Ein­tra­gung einer auf dem Trans­se­xu­el­len­ge­setz beru­hen­den Namens­än­de­rung in das Grund­buch

Wie ist eine Namens­än­de­rung nach dem Trans­se­xu­el­len­ge­setz (TSG) in das Grund­buch ein­zu­tra­gen? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Ein­tra­gung einer auf dem Trans­se­xu­el­len­ge­setz beru­hen­den Namens­än­de­rung in das Grund­buch

Die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin war mit ihren dama­li­gen männ­li­chen Vor­na­men im Grund­buch als Eigen­tü­mer eines Teil­ei­gen­tums­rechts ein­ge­tra­gen. Sie hat bei dem Grund­buch­amt Namens­be­rich­ti­gung bean­tragt. Hier­zu hat sie den Beschluss eines Amts­ge­richts vor­ge­legt, wonach sie als dem weib­li­chen Geschlecht zuge­hö­rig anzu­se­hen ist und künf­tig den ange­ge­be­nen weib­li­chen Vor­na­men trägt. Der Urkunds­be­am­te der Geschäfts­stel­le hat in dem Grund­buch ver­merkt, dass die Eigen­tü­me­rin nun­mehr auf­grund des Beschlus­ses des Amts­ge­richts den weib­li­chen Vor­na­men führt. Hier­ge­gen hat die Betei­lig­te Erin­ne­rung ein­ge­legt und bean­tragt, mit ihrem neu­en Namen unter Bezug­nah­me auf den Beschluss des Amts­ge­richts als Eigen­tü­me­rin ein­ge­tra­gen zu wer­den, ohne dass die Namens­än­de­rung aus­drück­lich erwähnt wird ("Eigen­tü­me­rin gemäß Beschluss des AG … vom …: XY"). Der Rechts­pfle­ger hat die Erin­ne­rung zurück­ge­wie­sen 1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beschwer­de der Betei­lig­ten ist vor dem Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt ohne Erfolg geblie­ben 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat der Rechts­be­schwer­de statt­ge­ge­ben und den Beschluss des Kam­mer­ge­richts auf­ge­ho­ben:

Bean­tragt eine im Grund­buch ein­ge­tra­ge­ne Per­son gestützt auf einen nach den §§ 1 ff. TSG ergan­ge­nen Beschluss Rich­tig­stel­lung ihres Namens, hat das Grund­buch­amt die Namens­än­de­rung in dem bis­he­ri­gen Grund­buch­blatt zu ver­mer­ken. Anschlie­ßend ist zur Wah­rung des Offen­ba­rungs­ver­bots gemäß § 5 Abs. 1 TSG das Grund­buch in ent­spre­chen­der Anwen­dung der §§ 28 ff. GBV umzu­schrei­ben, d. h., das bis­he­ri­ge Grund­buch­blatt wird geschlos­sen und ein neu­es Grund­buch­blatt wird eröff­net.

Die Schwie­rig­keit, dem Offen­ba­rungs­ver­bot gemäß § 5 Abs. 1 TSG – Ent­spre­chen­des gilt für das Offen­ba­rungs­ver­bot auf­grund einer Adop­ti­on (vgl. § 1758 Abs. 1 BGB) – im Grund­buch­recht ange­mes­sen Rech­nung zu tra­gen, resul­tiert dar­aus, dass bei der Ände­rung einer Ein­tra­gung die vor­an­ge­gan­ge­ne, nicht mehr gül­ti­ge Ein­tra­gung wei­ter sicht­bar blei­ben muss; gemäß § 21 Abs. 1 Satz 2 GBV darf in dem Grund­buch nichts radiert und unle­ser­lich gemacht wer­den. Die Doku­men­ta­ti­on auch nicht mehr aktu­el­ler Ein­tra­gun­gen ist zur Wah­rung der Publi­zi­täts­funk­ti­on des Grund­buchs uner­läss­lich. Unzu­läs­sig sind zudem irre­füh­ren­de Ein­tra­gun­gen. Die von der Betei­lig­ten vor­ran­gig ange­streb­te Ein­tra­gung ohne Hin­weis auf die Namens­än­de­rung schei­det des­halb aus, weil sie den Ein­druck eines tat­säch­lich nicht erfolg­ten Eigen­tü­mer­wech­sels her­vor­ru­fen kann.

Das Offen­ba­rungs­ver­bot recht­fer­tigt jedoch in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 28 GBV eine Umschrei­bung des Grund­buchs. Dies führt dazu, dass das umge­schrie­be­ne und die Namens­än­de­rung offen­le­gen­de Blatt gemäß § 30 Abs. 2 Satz 1 und 2 GBV geschlos­sen und in dem Schlie­ßungs­ver­merk die Bezeich­nung des neu­en Blatts sowie der Grund der Schlie­ßung ange­ge­ben wer­den. Im Unter­schied zu dem alten, geschlos­se­nen Grund­buch­blatt sind in dem neu anzu­le­gen­den Grund­buch­blatt gemäß § 30 Abs. 1 Buchst. c und d GBV grund­sätz­lich nur die aktu­el­len Daten auf­zu­neh­men. Dies bie­tet für Per­so­nen wie die Betei­lig­te den Vor­teil, dass in dem neu­en Grund­buch­blatt – dem Anlie­gen des § 5 Abs. 1 TSG ent­spre­chend – der bis­he­ri­ge abwei­chen­de Vor­na­me nicht mehr erscheint. Der Zweck des Offen­ba­rungs­ver­bots wird auch nicht des­halb ver­fehlt, weil aus dem alten Grund­buch­blatt der frü­he­re Vor­na­me eben­so ersicht­lich ist wie aus Urkun­den, die sich in der Grund­ak­te befin­den. Anders als die Ein­sicht in das Han­dels­re­gis­ter ist die Ein­sicht in das Grund­buch gemäß § 12 Abs. 1 Satz 1 und 2 GBO grund­sätz­lich nur bei Dar­le­gung eines berech­tig­ten Inter­es­ses zuläs­sig. Die­ses berech­tig­te Inter­es­se muss nicht nur an der Ein­sicht in das Grund­buch über­haupt, son­dern hin­sicht­lich der Tei­le bestehen, in die Ein­sicht genom­men wer­den soll. Des­halb ist die Ein­sicht in das wegen eines Offen­ba­rungs­ver­bots gemäß § 5 Abs. 1 TSG geschlos­se­ne Grund­buch­blatt nur sol­chen Per­so­nen zu gestat­ten, die ein berech­tig­tes Inter­es­se hier­an, d.h. (auch) an den frü­he­ren Ein­tra­gun­gen dar­ge­legt haben. Besteht ein sol­ches Inter­es­se, ist die hier­mit ver­bun­de­ne Offen­ba­rung des frü­he­ren Vor­na­mens aus beson­de­ren Grün­den des öffent­li­chen Inter­es­ses i.S.d. § 5 Abs. 1 TSG gerecht­fer­tigt. Andern­falls hat das Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se Vor­rang.

Dem­entspre­chend hat der Bun­des­ge­richts­hof das Grund­buch­amt ange­wie­sen, das Grund­buch umzu­schrei­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. März 2019 – V ZB 53/​18

  1. AG Ber­lin-Mit­te, Beschluss vom 30.06.2017 – 45 PB 28740N[]
  2. KG, Beschluss vom 8. März 2018 – 1 W 439/​17[]