Zwi­schen­ur­teil über den Grund – und die Beschwer des Klä­gers

Ein Zwi­schen­ur­teil über den Grund (§ 304 ZPO) beschwert den Klä­ger in Höhe eines abge­wie­se­nen Bruch­teils oder inso­weit, als es hin­sicht­lich des nach­fol­gen­den Betrags­ver­fah­rens eine für ihn nega­ti­ve Bin­dungs­wir­kung aus­löst [1]. Ob Letz­te­res vor­liegt, ist durch Aus­le­gung der Urteils­for­mel unter Her­an­zie­hung der Ent­schei­dungs­grün­de zu ermit­teln [2]. Aus­füh­run­gen, die aus­schließ­lich die Höhe des Anspruchs betref­fen, sind im Grund­ur­teil unzu­läs­sig und bin­den für das Betrags­ver­fah­ren nicht [3].

Zwi­schen­ur­teil über den Grund – und die Beschwer des Klä­gers

Der (etwai­ge) Anschein einer Bin­dungs­wir­kung, der von einem in unzu­läs­si­ger Wei­se die Höhe des Scha­dens behan­deln­den Grund­ur­teil aus­ge­hen kann, recht­fer­tigt die Zuläs­sig­keit eines Rechts­mit­tels nicht; der Rechts­mit­tel­klä­ger kann sei­ne gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung im Betrags­ver­fah­ren wei­ter­ver­fol­gen, so dass kein Anlass besteht, ihm gegen das Grund­ur­teil, das ihn tat­säch­lich nicht beschwert, eine zusätz­li­che Anfech­tungs­mög­lich­keit zu eröff­nen [4].

Im vor­lie­gen­den Fall fehlt es sowohl an der Abwei­sung eines Bruch­teils des Kla­ge­an­spruchs als auch an der gerüg­ten nega­ti­ven (fak­ti­schen) Bin­dungs­wir­kung. Das Beru­fungs­ge­richt hat – trotz Andeu­tung sach­li­cher Zwei­fel – unmiss­ver­ständ­lich, ein­deu­tig und in der Sache zutref­fend zum Aus­druck gebracht, dass es sich aus pro­zes­sua­len Grün­den dar­an gehin­dert sehe, für das Betrags­ver­fah­ren bin­den­de Vor­ga­ben zu machen, ob und in wel­chem Umfang die Nicht­ver­län­ge­rung der Geneh­mi­gung über den zuletzt gel­ten­den Zeit­raum hin­aus bei der Bemes­sung der ange­mes­se­nen Ent­schä­di­gung für den rechts­wid­ri­gen Wider­ruf zu berück­sich­ti­gen sei. Dem­entspre­chend hat es die im Tenor des erst­in­stanz­li­chen Grund­ur­teils ent­hal­te­ne Frist ersatz­los weg­fal­len las­sen. Abge­se­hen davon wür­den Aus­füh­run­gen, die aus­schließ­lich die Höhe des Anspruchs betref­fen, für das Betrags­ver­fah­ren kei­ne Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten.

Eine Beschwer der Klä­ge­rin ergibt sich mit­hin nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. August 2016 – III ZR 325/​15

  1. BGH, Beschluss vom 26.11.2009 aaO Rn. 6[]
  2. s. BGH, Urteil vom 17.10.1985 – III ZR 105/​84 17; BGH, Urtei­le vom 20.12 2005 – XI ZR 66/​05, NJW-RR 2007, 138, 139 Rn. 17; vom 14.07.2011 – VII ZR 142/​09, NJW 2011, 3242, 3243 Rn. 16 f; und vom 20.05.2014 – VI ZR 187/​13, NJW-RR 2014, 1118, 1119 f Rn. 17 f mwN[]
  3. Anschluss an BGH, Urteil vom 20.12 2005 – XI ZR 66/​05, NJW-RR 2007, 138[]
  4. BGH, Urteil vom 20.12 2005 aaO Rn.19[]