Unter­las­sungs­an­trag – und sei­ne Bestimmt­heit kraft Aus­le­gung

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO darf ein Unter­las­sungs­an­trag nicht der­art undeut­lich gefasst sein, dass Gegen­stand und Umfang der Ent­schei­dungs­be­fug­nis des Gerichts (§ 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO) nicht erkenn­bar abge­grenzt sind, sich der Beklag­te des­halb nicht erschöp­fend ver­tei­di­gen kann und letzt­lich die Ent­schei­dung dar­über, was dem Beklag­ten ver­bo­ten wird, dem Voll­stre­ckungs­ge­richt über­las­sen bleibt 1.

Unter­las­sungs­an­trag – und sei­ne Bestimmt­heit kraft Aus­le­gung

Hier­von kann aller­dings nur aus­ge­gan­gen wer­den, wenn der Kla­ge­an­trag auch nach Aus­le­gung nicht hin­rei­chend bestimmt ist.

Denn maß­geb­lich für Inhalt und Reich­wei­te des mate­ri­el­len Kla­ge­be­geh­rens sind nicht allein der Wort­laut des Antrags, son­dern auch die bei der Aus­le­gung mit zu berück­sich­ti­gen­de Kla­ge­be­grün­dung 2.

Die Aus­le­gung hat den wirk­li­chen Wil­len der Par­tei zu erfor­schen. Dabei ist der Grund­satz zu beach­ten, dass im Zwei­fel das­je­ni­ge gewollt ist, was nach den Maß­stä­ben der Rechts­ord­nung ver­nünf­tig ist und der wohl­ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge ent­spricht 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Dezem­ber 2015 – V ZR 160/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 29.04.2010 – I ZR 202/​07, GRUR 2010, 749 Rn. 1; BGH, Urteil vom 24.02.1978 – V ZR 95/​75, NJW 1978, 1584[]
  2. BGH, Urteil vom 13.09.2012 – I ZR 230/​11, BGHZ 194, 314 Rn. 27[]
  3. BGH, Urteil vom 08.05.2014 – I ZR 217/​12, BGHZ 201, 129 Rn. 24; BGH, Urteil vom 04.07.2014 – V ZR 298/​13, NJW 2014, 3314 Rn. 15, jeweils mwN[]