Der Haf­tungs­um­fang eines Erben bei For­de­run­gen aus dem Miet­ver­hält­nis

Wird das Miet­ver­hält­nis nach dem Tod des Mie­ters gemäß § 564 Satz 1 BGB mit dem Erben fort­ge­setzt, sind die nach dem Erb­fall fäl­lig wer­den­den For­de­run­gen jeden­falls dann rei­ne Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten, wenn das Miet­ver­hält­nis inner­halb der in § 564 Satz 2 BGB bestimm­ten Frist been­det wird. In die­sem Fall kann der Erbe für For­de­run­gen aus dem – mit dem Tod des Mie­ters auf den Erben über­ge­gan­ge­nen – Miet­ver­hält­nis die Haf­tung auf den Nach­lass beschrän­ken.

Der Haf­tungs­um­fang eines Erben bei For­de­run­gen aus dem Miet­ver­hält­nis

Mit die­ser Begrün­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall die nur auf Erfül­lung rei­ner Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen, da die Beklag­te die Dürf­tig­keits­ein­re­de erho­ben und das Beru­fungs­ge­richt die Unzu­läng­lich­keit des Nach­las­ses fest­ge­stellt hat. Die­sem Urteil liegt fol­gen­der Fall zugrun­de: Der Vater der Beklag­ten war Mie­ter einer Woh­nung in Nürn­berg. Er starb am 8. Okto­ber 2008. Der Klä­ger macht aus abge­tre­te­nem Recht der Ver­mie­te­rin gegen die Beklag­te als Erbin ihres Vaters Ansprü­che aus dem zum 31. Janu­ar 2009 been­de­ten Miet­ver­hält­nis gel­tend. Er ver­langt Zah­lung der Mie­te für die Mona­te Novem­ber 2008 bis Janu­ar 2009 sowie Scha­dens­er­satz wegen unvoll­stän­di­ger Räu­mung, nicht durch­ge­führ­ter Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren und Beschä­di­gung der Miet­sa­che, ins­ge­samt 7.721,54 € nebst Zin­sen und vor­ge­richt­li­chen Anwalts­kos­ten. Die Beklag­te hat die Dürf­tig­keits­ein­re­de nach § 1990 Abs. 1 Satz 1 BGBerho­ben.

Das Amts­ge­richt [1] hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und der Beklag­ten die Beschrän­kung der Haf­tung auf den Nach­lass vor­be­hal­ten. Das Land­ge­richt [2] hat das amts­ge­richt­li­che Urteil teil­wei­se abge­än­dert und die Kla­ge bis auf einen Betrag von 2.512,48 € (Mie­te für Novem­ber 2008 bis Janu­ar 2009 sowie 250 € Räu­mungs­kos­ten) nebst Zin­sen und vor­ge­richt­li­chen Anwalts­kos­ten in Höhe von 311,19 € abge­wie­sen. Die wei­ter­ge­hen­de Beru­fung der Beklag­ten hat es zurück­ge­wie­sen. Es wur­de Revi­si­on ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs sind jeden­falls dann, wenn das Miet­ver­hält­nis inner­halb der in § 564 Satz 2 BGB bestimm­ten Frist been­det wird, auch die nach dem Tod des Mie­ters fäl­lig wer­den­den For­de­run­gen aus dem Miet­ver­hält­nis rei­ne Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten – mit der Fol­ge, dass der Erbe die Haf­tung auf den Nach­lass beschrän­ken kann und nicht dane­ben mit sei­nem Eigen­ver­mö­gen haf­tet. § 564 Satz 1 BGB begrün­det kei­ne per­sön­li­che Haf­tung des Erben. Weder aus dem Wort­laut noch aus der sys­te­ma­ti­schen Stel­lung der Vor­schrift lässt sich ent­neh­men, dass dem Erben im Hin­blick auf das Wohn­raum­miet­ver­hält­nis des Erb­las­sers eine mit einer per­sön­li­chen Haf­tung ver­bun­de­ne Son­der­stel­lung zuge­wie­sen sein soll.

Da die Kla­ge nur auf Erfül­lung rei­ner Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten gerich­tet ist, die Beklag­te jedoch die Dürf­tig­keits­ein­re­de erho­ben und das Beru­fungs­ge­richt die Unzu­läng­lich­keit des Nach­las­ses fest­ge­stellt hat, hat der Bun­des­ge­richts­hof die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Janu­ar 2013 – VIII ZR 68/​12

  1. AG Nürn­berg, Urteil vom 15.06.2010 – 29 C 5423/​09[]
  2. LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 07.02.2012 – 7 S 5446/​10[]