Schwan­ger trotz Ste­ri­li­sa­ti­on

Wird eine Pati­en­tin trotz Ste­ri­li­sa­ti­on schwan­ger, haf­tet das behan­deln­de Kran­ken­haus nicht, wenn eine Infor­ma­ti­on über die ver­blei­ben­de Ver­sa­ger­quo­te und die dar­aus fol­gen­de Not­wen­dig­keit wei­te­rer Ver­hü­tungs­maß­nah­men statt­ge­fun­den hat.

Schwan­ger trotz Ste­ri­li­sa­ti­on

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Pati­en­tin und deren Ehe­mann abge­wie­sen, die Scha­dens­er­satz wegen einer feh­ler­haft durch­ge­führ­ten Ste­ri­li­sa­ti­on begehrt haben. Gleich­zei­tig ist das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Arns­berg bestä­tigt wor­den. Die im Jah­re 1969 gebo­re­ne Klä­ge­rin aus Men­den ließ sich anläss­lich der Geburt ihres 2. Kin­des im Okto­ber 2006 im beklag­ten Kran­ken­haus in Men­den ste­ri­li­sie­ren. Gleich­wohl kam es im Jah­re 2008 zu einer erneu­ten, unge­woll­ten Schwan­ger­schaft. Im August 2009 kam ein wei­te­res Kind zur Welt. Mit der Begrün­dung, die Ste­ri­li­sa­ti­on sei feh­ler­haft durch­ge­führt und sie, die Klä­ge­rin, über die ver­blei­ben­de Ver­sa­ger­quo­te unzu­rei­chend auf­ge­klärt wor­den, hat die Klä­ge­rin und ihr eben­falls kla­gen­der Ehe­mann Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld von 10.000 Euro und einen Unter­halts­scha­den von ca. 300 Euro monat­lich.

Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm ist nach sach­ver­stän­di­ger Begut­ach­tung zu dem Ergeb­nis gelangt, es sei kei­ne fal­sche Ope­ra­ti­ons­me­tho­de gewählt wor­den. Ein für die Schwan­ger­schaft kau­sa­ler Behand­lungs­feh­ler durch einen feh­ler­haft unter­las­se­nen oder unzu­rei­chen­den Ver­schluss eines Eilei­ters könn­ten die Klä­ger nicht bewei­sen. In der Schwan­ger­schaft kön­ne sich die auch bei einer fach­ge­rech­ten Ste­ri­li­sa­ti­on ver­blei­ben­de Ver­sa­ger­quo­te schick­sal­haft rea­li­siert haben. Die Klä­ger könn­ten auch nicht nach­wei­sen, dass die behan­deln­den Ärz­te des beklag­ten Kran­ken­hau­ses gegen die Pflicht zur the­ra­peu­ti­schen Auf­klä­rung ver­sto­ßen hät­ten, indem sie die Klä­ge­rin über die ver­blei­ben­de Ver­sa­ger­quo­te und die dar­aus fol­gen­de Not­wen­dig­keit wei­te­rer Ver­hü­tungs­maß­nah­men unzu­rei­chend auf­ge­klärt hät­ten. Nach der Ver­neh­mung des die Klä­ge­rin behan­deln­den Arz­tes ste­he fest, dass er die Klä­ge­rin münd­lich zutref­fend auf eine Ver­sa­ger­quo­te von 4 in 1000 Fäl­len hin­ge­wie­sen habe. Für die gebo­te­ne the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung sei das aus­rei­chend. Die Pati­en­tin wis­se dann, dass das Risi­ko einer Schwan­ger­schaft in dem genann­ten Pro­mil­le­be­reich fort­be­stehe und sie ggfls. wei­te­re Ver­hü­tungs­maß­nah­men ergrei­fen müs­se, wenn sie einen ein­hun­dert­pro­zen­ti­gen Sicher­heits­stan­dard anstre­be.

Aus die­sen Grün­den konn­ten kei­ne Behand­lungs­feh­ler fest­ge­stellt wer­den. Die Kla­ge blieb erfolg­los.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 17. Juni 2014 – 26 U 112/​13