Über­lan­ge Pro­zess­dau­er

Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te (EGMR) in Straß­burg hat ent­schie­den, dass Deutsch­land gegen Arti­kel 13 (Recht auf wirk­sa­me Beschwer­de) und 6 Abs. 1 (Recht auf ein fai­res Ver­fah­ren) der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) ver­stößt, weil es kei­nen wirk­sa­men Rechts­schutz gegen eine über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er in Zivil­ver­fah­ren gewährt. Die im deut­schen Recht mög­li­chen Rechts­be­hel­fe der Ver­fas­sungs­be­schwer­de, der Dienst­auf­sichts­be­schwer­de, der Untä­tig­keits­be­schwer­de und der Amts­haf­tungs­kla­ge sei­en dazu nicht aus­rei­chend. Ins­be­son­de­re sei­en sie nicht „wirk­sam“ im Sin­ne von Arti­kel 13 EMRK, da mit ihnen die Ent­schei­dung des zustän­di­gen Gerichts nicht beschleu­nigt und auch kei­ne ange­mes­se­ne Wie­der­gut­ma­chung erlangt wer­den kön­ne. Das aus Arti­kel 6 Abs. 1 EMRK fol­gen­de Ver­bot einer über­lan­gen Ver­fah­rens­dau­er müs­se auch in Pro­zes­sen mit Par­tei­ma­xi­me wie dem Zivil­ver­fah­ren gel­ten.

Über­lan­ge Pro­zess­dau­er

Das Urteil dürf­te wohl dem Pro­jekt eines Untä­tig­keits­be­schwer­de­ge­set­zes wie­der Vor­schub geben, das vom Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um bereits im August 2005 als Ent­wurf vor­ge­legt wur­de.

Euro­päi­scher Gerichts­hof für Men­schen­rech­te (EGMR), Urteil vom 8. Juni 2006 – Sürmeli/​Deutschland