Pflicht zum USt-Aus­weis bei Stroh­mann­rech­nun­gen

Ein Anspruch auf Ertei­lung von Rech­nun­gen unter Aus­weis der Umsatz­steu­er bei Stroh­mann­ge­schäf­ten ergibt sich nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs weder aus Ver­trag noch aus dem Gesetz.

Pflicht zum USt-Aus­weis bei Stroh­mann­rech­nun­gen

Kein ver­trag­li­cher Anspruch

Ein ver­trag­li­cher Anspruch auf Rech­nungs­er­tei­lung aus den Stroh­mann­ge­schäf­ten besteht nicht, denn grund­sätz­lich sind auch bei einem Stroh­mann­ge­schäft zivil­recht­lich nur die Ver­trags­part­ner ein­an­der ver­pflich­tet. Ein Anspruch gegen den "Hin­ter­mann" besteht nicht 1. Einen Anspruch aus § 179 Abs. 1 BGB ist eben­falls zu ver­nei­nen, soweit der "Schein­ver­käu­fer" mit Ver­tre­tungs­macht für die Ver­käu­fer auf­trat.

Kein Anspruch aus § 14 Abs. 1 UStG

Auch aus § 14 Abs. 1 UStG 1999 steht dem Käu­fer kein Anspruch auf Ertei­lung der Rech­nun­gen zu. § 14 Abs. 1 UStG 1999 nor­miert ledig­lich eine Neben­pflicht aus dem bür­ger­lich­recht­li­chen Ver­trags­ver­hält­nis zwi­schen Lie­fe­ran­ten und Leis­tungs­emp­fän­ger, die sich ansons­ten bereits aus Treu und Glau­ben erge­ben wür­de 2. Der Anspruch aus § 14 Abs. 1 UStG 1999 rich­tet sich daher grund­sätz­lich gegen den Unter­neh­mer, der zivil­recht­lich als Ver­trags­part­ner des Steu­er­pflich­ti­gen anzu­se­hen ist.

Allein die Ver­käu­fer tref­fen die zivil­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen aus den in ihrem Namen abge­schlos­se­nen Rechts­ge­schäf­ten, so auch die sich hier­aus erge­ben­de Neben­pflicht auf Ertei­lung von Rech­nun­gen mit Umsatz­steu­er­aus­weis. Eine Aus­nah­me wäre nur im Fal­le eines Schein­ge­schäfts (§ 116 BGB) zu machen, wenn also bei­de Ver­trags­par­tei­en kei­ne Ver­pflich­tung hät­ten ein­ge­hen wol­len.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs kann der Käu­fer unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 15 UStG 1999 einen Vor­steu­er­ab­zug auch dann gel­tend machen, wenn in der Ket­te von Lie­fe­run­gen, die der ihm erbrach­ten Lie­fe­rung vor­aus­ge­gan­gen oder nach­ge­folgt sind, ein Umsatz ent­hal­ten ist, der in einen vom Ver­käu­fer began­ge­nen Betrug ein­be­zo­gen war, und der Steu­er­pflich­ti­ge dies weder wuss­te noch wis­sen muss­te (BFH, DStR 2007, 1524, 1528)). Allein die Tat­sa­che, dass die Finanz­be­hör­den dem Käu­fer den Vor­steu­er­ab­zug (den­noch) ver­wei­ger­ten, begrün­det kei­ne Pflicht des Ver­käu­fers zur Rech­nungs­er­tei­lung.

Kein Anspruch aus c.i.c. oder aus Delikt

Ein Anspruch des Käu­fers auf Ertei­lung der Rech­nun­gen ergibt sich – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on – auch weder aus den hier gemäß Art. 229 § 5 Abs. 1 Satz 1 EGZPO anwend­ba­ren Grund­sät­zen über das Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss (c.i.c.) noch aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 263 StGB. Es kann dabei dahin ste­hen, ob die übri­gen Vor­aus­set­zun­gen einer Haf­tung des Ver­käu­fers hier­aus gege­ben wären, denn die Rech­nungs­er­tei­lung stellt jeden­falls kei­ne Scha­dens­er­satz­leis­tung nach die­sen Anspruchs­grund­la­gen dar.

Sowohl nach den Grund­sät­zen des Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss (c.i.c.) als auch nach § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 263 StGB hat der zum Scha­dens­er­satz Ver­pflich­te­te ledig­lich das nega­ti­ve Inter­es­se zu erset­zen 3. Der Gläu­bi­ger ist so zu stel­len, als hät­te das schä­di­gen­de Ereig­nis nicht statt­ge­fun­den 4.

Ein sol­cher Anspruch ergibt sich auch nicht dar­auf, dass der Käu­fer von den Ver­käu­fer über die Berech­ti­gung der Ver­käu­fer zur Rech­nungs­er­tei­lung mit geson­der­tem Umsatz­steu­er-aus­weis getäuscht wur­de und ihm des­halb der Vor­steu­er­ab­zug ver­wei­gert wur­de. Denn die Rech­nungs­er­tei­lung stellt ledig­lich eine Neben­pflicht der ein­zel­nen Ver­kaufs­ge­schäf­te dar. Der Käu­fer könn­te eine Rech­nungs­er­tei­lung als zu erset­zen­des nega­ti­ves Inter­es­se daher nur dann ver­lan­gen, wenn fest­stün­de, dass ohne die behaup­te­te Täu­schung über die Ver­kaufs­ge­schäf­te mit den "Schein­fir­men" ent­spre­chen­de Geschäf­te mit dem Ver­käu­fer zustan­de gekom­men wären, aus denen sich dann eine Neben­pflicht zur Rech­nungs­er­tei­lung ablei­ten lie­ße 5. Dar­an fehlt es regel­mä­ßig jedoch, denn regel­mä­ßig ist es ein Haupt­zweck der Ein­schal­tung der "Schein­fir­men", nur für die­se eine Umsatz­steu­er­haf­tung zu begrün­den. Ein per­sön­li­cher Abschluss der Ver­kaufs­ge­schäf­te mit dem Käu­fer hät­te daher den Inter­es­sen der Vekäu­fer wider­spro­chen, die gera­de nicht als Ver­käu­fer in Erschei­nung tre­ten woll­ten, um eine Umsatz­steu­er­haf­tung zu ver­mei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom

  1. vgl. BGH, Urteil vom 29.10.1996 – XI ZR 319/​95, NJW-RR 1997, 238[]
  2. BGHZ 103, 284, 287[]
  3. für c.i.c.: BGHZ 142, 51, 62 ff.; BGH, Urteil vom 02.03.1988 – VIII ZR 380/​86, NJW 1988, 2234; für § 823 Abs. 2 BGB: BGH, Urteil vom 25.11.1997 – VI ZR 402/​96, NJW 1998, 983[]
  4. BGH, Urteil vom 19.05.2006 – V ZR 264/​05, NJW 2006, 3139, m.w.N.[]
  5. vgl. BGHZ 108, 200, 207 f.; BGH, Urtei­le vom 02.03.1988, a.a.O.; vom 25.11.1997, a.a.O.; vom 24.06.1998 – XII ZR 126/​96, NJW 1998, 2900; vom 19.05.2006, a.a.O.[]