Gesamt­gläu­bi­ger – und die For­de­rungs­an­mel­dung zur Insol­venz­ta­bel­le

Aktu­ell hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof mit den Anfor­de­run­gen an die Anmel­dung einer For­de­rung von Gesamt­gläu­bi­gern zu befas­sen:

Gesamt­gläu­bi­ger – und die For­de­rungs­an­mel­dung zur Insol­venz­ta­bel­le

Anlaß hier­für bot sich dem Bun­des­ge­richts­hof in einem vor 20 Jah­ren, im August 1998, eröff­ne­ten Gesamt­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren. Zunächst ist der Bun­des­ge­richts­hof davon aus­ge­gan­gen, dass die Anfor­de­run­gen an den Inhalt einer For­de­rungs­an­mel­dung zur Gesamt­voll­stre­ckungs­ta­bel­le den­je­ni­gen ent­spre­chen, die § 174 Abs. 2 InsO für die Anmel­dung zur Insol­venz­ta­bel­le nor­miert. Die Gesamt­voll­stre­ckungs­ord­nung ent­hält selbst kei­ne eige­ne Rege­lung hier­zu. Lücken­fül­lend war des­halb zunächst auf § 139 KO und ist nun­mehr auf § 174 Abs. 2 InsO zurück­zu­grei­fen 1.

Dem­nach hat der Gläu­bi­ger nicht nur den Betrag, son­dern auch den Schuld­grund in sei­ner Anmel­dung anzu­ge­ben. Eine For­de­rungs­an­mel­dung, wel­cher es an der gebo­te­nen Dar­le­gung des Grun­des man­gelt, ist unwirk­sam; die­ser Man­gel kann, weil es an den Min­dest­an­for­de­run­gen einer wirk­sa­men Anmel­dung fehlt, nur durch eine Neu­an­mel­dung beho­ben wer­den 2.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Land­ge­richts Frank­furt(Oder) 3 und des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts 4 in der Vor­in­stan­zen war der Grund der von den Klä­ge­rin­nen ange­mel­de­ten For­de­rung, die Gegen­stand des Hilfs­an­trags Nr. 6 der Kla­ge ist, hin­rei­chend dar­ge­tan. Mehr als die Bezug­nah­me auf den der For­de­rung zugrun­de­lie­gen­den Teil­ver­gleich und des­sen Bei­fü­gung war vor­lie­gend nicht zu for­dern.

Der Begriff des Grun­des der For­de­rung ent­spricht dem­je­ni­gen in § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, bezeich­net also den Sach­ver­halt, aus dem die For­de­rung ent­springt. Die Anmel­dung ist zum einen Grund­la­ge der Ein­tra­gung, aus wel­cher der Gläu­bi­ger nach Auf­he­bung des Ver­fah­rens die Zwangs­voll­stre­ckung betrei­ben kann (§ 178 Abs. 3, § 201 Abs. 2 InsO). Zum ande­ren soll die Anmel­dung dem Ver­wal­ter und den übri­gen Gläu­bi­gern eine Prü­fung des Schuld­grun­des ermög­li­chen. Die For­de­rung muss daher zur Bestim­mung der Reich­wei­te der Rechts­kraft ein­deu­tig kon­kre­ti­siert sein 5.

