Wenn das Kind vom Pony rutscht

Die Inha­be­rin einer Reit­schu­le hat die ihr oblie­gen­de Sorg­falts­pflicht nicht ver­letzt, wenn die mit dem Reit­un­ter­richt betrau­te Aus­hil­fe nach ihrem Alter, Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten die Reit­stun­de sach­ge­recht durch­füh­ren kann.

Wenn das Kind vom Pony rutscht

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer fünf­jäh­ri­gen Reit­schü­le­rin abge­wie­sen, die wäh­rend der von einer Aus­hil­fe durch­ge­führ­ten Übungs­stun­de von ihrem Pony gerutscht ist und sich dadurch ver­letzt hat. Mit die­ser Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Arns­berg bestä­tigt. Die Klä­ge­rin nahm im Sep­tem­ber 2010 an einer Reit­stun­de für Kin­der in der von der Beklag­ten am Möh­ne­see betrie­be­nen Reit­schu­le teil. Bei dem Unter­richt führ­te eine 20jährige Aus­hil­fe der Beklag­ten ein Pony, bei dem eine Decke mit Hal­te­griff auf­ge­legt war, mit einer 1 – 2 m lan­gen Lon­ge im Kreis. Die Kin­der rit­ten auf dem Pony und soll­ten auf Kom­man­do frei sit­zend kurz in die Hän­de klat­schen. Bei die­ser Übung ver­lor die Klä­ge­rin das Gleich­ge­wicht und rutsch­te vom Pony. Dabei erlitt die Klä­ge­rin eine Hume­rus­frak­tur, die ope­ra­tiv ver­sorgt wer­den muss­te. Von der Beklag­ten hat sie Scha­dens­er­satz, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von zumin­dest 5.000 €, mit der Begrün­dung ver­langt, eine von der Beklag­ten zu ver­tre­te­ne Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht­ver­let­zung oder ein ihr zuzu­rech­nen­des Ver­schul­den der ein­ge­setz­ten Aus­hil­fe habe zu dem Unfall­ge­sche­hen geführt. Nach­dem das Land­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen hat­te, hat sie ihr Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt wei­ter ver­folgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm kom­me eine Tier­hal­ter­haf­tung gemäß § 833 BGB nicht in Betracht, weil der Unfall nicht auf ein unbe­re­chen­ba­res Ver­hal­ten des Ponys zurück­zu­füh­ren sei.

Eine ihr oblie­gen­de Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht habe die Beklag­te nicht ver­letzt. Die Aus­wahl der mit dem Reit­un­ter­richt betrau­ten Aus­hil­fe sei nicht zu bean­stan­den. Die­se habe nach ihrem Alter, Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten die Reit­stun­de sach­ge­recht durch­füh­ren kön­nen. Die Beklag­te sei nicht gehal­ten gewe­sen, vor dem Reit­un­ter­richt mit Kin­dern gene­rell deren Gesund­heits- und Ent­wick­lungs­stand auf­zu­klä­ren. Die Klä­ge­rin behaup­te auch nicht, kör­per­lich oder psy­chisch nicht imstan­de gewe­sen zu sein, an der Reit­stun­de teil­zu­neh­men. Sie hät­te bereits vor der Reit­stun­de auf einem Pony geses­sen. Die Grup­pen­grö­ße und die Dau­er des Reit­un­ter­richts hät­ten sich auf das Unfall­ge­sche­hen nicht aus­ge­wirkt. Auch die Reit­übung sei als übli­che Gleich­ge­wichts­übung nicht sach­wid­rig gewe­sen.

Ein der Beklag­ten zuzu­rech­nen­des Fehl­ver­hal­ten der Aus­hil­fe sei nicht fest­zu­stel­len. Die Klä­ge­rin habe vor der Stun­de Rei­ter­fah­rung gehabt. In der Reit­stun­de habe sie vor dem Unfall gut auf dem Pferd geses­sen und sei schon im Trab und im Galopp gerit­ten. Es sei nicht zu erwar­ten gewe­sen, dass sie die Gleich­ge­wichts­übung am Ende der Stun­de, die die ande­ren Kin­der vor der Klä­ge­rin erfolg­reich durch­ge­führt hät­ten, nicht bewäl­ti­gen wür­de. Die Aus­hil­fe sei auch nicht unauf­merk­sam gewe­sen. Die Klä­ge­rin sei unver­mit­telt auf der der Aus­hil­fe gegen­über lie­gen­den Sei­te vom Pony gerutscht. Die Aus­hil­fe habe ver­sucht, den Sturz abzu­fan­gen. Dass ihr dies nicht gelun­gen sei, sei ihr in der Situa­ti­on, in der sie schnell habe reagie­ren müs­sen, nicht vor­zu­wer­fen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 11. Janu­ar 2013 – 12 U 130/​12