 09.01.1996 – VI ZR 34/​95, NJW 1996, 1059, 1060; und Beschluss vom 16.05.1991 – IX ZB 81/​90, NJW 1992, 627, 628[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 27.11.2007 – X ZR 144/​06, NJW-RR 2008, 582 Rn. 7[]