Schmer­zens­geld vom TÜV wegen feh­ler­haf­ter Brust­im­plan­ta­te ?

Bei dem Ver­trag zwi­schen einem fran­zö­si­schen Unter­neh­men und dem TÜV-Rhein­land, nach dem der TÜV-Rhein­land die Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se von Brust­im­plan­ta­ten zu prü­fen hat­te, han­delt es sich nicht um einen soge­nann­ten Ver­trag mit Schutz­wir­kung zu Guns­ten Drit­ter, noch hat für den TÜV-Rhein­land bei der Aus­übung sei­ner Tätig­keit eine "Garan­ten­pflicht" gegen­über den von den feh­ler­haf­ten Brust­im­plan­ta­ten betrof­fe­nen Frau­en bestan­den.

Schmer­zens­geld vom TÜV wegen feh­ler­haf­ter Brust­im­plan­ta­te ?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Pfäl­zi­sche Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken die Beru­fung einer 64-jäh­ri­gen Frau zurück­ge­wie­sen, deren Kla­ge gegen den TÜV-Rhein­land wegen angeb­lich feh­ler­haf­ter Brust­im­plan­ta­te in der 1. Instanz durch das Land­ge­richt Fran­ken­thal (Pfalz) abge­wie­sen wor­den war. Die Klä­ge­rin aus Lud­wigs­ha­fen ver­langt noch Schmer­zens­geld in Höhe von 40.000 € (ursprüng­lich waren 100.000 € ein­ge­klagt), weil ihr Sili­kon­kis­sen eines fran­zö­si­schen Unter­neh­mens (der Fir­ma PIP) implan­tiert wor­den waren, deren Sili­kon nicht für medi­zi­ni­sche Zwe­cke zuge­las­sen war. Nach Bekannt­wer­den die­ses Umstands ließ die Klä­ge­rin sich die Implan­ta­te wie­der ent­fer­nen. Der TÜV-Rhein­land hat­te bei dem fran­zö­si­schen Unter­neh­men die Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se geprüft als Vor­aus­set­zung für das Füh­ren eines euro­päi­schen "CE"-Prüfsiegels. Nach­dem die Schmer­zens­geld­for­de­rung in der 1. Instanz nicht von Erfolg gekrönt war, hat die Klä­ge­rin Beru­fung ein­ge­reicht.

Nach Auf­fas­sung des Pfäl­zi­schen Ober­lan­des­ge­richts Zwei­brü­cken han­de­le es sich bei dem Ver­trag zwi­schen dem fran­zö­si­schen Unter­neh­men und dem TÜV-Rhein­land um einen soge­nann­ten Ver­trag mit Schutz­wir­kung zu Guns­ten Drit­ter, in den die Klä­ge­rin habe ein­be­zo­gen wer­den kön­nen, noch habe für den TÜV-Rhein­land eine "Garan­ten­pflicht" gegen­über der Klä­ge­rin bei der Aus­übung sei­ner Tätig­keit bestan­den. Sei­ne ver­trag­li­chen und durch das Euro­pa­recht vor­ge­ge­be­nen Prüf­pflich­ten habe der TÜV-Rhein­land nicht ver­letzt. Sinn und Zweck der vom TÜV-Rhein­land bei der fran­zö­si­schen Her­stel­ler­fir­ma durch­ge­führ­ten Zer­ti­fi­zie­rung sei es gewe­sen, die­ser Fir­ma den Nach­weis gegen­über den zustän­di­gen Behör­den zu ermög­li­chen, dass die Brust­im­plan­ta­te ent­spre­chend den euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on ver­kauft wer­den dürf­ten. Dafür habe der TÜV-Rhein­land das von der Her­stel­ler­fir­ma ein­ge­rich­te­te Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­tem zu über­prü­fen gehabt, nicht jedoch die Beschaf­fen­heit und Qua­li­tät der her­ge­stell­ten Pro­duk­te selbst, also ins­be­son­de­re auch nicht, ob die Her­stel­ler­fir­ma das für die Pro­duk­ti­on der Brust­im­plan­ta­te zuge­las­se­ne Sili­kon benutz­te. Für die­se Prü­fung sei­en allein die fran­zö­si­schen staat­li­chen Behör­den zustän­dig gewe­sen.

Nach der deut­schen höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung begrün­de das Füh­ren des "CE"-Prüfzeichens noch nicht ein­mal eine Garan­tie­haf­tung des Her­stel­lers selbst für Män­gel eines von ihm her­ge­stell­ten Pro­duk­tes. Dies müs­se erst recht für einen am Pro­duk­ti­ons­pro­zess über­haupt nicht Betei­lig­ten Drit­ten wie den TÜV-Rhein­land gel­ten. Ein irgend­wie gear­te­tes Ver­schul­den des TÜV-Rhein­land sei eben­falls nicht zu erken­nen.

Gleich­wohl hat das Ober­lan­des­ge­richt im Hin­blick auf die grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Sache, vor allem wegen der Viel­zahl der auch bei ande­ren Gerich­ten in Deutsch­land anhän­gi­gen gleich­ge­la­ger­ten Ver­fah­ren, die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof in Karls­ru­he zuge­las­sen.

Pfäl­zi­sches Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken, Urteil vom 30. Janu­ar 2014 – 4 U 66/​13