Ver­jäh­rungs­be­ginn eines Berei­che­rungs­an­spruchs

Zu den sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen des Ver­jäh­rungs­be­ginns gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB für einen Berei­che­rungs­an­spruch aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung bezo­gen:

Ver­jäh­rungs­be­ginn eines Berei­che­rungs­an­spruchs

Hin­ter­grund der jet­zi­gen Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs war eine Kla­ge gegen eine Bank

Die Regel­ver­jäh­rung des § 195 BGB beginnt mit dem Schluss des Jah­res zu lau­fen, in wel­chem der Anspruch ent­stan­den ist und der Gläu­bi­ger von den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den Kennt­nis erlangt oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit erlan­gen müss­te (§ 199 Abs. 1 BGB), wobei auch in Über­lei­tungs­fäl­len nach Art. 229 § 6 Abs. 4 Satz 1 EGBGB für den Frist­be­ginn am 1. Janu­ar 2002 die sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen des § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB vor­lie­gen müs­sen1.

Ein Gläu­bi­ger, der einen Berei­che­rungs­an­spruch aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB ver­folgt, hat Kennt­nis von den anspruchs­be­grün­den­den Umstän­den, wenn er von der Leis­tung und den Tat­sa­chen weiß, aus denen sich das Feh­len des Rechts­grun­des ergibt2. Der Ver­jäh­rungs­be­ginn setzt grund­sätz­lich nur die Kennt­nis der den Anspruch begrün­den­den Tat­sa­chen vor­aus. Nicht erfor­der­lich ist in der Regel, dass der Gläu­bi­ger aus den ihm bekann­ten Tat­sa­chen die zutref­fen­den recht­li­chen Schlüs­se zieht. Nur aus­nahms­wei­se kann die Rechts­un­kennt­nis des Gläu­bi­gers den Ver­jäh­rungs­be­ginn hin­aus­schie­ben, wenn eine unsi­che­re und zwei­fel­haf­te Rechts­la­ge vor­liegt, die selbst ein rechts­kun­di­ger Drit­ter nicht zuver­läs­sig ein­zu­schät­zen ver­mag. In die­sem Fall fehlt es an der Zumut­bar­keit der Kla­ge­er­he­bung als über­grei­fen­der Vor­aus­set­zung für den Ver­jäh­rungs­be­ginn3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Juni 2010 – XI ZR 309/​09

  1. BGHZ 171, 1, Tz. 23 ff.; 179, 260, Tz. 46 m.w.N. []
  2. BGHZ 175, 161, Tz. 26 []
  3. BGHZ 179, 260, Tz. 47 m.w.N. []