Repa­ra­tur nach dem Ver­kehrs­un­fall – Freie oder Mar­ken-Werk­statt?

Der Geschä­dig­te leis­tet dem Gebot der Wirt­schaft­lich­keit im All­ge­mei­nen Genü­ge und bewegt sich in den für die Scha­dens­be­he­bung nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB gezo­ge­nen Gren­zen, wenn er der Scha­dens­ab­rech­nung die übli­chen Stun­den­ver­rech­nungs­sät­ze einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt zugrun­de legt, die ein von ihm ein­ge­schal­te­ter Sach­ver­stän­di­ger auf dem all­ge­mei­nen regio­na­len Markt ermit­telt hat.

Repa­ra­tur nach dem Ver­kehrs­un­fall – Freie oder Mar­ken-Werk­statt?

Der Schä­di­ger kann den Geschä­dig­ten aber unter dem Gesichts­punkt der Scha­dens­min­de­rungs­pflicht gemäß § 254 Abs. 2 BGB auf eine güns­ti­ge­re Repa­ra­tur­mög­lich­keit in einer mühe­los und ohne Wei­te­res zugäng­li­chen "frei­en Fach­werk­statt" ver­wei­sen, wenn er dar­legt und gege­be­nen­falls beweist, dass eine Repa­ra­tur in die­ser Werk­statt vom Qua­li­täts­stan­dard her der Repa­ra­tur in einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt ent­spricht, und wenn er gege­be­nen­falls vom Geschä­dig­ten auf­ge­zeig­te Umstän­de wider­legt, die die­sem eine Repa­ra­tur außer­halb der mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt unzu­mut­bar machen wür­den.

Unzu­mut­bar ist eine Repa­ra­tur in einer "frei­en Fach­werk­statt" für den Geschä­dig­ten ins­be­son­de­re dann, wenn sie nur des­halb kos­ten­güns­ti­ger ist, weil ihr nicht die markt­üb­li­chen Prei­se die­ser Werk­statt, son­dern auf ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit dem Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Schä­di­gers beru­hen­de Son­der­kon­di­tio­nen zugrun­de lie­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nen Ent­schei­dun­gen vom 20. Okto­ber 2009 1 und vom 23. Febru­ar 2010 2 grund­sätz­lich Stel­lung dazu bezo­gen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Geschä­dig­ter, der den Ersatz fik­ti­ver Repa­ra­tur­kos­ten begehrt, gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB die Erstat­tung der Stun­den­ver­rech­nungs­sät­ze einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt ver­lan­gen kann. Danach leis­tet der Geschä­dig­te dem Gebot der Wirt­schaft­lich­keit im All­ge­mei­nen Genü­ge und bewegt sich in den für die Scha­dens­be­he­bung nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB gezo­ge­nen Gren­zen, wenn er der Scha­dens­ab­rech­nung die übli­chen Stun­den­ver­rech­nungs­sät­ze einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt zugrun­de legt, die ein von ihm ein­ge­schal­te­ter Sach­ver­stän­di­ger auf dem all­ge­mei­nen regio­na­len Markt ermit­telt hat 3.

Der Schä­di­ger kann den Geschä­dig­ten aber unter dem Gesichts­punkt der Scha­dens­min­de­rungs­pflicht gemäß § 254 Abs. 2 BGB auf eine güns­ti­ge­re Repa­ra­tur­mög­lich­keit in einer mühe­los und ohne Wei­te­res zugäng­li­chen "frei­en Fach­werk­statt" ver­wei­sen, wenn er dar­legt und gege­be­nen­falls beweist, dass eine Repa­ra­tur in die­ser Werk­statt vom Qua­li­täts­stan­dard her der Repa­ra­tur in einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt ent­spricht, und wenn er gege­be­nen­falls vom Geschä­dig­ten auf­ge­zeig­te Umstän­de wider­legt, die die­sem eine Repa­ra­tur außer­halb der mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt unzu­mut­bar machen wür­den 4. Unzu­mut­bar ist eine Repa­ra­tur in einer "frei­en Fach­werk­statt" für den Geschä­dig­ten ins­be­son­de­re dann, wenn sie nur des­halb kos­ten­güns­ti­ger ist, weil ihr nicht die (markt-)üblichen Prei­se die­ser Werk­statt, son­dern auf ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit dem Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Schä­di­gers beru­hen­de Son­der­kon­di­tio­nen zugrun­de lie­gen. Andern­falls wür­de die dem Geschä­dig­ten nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB zuste­hen­de Erset­zungs­be­fug­nis unter­lau­fen, die ihm die Mög­lich­keit der Scha­dens­be­he­bung in eige­ner Regie eröff­net und ihn davon befreit, die beschä­dig­te Sache dem Schä­di­ger oder einer von ihm aus­ge­wähl­ten Per­son zur Repa­ra­tur anver­trau­en zu müs­sen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Juni 2010 – VI ZR 337/​09

  1. VI ZR 53/​09[]
  2. VI ZR 91/​09[]
  3. BGH, Urtei­le vom 20.10.2009 – VI ZR 53/​09VersR 2010, 225, m.w.N.; und vom 23. Febru­ar 2010 – VI ZR 91/​09[]
  4. BGH, Urtei­le vom 20.10.2009 – VI ZR 53/​09, aaO; und vom 23.02.2010 – VI ZR 91/​09[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le in BGHZ 63, 182, 184; und vom 20.09.2009 – VI ZR 53/​09, aaO, m.w.N.[]