End­gül­ti­ge Erfül­lungs­ver­wei­ge­rung

Eine end­gül­ti­ge Erfül­lungs­ver­wei­ge­rung liegt vor, wenn der Unter­neh­mer wäh­rend der vor­pro­zes­sua­len umfas­sen­den Aus­ein­an­der­set­zung nach­hal­tig und beharr­lich das Vor­lie­gen von Män­geln ver­neint und eine Pflicht zur Gewähr­leis­tung schlecht­hin bestrei­tet 1.

End­gül­ti­ge Erfül­lungs­ver­wei­ge­rung

Dies ent­scheid jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem Fall, in dem aAuf das Schuld­ver­hält­nis – mit Aus­nah­me der für die Ver­jäh­rung gel­ten­den Über­lei­tungs­vor­schrif­ten in Art. 229 § 6 EGBGB – das Bür­ger­li­che Gesetz­buch noch in der Fas­sung anzu­wen­den war, die für bis zum 31.12 2001 geschlos­se­ne Ver­trä­ge gilt, Art. 229 § 5 Satz 1 EGBGB.

Der Kun­de hat unter der Vor­aus­set­zung des § 326 Abs. 1 BGB a.F. einen Anspruch auf Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung des geschlos­se­nen Ver­trags, weil der Unter­neh­mer die geschul­de­ten Leis­tun­gen nicht voll­stän­dig erbracht hat. Eine Frist­set­zung mit Ableh­nungs­an­dro­hung ist ent­behr­lich, wenn der Schuld­ner die Erfül­lung des Ver­trags end­gül­tig ver­wei­gert hat. An die Annah­me einer Erfül­lungs­ver­wei­ge­rung sind stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Der Schuld­ner muss ein­deu­tig zum Aus­druck brin­gen, er wer­de sei­nen Ver­trags­pflich­ten nicht nach­kom­men und es damit aus­ge­schlos­sen erschei­nen las­sen, dass er sich von einer Nach­frist­set­zung mit Ableh­nungs­an­dro­hung umstim­men lie­ße 2.

Ob ein Unter­neh­mer nach Män­gel­rü­gen des Bestel­lers deren Besei­ti­gung und damit die Erfül­lung des Ver­trags ernst­haft und end­gül­tig ver­wei­gert hat, unter­liegt der tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung 3. Die­se ist jedoch revi­si­ons­recht­lich dahin über­prüf­bar, ob der Tatrich­ter von den zutref­fen­den recht­li­chen Maß­stä­ben aus­ge­gan­gen ist und alle Umstän­de, ins­be­son­de­re das gesam­te Ver­hal­ten des Unter­neh­mers bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­rei­chend berück­sich­tigt hat 4.

gese­hen wer­den, wenn alle Streit­punk­te in einer vor­he­ri­gen län­ge­ren Aus­ein­an­der­set­zung bereits aus­ge­tra­gen waren und mit dem Antrag zum Aus­druck gebracht wird, dass auch eine Frist­set­zung mit Ableh­nungs­an­dro­hung ihn nicht mehr umstim­men könn­te 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2014 – VII ZR 58/​13

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 08.11.2001 – VII ZR 373/​99, BauR 2002, 310 = NZBau 2002, 89[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 16.03.1988 – VIII ZR 184/​87, BGHZ 104, 6, 13; Urteil vom 29.06.2011 – VIII ZR 202/​10, NJW 2011, 2872 Rn. 14[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 16.03.1988 – VIII ZR 184/​87, BGHZ 104, 6, 14[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 15.12 1998 – X ZR 90/​96, NJW-RR 1999, 560[]
  5. BGH, Urteil vom 08.12 1983 – VII ZR 139/​82, BauR 1984, 181, 182[]