Kün­di­gung durch den gewerb­li­chen Groß­ver­mie­ter

Einem gewerb­li­chen Groß­ver­mie­ter ist es in tat­säch­lich und recht­lich ein­fach gela­ger­ten Fäl­len zuzu­mu­ten, ein Kün­di­gungs­schrei­ben ohne anwalt­li­che Hil­fe zu ver­fas­sen. Die Kos­ten für einen den­noch beauf­trag­ten Rechts­an­walt sind daher vom Mie­ter nicht zu erstat­ten.

Kün­di­gung durch den gewerb­li­chen Groß­ver­mie­ter

Die Klä­ge­rin des jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streits ist ein Unter­neh­men der Woh­nungs­wirt­schaft, das über eine Viel­zahl von Woh­nun­gen ver­fügt und die­se gewerb­lich ver­mie­tet. Die Beklag­ten, die eine Woh­nung von der Klä­ge­rin gemie­tet haben, gerie­ten mit zwei Monats­mie­ten in Rück­stand. Dar­auf­hin erklär­te die Klä­ge­rin mit anwalt­li­chem Schrei­ben die frist­lo­se Kün­di­gung des Miet­ver­trags gemäß § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB. Die Klä­ge­rin hat mit ihrer Kla­ge Räu­mung und Her­aus­ga­be der Woh­nung sowie Zah­lung der durch das Kün­di­gungs­schrei­ben ent­stan­de­nen Rechts­an­walts­kos­ten in Höhe von 402,82 € begehrt. Hin­sicht­lich der in der Revi­si­on allein noch maß­geb­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten hat das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Wies­ba­den die Kla­ge abge­wie­sen [1]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Klä­ge­rin hat das Land­ge­richt Wies­ba­den zurück­ge­wie­sen [2]. Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te beim Bun­des­ge­richts­hof eben­falls kei­nen Erfolg:

Der Bun­des­ge­richts­hof urteil­te, dass Kos­ten, die aus der Sicht des Ver­mie­ters zur Wah­rung und Durch­set­zung sei­ner Rech­te nicht erfor­der­lich und zweck­mä­ßig sind, vom Mie­ter nicht als Ver­zugs­scha­den zu erset­zen sind. Sofern es sich wie in der ent­schie­de­nen Kon­stel­la­ti­on um einen tat­säch­lich und recht­lich ein­fach gela­ger­ten Fall han­delt, bedarf ein gewerb­li­cher Groß­ver­mie­ter für die Abfas­sung einer auf Zah­lungs­ver­zug gestütz­ten Kün­di­gung kei­ner anwalt­li­chen Hil­fe. Dies gilt auch dann, wenn der Groß­ver­mie­ter nicht über eine eige­ne Rechts­ab­tei­lung ver­fügt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Okto­ber 2010 – VIII ZR 271/​09

  1. AG Wies­ba­den, Urteil vom 06.04.2009 – 93 C 8201/​08 (29) []
  2. LG Wies­ba­den, Urteil vom 18.09.2009 – 2 S 38/​09 []