Tei­lungs­an­ord­nung des Erb­las­sers – und die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung

Eine Tei­lungs­an­ord­nung des Erb­las­sers gemäß § 2048 BGB steht einer von einem Mit­er­ben betrie­be­nen Tei­lungs­ver­stei­ge­rung gemäß §§ 180, 181 ZVG grund­sätz­lich ent­ge­gen. Der begüns­tig­te Mit­er­be kann gegen die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung im Wege der unech­ten Dritt­wi­der­spruchs­kla­ge gemäß §§ 768, 771 ZPO ana­log vor­ge­hen. Ein Recht zur Tei­lungs­ver­stei­ge­rung kann aber aus­nahms­wei­se dann bestehen, wenn die Ver­stei­ge­rung erfor­der­lich ist, um einen schwe­ren Nach­teil für den Nach­lass abzu­wen­den und berech­tig­te Inter­es­sen des begüns­tig­ten Mit­er­ben nicht ent­ge­gen ste­hen.

Tei­lungs­an­ord­nung des Erb­las­sers – und die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung

In ers­ter Linie steht der Ver­stei­ge­rung ent­ge­gen, dass sie der Tei­lungs­an­ord­nung des Erb­las­sers wider­spricht.

Eine Tei­lungs­an­ord­nung des Erb­las­sers gemäß § 2048 S. 1 BGB führt zu einer schuld­recht­li­chen Bin­dung der Erben 1. Sie ist für alle Mit­er­ben ver­bind­lich 2 und ersetzt in ihrem Umfang den von den Erben gemein­sam auf­zu­stel­len­den Tei­lungs­plan. Sie geht damit den gesetz­li­chen Regeln über die Aus­ein­an­der­set­zung vor 3. Ins­be­son­de­re schließt sie die Befug­nis der wei­te­ren Mit­er­ben aus, zwangs­wei­se die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung eines ein­zel­nen Nach­lass­grund­stücks gem. § 180 ZVG zu betrei­ben 4.

Aller­dings sind Fäl­le denk­bar, in denen es auf­grund von Treu und Glau­ben mög­lich sein muss, einen Nach­lass­ge­gen­stand unter Abwei­chung von der Tei­lungs­an­ord­nung und gegen den Wil­len des begüns­tig­ten Erben zu ver­äu­ßern, und zwar dann, wenn ein schwe­rer Scha­den vom Nach­lass abge­wen­det wer­den muss. Ein sol­cher Son­der­fall ist etwa denk­bar, wenn die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung der ein­zi­ge Weg ist, um eine Nach­lassin­sol­venz abzu­wen­den und der begüns­tig­te Erbe kei­nen ver­nünf­ti­gen Grund anfüh­ren kann, der es recht­fer­ti­gen könn­te, das ihm zuge­wand­te Grund­stück zu scho­nen. Dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig für die Umstän­de, die einen sol­chen Son­der­fall begrün­den könn­ten, ist aber der Mit­er­be, der das Recht für sich in Anspruch nimmt, dass er sich über die Tei­lungs­an­ord­nung des Erb­las­sers zu Las­ten des begüns­tig­ten Mit­er­ben hin­weg­set­zen kann.

Dane­ben ver­stößt die durch­für­hung der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung auch gegen § 2042 BGB. Die Mög­lich­keit, die Ver­stei­ge­rung von Nach­lass­grund­stü­cken zu betrei­ben, steht dem Mit­er­ben nur als Aus­fluss sei­nes Rechts auf Aus­ein­an­der­set­zung nach § 2042 BGB zu. Grund­vor­aus­set­zung ist, dass die Ver­stei­ge­rung die Gesamtausein­an­der­set­zung der Erben­ge­mein­schaft bezweckt 5. Bei Zwei­feln dar­über, ob eine Gesamt- oder Teil­aus­ein­an­der­set­zung bezweckt wird, kann aus­nahms­wei­se im Betrei­ben der Zwangs­voll­stre­ckung selbst das Betrei­ben der Gesamtausein­an­der­set­zung gese­hen wer­den 6, sofern die Ver­sil­be­rung eines Nach­lass­ge­gen­stands den ers­ten Schritt auf Her­bei­füh­rung der Gesamtausein­an­der­set­zung bil­det 5.

Vor­lie­gend betreibt der Mit­er­be jedoch der­zeit nicht die Gesamtausein­an­der­set­zung. Er legt es gera­de nicht dar­auf an, alle unteil­ba­ren Nach­lass­ge­gen­stän­de zu Geld zu machen. Er will nur einen ein­zel­nen Nach­lass­ge­gen­stand ver­äu­ßern. Dabei wür­de er noch nicht ein­mal den Zugriff auf den Ver­stei­ge­rungs­er­lös erhal­ten. Der Erlös wür­de in den Nach­lass fal­len. Da die Ver­wal­tung des Nach­las­ses den Mit­er­ben gemein­schaft­lich zusteht, wäre damit noch nicht ein­mal klar, dass der Erlös zu dem Zweck ver­wen­det wird, den sich der betrei­ben­de Mit­er­be vor­stellt.

Zwar kann aus­nahms­wei­se auch eine gegen­ständ­lich beschränk­te Teil­aus­ein­an­der­set­zung gegen den Wil­len eines Mit­er­ben zuläs­sig sein. Erfor­der­lich ist dabei aber, dass beson­de­re Grün­de hier­für vor­lie­gen und der wider­spre­chen­de Mit­er­ben kei­ne berech­tig­ten Inter­es­sen gegen die Teil­aus­ein­an­der­set­zung gel­tend macht 7. Dar­le­gen und bewei­sen muss die­sen Aus­nah­me­tat­be­stand der­je­ni­ge, der Rech­te hier­aus ablei­tet 8. Inso­weit kann auf die Aus­füh­run­gen zur Bin­dungs­wir­kung der Tei­lungs­an­ord­nung Bezug genom­men wer­den. Das sich aus Tei­lungs­an­ord­nung erge­ben­de berech­tig­te Inter­es­se der übri­gen Mit­er­ben gegen die Ver­stei­ge­rung über­wiegt. Da ande­re Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen, die alle Mit­er­ben gleich­mä­ßig belas­ten, besteht kein Grund dafür, dass die Mit­er­ben einer Teil­aus­ein­an­der­set­zung in der ange­streb­ten Form zustim­men müs­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg (Olden­burg), Urteil vom 04. Febru­ar 2014 – 12 U 144/​13

  1. BGH NJW 1981, 1837[]
  2. vgl. BGH NJW-RR 1990, 1220, 1221; Soergel/​Wolf, BGB, 13. Auf­la­ge, § 2048 Rdn. 2; Palandt /​Weidlich, BGB, 73. Auf­la­ge, § 2048 Rdn. 4[]
  3. BGH NJW 2002, 2712; OLG Mün­chen Fam­RZ 2010, 758 f[]
  4. vgl. RG JW 1925, 2120f, Nr. 10; Staudinger/​Werner, BGB, 2010, § 2042 Rdn. 40[]
  5. vgl. RG JW 1919, 42, 43, Nr. 9[][]
  6. vgl. RG JW 1919, 42, 43 Nr. 9[]
  7. vgl. BGH NJW 1985, 51, 52; KG NJOZ 2003, 2609, 2610; Münch­Komm-BGB/Ann, BGB, 6. Auf­la­ge, § 2042 Rn.19; Staudinger/​Werner, 2010, § 2042 Rdn. 30[]
  8. RG JW 1919, 42, 43[]