Die­sen Anfor­de­run­gen genügt die streit­ge­gen­ständ­li­che For­de­rungs­an­mel­dung. Sie nennt als Grund der ange­mel­de­ten For­de­rung den Teil­ver­gleich vom 20.12 1997, die­ser ist der Anmel­dung in Kopie bei­gefügt. Der Gläu­bi­ger kann zur Dar­le­gung sei­ner For­de­rung auf bei­gefüg­te Unter­la­gen Bezug neh­men, wenn dar­aus der Grund der For­de­rung her­vor­geht 6. So ver­hält es sich hier. Dem Teil­ver­gleich ist die Ver­pflich­tung der Schuld­ne­rin zur Zah­lung von 700.000 DM zuzüg­lich gesetz­li­cher Umsatz­steu­er eben­so zu ent­neh­men wie die Gesamt­gläu­bi­ger­stel­lung (§§ 428, 430 BGB) der Klä­ge­rin­nen, wel­che sie berech­tigt, die For­de­rung in jeweils vol­ler Höhe zu ihren Guns­ten zu bean­spru­chen. Die­ser Gesamt­gläu­bi­ger­stel­lung der Klä­ge­rin­nen steht nicht ent­ge­gen, dass die Schuld­ne­rin schuld­be­frei­end nur an den im Ver­gleich benann­ten Zah­lungs­emp­fän­ger soll leis­ten kön­nen. Es ist zuläs­sig, dass ein Schuld­ner mit Gesamt­gläu­bi­gern ver­ein­bart, er wer­de nur an einen von ihnen leis­ten 7. Auch in die­sem Fall ist der Schuld­ner nicht damit belas­tet, ermit­teln zu müs­sen, wel­cher Teil der von ihm geschul­de­ten Leis­tung auf die ein­zel­nen Gesamt­gläu­bi­ger ent­fällt 8. Beden­ken gegen die Bestimmt­heit der For­de­rungs­an­mel­dung kön­nen sich also auch nicht dar­aus erge­ben, dass die Ver­tei­lung des geschul­de­ten Betra­ges auf die Klä­ge­rin­nen nach dem Teil­ver­gleich die­sen im Innen­ver­hält­nis zuge­wie­sen war. Die Pflicht der Schuld­ne­rin zur Leis­tung des gesam­ten Betra­ges wird dadurch nicht berührt. Zwei­fel dar­an, wel­che Zah­lungs­ver­pflich­tung die Schuld­ne­rin (auch) zuguns­ten der Klä­ge­rin­nen ein­ge­gan­gen sein soll, kön­nen nicht auf­kom­men. Damit ist die ange­mel­de­te For­de­rung hin­rei­chend indi­vi­dua­li­siert. Wei­ter­ge­hen­de For­de­run­gen, die der Teil­ver­gleich aus­drück­lich offen lässt, wer­den mit der For­de­rungs­an­mel­dung nicht gel­tend gemacht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Juli 2018 – IX ZR 167/​15

  1. vgl. Haarmeyer/​Wutzke/​Förs­ter, GesO, 4. Aufl., § 11 Rn. 46 ff; Smid, GesO, 3. Aufl., § 11 Rn. 16 ff[]
  2. BGH, Urteil vom 22.01.2009 – IX ZR 3/​08, NZI 2009, 242 Rn. 17; Münch-Komm-InsO/­Rie­del, 3. Aufl., § 174 Rn. 26; Jaeger/​Gerhardt, InsO, 5. Aufl., § 174 Rn.19[]
  3. LG Frankfurt(Oder), Urteil vom 21.11.2013 – 14 O 7/​10[]
  4. OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 30.06.2015 – 12 U 11/​14[]
  5. BGH, Urteil vom 22.01.2009, aaO Rn. 10; vom 21.02.2013 – IX ZR 92/​12, NZI 2013, 388 Rn. 15; vom 09.01.2014 – IX ZR 103/​13, NZI 2014, 127 Rn. 6; Münch-Komm-InsO/­Rie­del, aaO § 174 Rn. 26; Pape/​Schaltke in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2018, § 174 Rn. 47[]
  6. BGH, Urteil vom 22.01.2009, aaO Rn. 11; Münch­Komm-InsO/­Rie­del, aaO § 174 Rn. 26; Pape/​Schaltke, aaO Rn. 47[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 11.07.1979 – VIII ZR 215/​78, NJW 1979, 2038, 2039; Beck­OK-BGB/Gehr­lein, Novem­ber 2017, § 428 Rn. 1[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 13.07.1972 – III ZR 107/​69, BGHZ 59, 187, 191[]