Ver­fah­rens­ge­bühr bei Ver­tre­tung meh­re­rer Auf­trag­ge­ber in der­sel­ben Ange­le­gen­heit wegen ver­schie­de­ner Gegen­stän­de

Wird der Rechts­an­walt in der­sel­ben Ange­le­gen­heit wegen ver­schie­de­ner Gegen­stän­de für meh­re­re Auf­trag­ge­ber tätig, ist die Erhö­hung der Ver­fah­rens­ge­bühr nicht aus dem Gesamt­ge­gen­stands­wert, son­dern nach dem Wert der jewei­li­gen gemein­schaft­li­chen Betei­li­gung zu berech­nen.

Ver­fah­rens­ge­bühr bei Ver­tre­tung meh­re­rer Auf­trag­ge­ber in der­sel­ben Ange­le­gen­heit wegen ver­schie­de­ner Gegen­stän­de

Die Ansicht, die Erhö­hung sei aus dem Gesamt­ge­gen­stands­wert vor­zu­neh­men, ver­kennt nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le, dass die Man­dan­ten von ihrem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten zwar in der­sel­ben Ange­le­gen­heit (hier: im Rah­men einer sub­jek­ti­ven Kla­ge­häu­fung), jedoch wegen unter­schied­li­cher Gegen­stän­de ver­tre­ten wor­den sind.

Der Gesetz­ge­ber hat zwar zur Durch­set­zung der Gebüh­ren­de­gres­si­on in § 22 Abs. 1 RVG die Addi­ti­on der Wer­te sämt­li­cher in der Kla­ge als der­sel­ben Ange­le­gen­heit gel­ten­den gemach­ten Gegen­stän­de ange­ord­net. Das bedeu­tet aber nicht, dass die Erhö­hung der Ver­fah­rens­ge­bühr gemäß Nr. 1008 VV RVG auch nach die­sem Wert zu berech­nen ist.

Nach der Anmer­kung in Absatz 2 der Nr. 1008 VV RVG wird die Erhö­hung viel­mehr nach dem Betrag berech­net, an dem die Per­so­nen gemein­schaft­lich betei­ligt sind.

Nach der herr­schen­den Auf­fas­sung, die von dem Ober­lan­des­ge­richt Cel­le geteilt wird, wird zunächst die Ver­fah­rens­ge­bühr ohne Erhö­hung nach Nr. 1008 VV RVG aus dem gemäß § 22 Abs. 1 RVG zusam­men­ge­rech­ne­ten Wert ermit­telt und sodann eine Erhö­hung nach Nr. 1008 VV RVG aus dem Wert der gemein­schaft­li­chen Betei­li­gung errech­net 1.

Die­se Rechts­la­ge galt auch bereits von Inkraft­tre­ten des 2. Kos­ten­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes, das vor­lie­gend gemäß § 60 Abs. 1 RVG noch kei­ne Anwen­dung fin­det, weil der unbe­ding­te Auf­trag vor dem Inkraft­tre­ten die­ses Geset­zes erteilt wor­den ist.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le – Beschluss vom 06. Febru­ar 2014 – 2 W 25/​14

  1. vgl. OVG NRW, NJW-Spe­zi­al 2012, 252; Schneider/​Wolf/​Volpert, RVG, 7. Aufl. VV 1008 Rdnr. 75 mwN; Gerol­d/­Schmid­t/­Mül­ler-Rabe, RVG, 21. Aufl. VV 1008 Rdnr. 228 ff.[]