Kei­ne Son­der­rech­te für Unfall­for­schungs­fahr­zeu­ge

Fahr­zeu­ge der Unfall­for­schung fal­len nicht in den Kreis der Son­der­rechts­fahr­zeu­ge nach § 35 StVO. Sie kön­nen sich nicht auf ein Son­der­recht nach § 35 StVO und damit auf eine Frei­stel­lung von den Vor­schrif­ten der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung beru­fen.

Kei­ne Son­der­rech­te für Unfall­for­schungs­fahr­zeu­ge

Mit die­ser Begrün­dung gab jetzt das Ober­lan­des­ge­richts Cel­le der Kla­ge eines geschä­dig­ten Unfall­geg­ners statt und ver­ur­teil­te die Unfall­for­scher voll­um­fäng­lich zum Ersatz des bei dem Unfall ent­stan­de­nen Scha­dens:

Ein Fahr­zeug der Ver­kehrs­un­fall­for­schung fuhr trotz Rot­lichts in einen Kreu­zungs­be­reich mit Blau­licht und Mar­tins­horn ein und kol­li­dier­te inmit­ten der Kreu­zung mit dem bei Grün­licht hin­ein gefah­re­nen Pkw des Klä­gers, an des­sen Fahr­zeug Total­scha­den ent­stand. Er klagt auf den Rest­be­trag sei­nes von der geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rung ledig­lich zur Hälf­te regu­lier­ten Scha­dens.

Das Land­ge­richt Han­no­ver hat­te erst­in­stanz­lich zu Las­ten des Klä­gers eine Mit­haf­tungs­quo­te von einem Drit­tel ange­nom­men und sei­ner Kla­ge daher nur teil­wei­se statt­ge­ge­ben, weil der Füh­rer des Fahr­zeugs der Unfall­for­schung sich auf Son­der­rech­te nach der StVO habe beru­fen kön­nen 1. Dem hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le nun wider­spro­chen. Fahr­zeu­ge der Unfall­for­schung unter­fal­len nicht dem in § 35 StVO genann­ten Kreis der Son­der­rechts­fahr­zeu­ge. Wegen der mit der Wahr­neh­mung von Son­der­rech­ten ver­bun­de­nen erheb­li­chen Gefähr­dun­gen ist der Anwen­dungs­be­reich des § 35 StVO – auch weil er eine Aus­nah­me­vor­schrift dar­stellt – eng aus­zu­le­gen. So ist er eröff­net, wenn höchs­te Eile gebo­ten ist, um Men­schen­le­ben zu ret­ten oder schwe­re gesund­heit­li­che Schä­den abzu­wen­den. Dar­auf war der vor­lie­gen­de Ein­satz zur Unfall­for­schung von vor­ne­her­ein nicht gerich­tet.

Das OLG Cel­le ent­schied wei­ter, dass ein Son­der­recht nach § 35 StVO die dadurch Begüns­tig­ten zwar an sich von der Ein­hal­tung jeder Ver­kehrs­vor­schrift frei­stellt. Die­se Son­der­stel­lung gibt ihnen aber kei­ne Vor­fahrt gegen­über dem übri­gen Ver­kehr, son­dern berech­tigt sie nur, von den all­ge­mei­nen Ver­kehrs­vor­schrif­ten mit größt­mög­li­cher Sorg­falt abzu­wei­chen. Danach hät­te sich der Füh­rer des Fahr­zeugs der Unfall­for­schung ver­ge­wis­sern müs­sen, dass die ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer sei­nen Wagen wahr­ge­nom­men haben und ihm Vor­rang ein­räu­men wer­den, bevor er sich bei Rot­licht in die Kreu­zung hät­te hin­ein­tas­ten dür­fen.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 3. August 2011 – 14 U 158/​10

  1. LG Han­no­ver, Urteil vom 05.10.2010 – 9 O 243/​08[]