Ein­mal­bei­trag zur Insol­venz­si­che­rung von Betriebs­ren­ten

Der im Betriebs­ren­ten­ge­setz vor­ge­se­he­ne Ein­mal­bei­trag zur Umstel­lung der Finan­zie­rung der Insol­venz­si­che­rung von Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten ist nach heu­te ver­kün­de­ten Urtei­len des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts recht­mä­ßig. Die Kla­gen zwei­er Arbeit­ge­ber gegen Ein­mal­bei­trags-Beschei­de des beklag­ten Pen­si­ons-Siche­rungs-Ver­eins sind damit auch in letz­ter Instanz vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt erfolg­los geblie­ben.

Ein­mal­bei­trag zur Insol­venz­si­che­rung von Betriebs­ren­ten

Der Pen­si­ons-Siche­rungs-Ver­ein sichert die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung bei Insol­venz des Arbeit­ge­bers. Für die Finan­zie­rung die­ser Siche­rung durch Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge galt bis ein­schließ­lich 2005 das Ren­ten­wert­um­la­ge­sys­tem. Danach muss­ten im Insol­venz­fall zunächst nur bestehen­de Ver­sor­gungs­an­sprü­che finan­ziert wer­den. Die Finan­zie­rung der Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten wur­de bis zum Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls auf­ge­scho­ben. Zum Jah­res­be­ginn 2006 führ­te der Gesetz­ge­ber ein kapi­tal­ge­deck­tes Finan­zie­rungs­sys­tem ein. Seit­her sind auch die Anwart­schaf­ten schon im Jahr der Insol­venz zu finan­zie­ren. Zur Deckung der noch nicht finan­zier­ten Anwart­schaf­ten frü­he­rer Jah­re wird von den bereits im Jahr 2005 bei­trags­pflich­ti­gen Arbeit­ge­bern ein Ein­mal­bei­trag erho­ben. Die dage­gen erho­be­nen Kla­gen blie­ben vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf 1 und in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len 2 in Müns­ter ohne Erfolg.

Die Zurück­wei­sung der hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der betrof­fe­nen Arbeit­ge­ber hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun damit begrün­det, dass die Her­an­zie­hung zum Ein­mal­bei­trag weder das Rück­wir­kungs­ver­bot noch den Gleich­heits­satz ver­letzt. In der Belas­tung der bereits im Jahr 2005 bei­trags­pflich­ti­gen Arbeit­ge­ber lie­ge kei­ne "ech­te" Rück­wir­kung im Sin­ne einer Rück­be­wir­kung von Rechts­fol­gen, son­dern nur eine grund­sätz­lich zuläs­si­ge "unech­te" Rück­wir­kung. Die Rege­lung knüp­fe zwar an einen ver­gan­ge­nen Sach­ver­halt an, bewir­ke eine Bei­trags­pflicht aber erst für die Zukunft. Die Rück­an­knüp­fung belas­te ent­spre­chend dem Geset­zes­zweck die­je­ni­gen Arbeit­ge­ber, denen die Vor­tei­le des Finan­zie­rungs­auf­schubs zugu­te gekom­men sei­en. Die Benach­tei­li­gung der betrof­fe­nen Arbeit­ge­ber gegen­über ande­ren, die kei­nen Ein­mal­bei­trag zah­len müss­ten, sei durch sach­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt und ver­hält­nis­mä­ßig. Die vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes aus der Bei­trags­pflicht aus­ge­schie­de­nen Arbeit­ge­ber dürf­ten zu kei­nem Bei­trag mehr her­an­ge­zo­gen wer­den. Die erst seit 2006 bei­trags­pflich­ti­gen Arbeit­ge­ber finan­zier­ten die Anwart­schaf­ten nach dem neu­en Sys­tem bereits mit und hät­ten vom alten Sys­tem nicht pro­fi­tiert. Der Gesetz­ge­ber sei schließ­lich nicht ver­pflich­tet, inner­halb der Grup­pe der­je­ni­gen, die den Ein­mal­bei­trag zah­len müss­ten, nach der Dau­er der jewei­li­gen Bei­trags­pflicht zu dif­fe­ren­zie­ren. Den Auf­wand, den von rund 60 000 Arbeit­ge­bern auf­zu­brin­gen­den Ein­mal­bei­trag für rund 167 000 Anwart­schaf­ten über einen Zeit­raum von 31 Jah­ren zu staf­feln, habe der Gesetz­ge­ber für unver­hält­nis­mä­ßig hal­ten dür­fen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 15. Sep­tem­ber 2010 – 8 C 32.09 und 35.09

  1. VG Düs­sel­dorf – 16 K 845/​08 und 6270/​07[]
  2. OVG NRW – 12 A 1665/​08 und 1519/​08[]