Die Schen­kung mit Nut­zungs­recht

Das der Erb­las­se­rin ein­ge­räum­te Wohn- und Rück­for­de­rungs­recht steht dem Beginn der Zehn­jah­res­frist nicht ent­ge­gen, nach der eine Schen­kung bei der Nach­lass­ver­tei­lung nicht mehr zu berück­sich­ti­gen ist.

Die Schen­kung mit Nut­zungs­recht

Mit die­ser Begrün­dung hat das Pfäl­zi­sche Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass der Wert des Hau­ses wegen Ablaufs der Zehn­jah­res­frist bei der Nach­lass­ver­tei­lung unbe­rück­sich­tigt bleibt und der Klä­ger kei­nen Anteil aus dem Wert des bereits ver­schenk­ten Hau­ses ver­lan­gen kann. Gleich­zei­tig ist die Kla­ge­ab­wei­sung des Land­ge­richts Land­au [1] damit bestä­tigt wor­den. In die­sem Fall ist der Klä­ger der Enkel der Erb­las­se­rin, sein Vater ist vor­ver­stor­ben, wäh­rend der Beklag­te der Sohn der Erb­las­se­rin und der Onkel des Klä­gers ist. Die Erb­las­se­rin hat 12 Jah­re vor ihrem Tod dem Beklag­ten ihr Haus über­tra­gen, sich aber nota­ri­ell ein Wohn­recht, ein Nut­zungs­recht und eine Rück­über­tra­gungs­ver­pflich­tung vor­be­hal­ten. Der Klä­ger hat mit sei­ner Kla­ge in der Haupt­sa­che sei­nen Anteil aus dem Wert des Hau­ses in Höhe von 53.333,33 € mit der Begrün­dung ver­langt, die Zehn­jah­res­frist habe wegen der vor­be­hal­te­nen Rech­te der Erb­las­se­rin bei der Über­tra­gung nicht zu lau­fen begon­nen.

Nach­dem vom Land­ge­richt Land­au in der Pfalz die Kla­ge abge­wie­sen wor­den war, hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Pfäl­zi­sche Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken deut­lich erklärt, dass der Wert des Hau­ses wegen Ablaufs der Zehn­jah­res­frist bei der Nach­lass­ver­tei­lung unbe­rück­sich­tigt blei­be. So habe die Zehn­jah­res­frist bereits mit der Grund­stücks­über­tra­gung zu lau­fen begon­nen. Das der Erb­las­se­rin ein­ge­räum­te Wohn- und Rück­for­de­rungs­recht ste­he dem Beginn des Frist­laufs nicht ent­ge­gen. Die Erb­las­se­rin habe sich ein aus­schließ­li­ches Bewoh­nungs- und Benüt­zungs­recht ledig­lich an der Woh­nung im Erd­ge­schoss vor­be­hal­ten, sodass die Woh­nung im Ober­ge­schoss dem Beklag­ten zur frei­en Ver­fü­gung gestan­den habe.

Dar­über hin­aus hin­de­re auch das von der Erb­las­se­rin vor­be­hal­te­ne Rück­for­de­rungs­recht nicht den Frist­be­ginn, weil es sich nicht um ein Rück­for­de­rungs­recht han­de­le, des­sen Aus­übung allein vom Wil­len des Erb­las­sers abhän­ge, son­dern zusätz­lich an ein bestimm­tes Ver­hal­ten des Beklag­ten geknüpft gewe­sen sei.

Pfäl­zi­sches Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken, Urteil vom 1. Sep­tem­ber 2020 – 5 U 50/​19

  1. LG Land­au, Urteil vom 26.03.2019 – 4 O 42/​18[]