Die Lizenz eines Berufs­bo­xers

Ein Ver­ein muss sich die auf­he­ben­de Ent­schei­dung sei­nes Beru­fungs­aus­schus­ses zurech­nen las­sen und ist dar­an gebun­den.

Die Lizenz eines Berufs­bo­xers

Mit die­ser Begrün­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge­ab­wei­sung eines Berufs­box­sport­ver­ban­des durch das Land­ge­richt Ham­burg bestä­tigt. Durch die­sen Ver­band hat­te der Beklag­te, ein ehe­ma­li­ger Deut­scher Meis­ter im Schwer­ge­wicht, seit 1999 eine Lizenz als Berufs­bo­xer. Nach einer K.O.-Niederlage in einem Kampf am 27. April 2007 unter­zog er sich einer ver­trau­ens­ärzt­li­chen Unter­su­chung, die zu dem Ergeb­nis kam, die wei­te­re Aus­übung des Box­sports kön­ne mit einem erhöh­ten Schlag­an­fall­ri­si­ko ver­bun­den sein. Durch Beschluss vom 13. August 2007 ent­zog der Vor­stand des Klä­gers dem Beklag­ten dar­auf­hin unter Beru­fung auf sei­ne Sport­li­chen Regeln mit sofor­ti­ger Wir­kung die Lizenz. § 3 Abs. 1 der Sport­li­chen Regeln des Klä­gers lau­tet:

Berufs­bo­xer, deren Fähig­kei­ten nicht mehr den Leis­tungs­an­for­de­run­gen ent­spre­chen, die man bil­li­ger­wei­se an einen Berufs­bo­xer stellt, und bei denen auf­grund des­sen eine gesund­heit­li­che Gefähr­dung zu befürch­ten ist, haben sich … einer ver­trau­ens­ärzt­li­chen Unter­su­chung zu unter­zie­hen. Erge­ben sich in die­ser Unter­su­chung medi­zi­ni­sche Beden­ken, kann die Lizenz des Boxers für gewis­se Zeit oder auf Dau­er ent­zo­gen wer­den.”

Der Beru­fungs­aus­schuss des Klä­gers hob am 13. Novem­ber 2007 auf Antrag des Beklag­ten den Vor­stands­be­schluss auf, weil er nicht aus­rei­chend begrün­det sei. Trotz die­ser Ent­schei­dung ver­wei­ger­te der Klä­ger dem Beklag­ten die Erlaub­nis für die Teil­nah­me an Box­ver­an­stal­tun­gen. Der Klä­ger hat bean­tragt fest­zu­stel­len, dass er dem Beklag­ten mit Vor­stands­be­schluss vom 13. August 2007 die Lizenz zu Recht ent­zo­gen habe. Der Beklag­te hat wider­kla­gend Scha­dens­er­satz in Höhe von 256.999,57 Euro, Fest­stel­lung der Ersatz­pflicht des Klä­gers für wei­te­re Schä­den und wegen der Leug­nung der Tat­sa­che, dass der Beklag­te amtie­ren­der Deut­scher Meis­ter im Schwer­ge­wicht sei, Ersatz eines imma­te­ri­el­len Scha­dens in Höhe von min­des­tens 5.000 Euro ver­langt.

Das Land­ge­richt1 hat durch Teil­ur­teil den Fest­stel­lungs­an­trag des Klä­gers abge­wie­sen. Auf die Beru­fung des Klä­gers hat das Ober­lan­des­ge­richt2 fest­ge­stellt, dass das Lizenz­ver­hält­nis zwi­schen den Par­tei­en seit dem 13. August 2007 nicht mehr bestehe. Der Beklag­te hat Revi­si­on ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs bestand das Lizenz­ver­hält­nis über den 13. August 2007 hin­aus fort, weil der Beru­fungs­aus­schuss des Klä­gers die Ent­schei­dung des Vor­stands, dem Beklag­ten die Lizenz zu ent­zie­hen, auf­ge­ho­ben hat. Der Ver­ein muss sich die auf­he­ben­de Ent­schei­dung sei­nes Beru­fungs­aus­schus­ses zurech­nen las­sen und ist dar­an gebun­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. April 2013 – II ZR 74/​12

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 10.07.2009 – 315 O 258/​08
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 02.02.2012 – 3 U 10/​10