Wenn die Beschwer hoch­ge­trie­ben wer­den muss…

Ent­schei­dend für die Wert­ermitt­lung sind die dem Kla­ge­an­trag zugrun­de lie­gen­den tat­säch­li­chen Anga­ben zum Wert. Der Klä­ger­sei­te ist es ver­wehrt, die­se Anga­ben im Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren zu ändern, um die Wert­gren­ze des § 26 Nr. 8 Satz 1 EGZPO zu über­schrei­ten [1].

Wenn die Beschwer hoch­ge­trie­ben wer­den muss…

Hat die Klä­ger­sei­te in den Vor­in­stan­zen kei­ne ver­läss­li­chen oder voll­stän­di­gen Anga­ben zum Wert gemacht und hat das Beru­fungs­ge­richt den Streit­wert daher unter Zugrun­de­le­gung der unvoll­stän­di­gen Anga­ben geschätzt, so ist sie gehin­dert, die Annah­men, auf denen die­se Streit­wert­fest­set­zung beruht, mit neu­em oder ergän­zen­dem Vor­trag, der in den Tat­sa­chen­in­stan­zen kei­nen Nie­der­schlag gefun­den hat, in Fra­ge zu stel­len, um den Wert der Beschwer zu erhö­hen [2].

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall:

In der Kla­ge­schrift haben die Klä­ger den (vor­läu­fi­gen) Streit­wert mit "20.000, 00 Euro" ange­ge­ben und hier­zu mit­ge­teilt, dass dabei einer­seits das dro­hen­de Scha­dens­po­ten­ti­al aus den schon anhän­gi­gen Gerichts­ver­fah­ren und für die Fol­ge­jah­re sowie ande­rer­seits der Umstand berück­sich­tigt wor­den sei, dass die Regress­aus­sich­ten "sehr zurück­hal­tend bewer­tet wer­den". Land- und Ober­lan­des­ge­richt haben den Streit­wert dem­entspre­chend jeweils von den Klä­gern unbe­an­stan­det auf bis 20.000 € fest­ge­setzt.

Soweit die Klä­ger in ihrer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung gel­tend machen, aus den in den ers­ten bei­den Rechts­zü­gen vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen erge­be sich ein höhe­rer Wert, fin­den sie damit kei­nen Erfolg. Zwar hat die GbR B. K. (Erwer­be­rin) die Fa. D. (Frei­stel­lungs­be­rech­tig­te) für 2012 auf Zah­lung von 5.453, 48 € und für 2013 auf Zah­lung von 3.867, 59 € in Anspruch genom­men und haben die Klä­ger in ihrer Kla­ge­schrift die Regress­ri­si­ken für die Fol­ge­jah­re mit "jeweils zumin­dest ca.05.000, 00 Euro" ver­an­schlagt. Die For­de­rung der Erwer­be­rin für 2012 ist jedoch rechts­kräf­tig abge­wie­sen und über den Aus­gang des Mahn­ver­fah­rens betref­fend die For­de­rung für 2013 nichts mit­ge­teilt wor­den. Für die nach­fol­gen­den Kalen­der­jah­re fin­den sich über­haupt kei­ne Anga­ben. Zudem haben sich in dem Rechts­streit über den Anspruch für 2012 sowohl die Fa. D. (als dor­ti­ge Beklag­te) als auch die hie­si­gen Klä­ger (die dem dor­ti­gen Rechts­streit auf Sei­ten der Fa. D. als Streit­hel­fer bei­getre­ten waren) unter Beweis­an­ge­bot dar­auf beru­fen, dass die Frei­stel­lungs­ver­pflich­tung zuguns­ten der Fa. D. durch (münd­li­che) Ver­ein­ba­rung wirk­sam an die Erwer­be­rin wei­ter­ge­ge­ben wor­den sei. Sol­chen­falls hät­ten die Klä­ger nicht mit Regress­an­sprü­chen der Fa. D. zu rech­nen. Dem­entspre­chend haben sie das Regress­ri­si­ko in ihrer Kla­ge­schrift auch selbst als eher gering ein­ge­schätzt. An der Grund­la­ge für die­se Ein­schät­zung hat sich nach­fol­gend weder in ers­ter noch in zwei­ter Instanz etwas geän­dert, noch trägt die Beschwer­de­be­grün­dung hier­zu etwas vor. Damit ist für eine Bewer­tung von über 20.000 € ins­ge­samt kein trag­fä­hi­ger Anhalt gege­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Novem­ber 2019 – III ZR 14/​19

  1. st. Rspr., z.B. BGH, Beschlüs­se vom 13.08.2015 – III ZR 340/​14, Beck­RS 2015, 14870 Rn. 5; vom 23.06.2016 – III ZR 104/​15, Beck­RS 2016, 12557 Rn.10; und vom 27.10.2016 – III ZR 300/​15, Beck­RS 2016, 19428 Rn. 5, jew. mwN; BGH, Beschlüs­se vom 16.05.2013 – VII ZR 253/​12, NJW-RR 2013, 1402 Rn. 3; und vom 21.06.2017 – VII ZR 41/​17, NJW 2017, 3164 Rn. 11[]
  2. BGH aaO; BGH aaO[]