Scha­dens­er­satz wegen ver­säum­ter Ver­jäh­rungs­frist – und des­sen Ver­jäh­rung

Ver­letzt ein Rechts­an­walt sei­ne Pflicht, eine mit Ablauf des 31. Dezem­ber ver­jäh­ren­de For­de­rung gericht­lich gel­tend zu machen, ent­steht der Scha­den des Man­dan­ten mit Beginn des 1. Janu­ar – und nicht bereits mit Ablauf des 31. Dezem­ber; die Ver­jäh­rungs­frist des Scha­dens­er­satz­an­spruchs gegen den Rechts­an­walt beginnt mit dem Schluss die­ses Jah­res.

Scha­dens­er­satz wegen ver­säum­ter Ver­jäh­rungs­frist – und des­sen Ver­jäh­rung

Besteht die Pflicht­wid­rig­keit des Rechts­be­ra­ters dar­in, dass der gebo­te­ne Rechts­be­helf gegen einen Bescheid unter­blie­ben ist, ent­steht der Scha­den des Man­dan­ten mit Ablauf der Rechts­be­helfs­frist 1, also erst in dem Augen­blick, in dem er nicht mehr durch einen Rechts­be­helf die Abän­de­rung des gegen ihn ergan­ge­nen Bescheids erwir­ken kann. Endet die Rechts­be­helfs­frist zum 31. Dezem­ber, so darf der Rechts­be­ra­ter die­sen Tag durch die Ein­le­gung eines Rechts­be­helfs noch voll aus­nut­zen, weil die Frist erst mit dem Ablauf die­ses Tages endet 2. Der gegen den Bera­ter gerich­te­te Ersatz­an­spruch wird unter die­sen Umstän­den gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB erst am 1. Janu­ar begrün­det 3.

Die­se Grund­sät­ze sind auch für die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung maß­geb­lich. Die Pflicht­wid­rig­keit liegt hier in der unter­las­se­nen Bera­tung und Kla­ge­er­he­bung gegen den Schä­di­ger. Die­se Kla­ge­er­he­bung hät­te ord­nungs­ge­mäß noch bis zum 31.12.2004 erfol­gen kön­nen. Daher ist der Scha­den der Klä­ge­rin erst mit Ablauf die­ses Tages, mit­hin am 1.01.2005 ein­ge­tre­ten. Da der beklag­te Rechts­an­walt den 31.12.2004 zur Ver­mei­dung einer Scha­dens­er­satz­pflicht durch die Erhe­bung einer ent­spre­chen­den Kla­ge gegen F. noch voll aus­nut­zen durf­te, wur­de der gegen ihn gerich­te­te Ersatz­an­spruch gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB erst am 1. Janu­ar 2005 begrün­det 4. Bei die­ser Sach­la­ge kommt es nicht dar­auf an, wann die Klä­ge­rin von der zwei­ten Vor­aus­set­zung für den Ver­jäh­rungs­be­ginn, den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis erlangt bzw. infol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit nicht erlangt hat (§ 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB). Die drei­jäh­ri­ge Frist des § 195 BGB ist, weil der Anspruch im Jahr 2005 begrün­det wur­de, gemäß § 199 Abs. 1 BGB erst mit dem Schluss die­ses Jah­res in Lauf gesetzt wor­den 5. Folg­lich ist die Ver­jäh­rungs­frist frü­hes­tens mit Ablauf des 31.12.2008 ver­stri­chen. Die am 30.12.2008 bei Gericht ein­ge­gan­ge­ne Kla­ge wur­de mit­hin in nicht ver­jähr­ter Zeit ein­ge­reicht. Auch ist die am 23.01.2009 vor­ge­nom­me­ne Zustel­lung dem­nächst erfolgt (§ 167 ZPO); mit Ver­fü­gung vom 07.01.2009 wur­de der Gerichts­kos­ten­vor­schuss ein­ge­for­dert und die­ser bin­nen von wei­te­ren zwei Wochen ein­ge­zahlt 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Dezem­ber 2011 – IX ZR 85/​10

  1. BGH, Urteil vom 20.06.1996 – IX ZR 100/​95, WM 1996, 2066, 2067 unter II.01. A; vom 09.12.1999 – IX ZR 129/​99, WM 2000, 959, 960; vom 23.09.2010 – IX ZR 26/​09, WM 2010, 2050 Rn. 40; vom 21.10.2010 – IX ZR 170/​09, WM 2010, 2284 Rn. 11; Beschluss vom 21.10.2010 – IX ZR 195/​09, aaO Rn. 10[]
  2. RGZ 105, 417, 419 f[]
  3. BGH, Beschluss vom 21.10.2010 – IX ZR 195/​09, aaO Rn. 13; Chab BRAK-Mitt 2011, 32; Meixner/​Schröder DStR 2011, 239; Zugehör/​Chab, aaO, Rn. 1498[]
  4. BGH, Urteil vom 17.12.2009 – IX ZR 4/​08, WM 2010, 629 Rn. 6[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 17.12.2009, aaO Rn. 6; Beschluss vom 21.10.2010, aaO Rn. 13; fer­ner Münch­Komm-BGB/Gro­the, 6. Aufl. § 199 Rn. 43[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 12.11.2009 – III ZR 113/​09, WM 2010, 72 Rn. 21 f[]