Erstat­tung von Man­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten

Beim Anspruch auf Erstat­tung von Man­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten trägt der Bestel­ler die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, wel­che Leis­tun­gen nach der Kün­di­gung aus­ge­führt wur­den und wie hoch die man­gel­be­ding­ten Mehr­kos­ten sind.

Erstat­tung von Man­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten

Hat der Auf­trag­ge­ber kei­nen Anlass, dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen zu miss­trau­en, kann er die von ihm vor­ge­schla­ge­ne Män­gel­be­sei­ti­gung durch­füh­ren und deren Kos­ten gel­tend machen. Der Bestel­ler kann nicht auf die nied­ri­ge­re Kos­ten­schät­zung eines Sach­ver­stän­di­gen ver­wie­sen wer­den, wenn tat­säch­lich höhe­re Auf­wen­dun­gen erfor­der­lich waren.

Der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch umfasst Auf­wen­dun­gen für ver­trag­lich vom Unter­neh­mer nicht geschul­de­te Leis­tun­gen nicht, soweit der geschul­de­te Erfolg mit den vom Unter­neh­mer vor­ge­se­he­nen Mate­ria­li­en und der vor­ge­se­he­nen Kon­struk­ti­on erreicht wer­den kann.

Vor­aus­set­zung für den Erstat­tungs­an­spruch ist das Vor­lie­gen eines Man­gels, der nach der ver­ob­jek­ti­vier­ten Sicht­wei­se des Bestel­lers zu Beginn der Man­gel­be­sei­ti­gungs­maß­nah­men den abge­rech­ne­ten Auf­wand erfor­der­lich erschei­nen ließ.

Ohne die Bil­li­gung des bis zur Auf­trags­ent­zie­hung errich­te­ten Werks durch den Bestel­ler, also vor Abnah­me, trägt der Auf­trag­neh­mer die Beweis­last, dass das bis zur Auf­trags­ent­zie­hung errich­te­te Werk man­gel­frei ist [1]. Der Bestel­ler trägt als Bestel­le­rin die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, wel­che Leis­tun­gen nach der Kün­di­gung aus­ge­führt wur­den und wie hoch die Mehr­kos­ten sind [2].

Eine Umkehr der Beweis­last ist nicht schon allein des­halb anzu­neh­men, weil der Bestel­ler Män­gel im Wege der Ersatz­vor­nah­me besei­ti­gen las­sen will oder besei­ti­gen las­sen hat. Es ist nicht gerecht­fer­tigt, dem Bestel­ler nur des­halb, weil er im Wege der berech­tig­ten Ersatz­vor­nah­me den Zustand her­bei­ge­führt hat, zu dem der Unter­neh­mer ver­pflich­tet war, die Beweis­last für das Vor­lie­gen eines Man­gels der Werk­leis­tung auf­zu­er­le­gen [3].

Der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des Bestel­lers nach §§ 4 Nr. 7, 8 Nr. 3 Abs. 2 VOB /​B umfasst alle Auf­wen­dun­gen, die für die ord­nungs­ge­mä­ße Her­stel­lung des vom Unter­neh­mer ver­trag­lich geschul­de­ten Werks erfor­der­lich sind. Maß­geb­lich für den Umfang der Män­gel­be­sei­ti­gung ist das ver­trag­lich geschul­de­te Werk. Die­sen Zustand hat der Unter­neh­mer her­zu­stel­len. Zu den zu erset­zen­den not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen für die Män­gel­be­sei­ti­gung gehö­ren auch die­je­ni­gen Kos­ten, die der Bestel­ler bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung für erfor­der­lich hal­ten durf­te. Das mit die­ser Beur­tei­lung ver­bun­de­ne Risi­ko trägt der Unter­neh­mer [4]. Hat der Bestel­ler sich sach­ver­stän­dig aus­rei­chend bera­ten las­sen, so kann er Ersatz sei­ner Auf­wen­dung auch dann ver­lan­gen, wenn sich spä­ter her­aus­stellt, dass die von ihm durch­ge­führ­te Sanie­rung zu auf­wen­dig war und eine preis­wer­te­re Mög­lich­keit bestan­den hat [5]. Hat der Auf­trag­ge­ber kei­nen Anlass, dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen zu miss­trau­en, kann er die von ihm vor­ge­schla­ge­ne Män­gel­be­sei­ti­gung durch­füh­ren und deren Kos­ten gel­tend machen [6]. Bei der Wür­di­gung, wel­che Maß­nah­me zu wel­chen Prei­sen mög­lich und zumut­bar war, ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Bestel­ler nicht gehal­ten ist, im Inter­es­se des säu­mi­gen und nach­bes­se­rungs­un­wil­li­gen Unter­neh­mers beson­de­re Anstren­gun­gen zu unter­neh­men, um den preis­güns­tigs­ten Dritt­un­ter­neh­mer zu fin­den. Er darf viel­mehr grund­sätz­lich dar­auf ver­trau­en, dass der Preis des von ihm beauf­trag­ten Dritt­un­ter­neh­mers ange­mes­sen ist [7]. Der Bestel­ler kann nicht auf die nied­ri­ge­re Kos­ten­schät­zung eines Sach­ver­stän­di­gen ver­wie­sen wer­den, wenn die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen erfor­der­li­cher­wei­se höher waren. Aller­dings kann sich in die­sem Fall die Dar­le­gungs­last des Bestel­lers erhö­hen [6].

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 15. Novem­ber 2011 – 10 U 66/​10

  1. vgl. BGH BauR 2009, 237; OLG Hamm, Urteil vom 05.05.2009 – I‑26 U 57/​08; OLG Düs­sel­dorf BauR 2001, 262; OLG Cel­le BauR 1995, 394; Baumgärtel/​Kessel, Hand­buch der Beweis­last BGB Schuld­recht beson­de­rer Teil II, 3. Aufl., § 633 RN 13[]
  2. Kuf­fer in Heiermann/​Riedl/​Rusam VOB 11. Aufl. B § 8 RN 91[]
  3. BGH BauR 2009, 237[]
  4. BGHZ 154, 301[]
  5. BGH a.a.O.; Kniff­ka/­Krau­se-Allen­stein, ibr-online-Kom­men­tar Bau­ver­trags­recht 2011, Stand 30.09.2011, § 637 RN 48[]
  6. Kniff­ka/­Krau­se-Allen­stein a.a.O.[][]
  7. Kniff­ka/­Krau­se-Allen­stein a.a.O., RN 49[]