Unter­schrift oder Para­phe – unter der Beru­fungs­be­grün­dung

Eine Unter­schrift setzt einen indi­vi­du­el­len Schrift­zug vor­aus, der sich – ohne les­bar sein zu müs­sen – als Wie­der­ga­be eines Namens dar­stellt und die Absicht einer vol­len Unter­schrifts­leis­tung erken­nen lässt 1.

Unter­schrift oder Para­phe – unter der Beru­fungs­be­grün­dung

Selbst wenn sich der ver­kürz­te Schrift­zug des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Beklag­ten bei der Beglau­bi­gung der Beru­fungs- und Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift als Para­phe dar­stel­len soll­te, kann der Man­gel der Beglau­bi­gung nach der Vor­schrift des § 189 ZPO geheilt wor­den.

Mit Urteil vom 22.12 2015 2 hat der Bun­des­ge­richts­hof unter Aus­ein­an­der­set­zung mit den unter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ein­ge­hend begrün­det, wes­halb Form­ver­stö­ße bei der Zustel­lung einer Kla­ge­schrift nach § 189 ZPO geheilt wer­den kön­nen. Die Aus­füh­run­gen des Bun­des­ge­richts­hofs sind auf die Zustel­lung einer Beru­fungs- und Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift ohne wei­te­res über­trag­bar.

Im hier ent­schie­de­nen Fall waren bei­de Schrift­stü­cke dem Klä­ger tat­säch­lich zuge­gan­gen. Dem Zweck der Zustel­lung, dem Adres­sa­ten ange­mes­se­ne Gele­gen­heit zu geben, von einem Schrift­stück Kennt­nis zu neh­men, ist damit im vor­lie­gen­den Fall genügt.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 24. Okto­ber 2016 – 1 Sa 12/​16

  1. zuletzt BAG 25.02.2015 – 5 AZR 849/​13, Rn 19[]
  2. BGH, Urteil vom 22.12 2015 – VI ZR 79/​15, Rn 14 ff[]