Revi­si­ons­zu­las­sung – und ihre Beschrän­kung in den Ent­schei­dungs­grün­den

Eine Beschrän­kung der Zulas­sung der Revi­si­on muss nicht im Tenor des Urteils ange­ord­net sein, son­dern kann sich auch aus den Ent­schei­dungs­grün­den erge­ben, wenn sie sich die­sen mit der erfor­der­li­chen Ein­deu­tig­keit ent­neh­men lässt.

Revi­si­ons­zu­las­sung – und ihre Beschrän­kung in den Ent­schei­dungs­grün­den

Hat das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on wegen einer Rechts­fra­ge zuge­las­sen, die nur für einen ein­deu­tig abgrenz­ba­ren Teil des Streit­stoffs von Bedeu­tung ist, kann die gebo­te­ne Aus­le­gung der Ent­schei­dungs­grün­de erge­ben, dass die Zulas­sung der Revi­si­on auf die­sen Teil des Streit­stoffs beschränkt ist 1.

So ver­hielt es sich auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall. Denn das Beru­fungs­ge­richt hat die Revi­si­on zuge­las­sen, "weil die Fra­ge der for­ma­len Miet­erhö­hungs­er­klä­rung hin­sicht­lich bei­der [im Urteil] aus­ge­führ­ten Punk­te in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on noch nicht hin­rei­chend abge­klärt" sei und damit die Zulas­sung aus­drück­lich und aus­schließ­lich auf die in § 559b Abs. 1 BGB aF gere­gel­ten for­mel­len Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zun­gen einer Miet­erhö­hungs­er­klä­rung nach Moder­ni­sie­rung beschränkt.

Die­se Beschrän­kung der Zulas­sung ist auch wirk­sam. Zwar ist eine Beschrän­kung der Revi­si­on auf ein­zel­ne Rechts­fra­gen oder Anspruchs­ele­men­te unzu­läs­sig 2. Aner­kann­ter­ma­ßen hat das Beru­fungs­ge­richt jedoch die Mög­lich­keit, die Revi­si­on nur hin­sicht­lich eines tat­säch­lich und recht­lich selb­stän­di­gen und abtrenn­ba­ren Teils des Gesamt­streit­stoffs zuzu­las­sen, auf den auch die Par­tei selbst die Revi­si­on beschrän­ken könn­te 3.

Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend erfüllt. Denn bei den von § 559b BGB aF for­mu­lier­ten Anfor­de­run­gen an die for­mel­le Wirk­sam­keit einer Miet­erhö­hungs­er­klä­rung han­delt es sich um einen selb­stän­di­gen Teil des Streit­stoffs in dem Sin­ne, dass die­ser in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht unab­hän­gig von dem übri­gen Streit­stoff – nament­lich der mate­ri­ell­recht­li­chen Wirk­sam­keit der Miet­erhö­hung nach § 559 BGB aF – beur­teilt wer­den und auch im Fal­le einer Zurück­ver­wei­sung kein Wider­spruch zum nicht anfecht­ba­ren Teil des Streit­stoffs auf­tre­ten kann 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Juni 2018 – VIII ZR 121/​17

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 04.03.2014 – XI ZR 178/​12, BKR 2014, 245 Rn. 18; vom 02.05.2017 – VI ZR 262/​16, NJW-RR 2017, 1516 Rn. 16; vom 24.10.2017 – II ZR 16/​16, NJW-RR 2018, 39 Rn. 9; Beschluss vom 10.04.2018 – VIII ZR 247/​17, WRP 2018, 710 Rn. 10; jeweils mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 22.09.2016 – VII ZR 298/​14, BGHZ 212, 90 Rn. 18; vom 02.02.2017 – III ZR 41/​16, NVwZ-RR 2017, 579 Rn. 23; vom 15.03.2017 – VIII ZR 295/​15, NJW 2017, 2679 Rn. 13; jeweils mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 26.04.2016 – XI ZR 108/​15, WM 2016, 1031 Rn. 11; vom 15.03.2017 – VIII ZR 295/​15, aaO; vom 10.11.2017 – V ZR 184/​16, NJW 2018, 1309 Rn. 6; Beschluss vom 10.04.2018 – VIII ZR 247/​17, aaO Rn.20; jeweils mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 15.03.2017 – VIII ZR 295/​15, aaO Rn. 14; BGH, Beschluss vom 10.04.2018 – VIII ZR 247/​17, aaO Rn. 21; jeweils mwN[]