Ein­fuhr von Kavi­ar als per­sön­li­cher Gegen­stand

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gerich­tet, dass die Ein­fuhr von Kavi­ar als per­sön­li­cher Gegen­stand betrifft:

Ein­fuhr von Kavi­ar als per­sön­li­cher Gegen­stand

Dem EuGH wer­den fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

Ist Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 i.d.F. nach der VO Nr.2015/870 dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass einem Ein­füh­rer, der eine Gesamt­men­ge von mehr als 125 g Kavi­ar von Stör­ar­ti­gen (Aci­pen­se­ri­for­mes spp.) in ein­zeln gekenn­zeich­ne­ten Behäl­tern mit sich führt und dafür weder ein (Wieder-)Ausfuhrdokument noch eine Ein­fuhr­ge­neh­mi­gung vor­legt, eine Men­ge von bis zu 125 g Kavi­ar zu über­las­sen ist, sofern die Ein­fuhr kei­nem der in Art. 57 Abs. 1 Unter­abs. 1 VO Nr. 865/​2006 genann­ten Zwe­cke dient?

Falls die­se Fra­ge zu beja­hen ist:

Gehö­ren zu den per­sön­li­chen Gegen­stän­den und Haus­halts­ge­gen­stän­den i.S. des Art. 7 Nr. 3 VO Nr. 338/​97 in das Zoll­ge­biet der Uni­on ver­brach­te Exem­pla­re auch dann, wenn der Ein­füh­rer im Zeit­punkt des Ver­brin­gens erklärt, die­se nach der Ein­fuhr an ande­re Per­so­nen ver­schen­ken zu wol­len?

Hin­ter­grund hier­für ist die Rege­lung des § 51 Abs. 2 Satz 1 BNatSchG: Wird bei der zoll­amt­li­chen Über­wa­chung fest­ge­stellt, dass Tie­re oder Pflan­zen ohne die vor­ge­schrie­be­nen Geneh­mi­gun­gen oder sons­ti­gen Doku­men­te ein, durch- oder aus­ge­führt wer­den, wer­den sie durch die Zoll­be­hör­de beschlag­nahmt.

Die recht­li­che Wür­di­gung des Streit­fal­les ist uni­ons­recht­lich zwei­fel­haft. Die Ent­schei­dung der Revi­si­on des Haupt­zoll­amts hängt von der Fra­ge ab, ob es sich bei der in Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 genann­ten Men­ge um eine Frei­gren­ze oder um eine Frei­men­ge han­delt. Bei einer Aus­le­gung als Frei­gren­ze hät­te das Haupt­zoll­amt zu Recht die gesam­te von der Klä­ge­rin ver­brach­te Men­ge Kavi­ar von sechs Dosen beschlag­nahmt. Han­delt es sich dage­gen um eine Frei­men­ge, dürf­ten nur vier Dosen Kavi­ar beschlag­nahmt wer­den. Die übri­gen zwei Dosen Kavi­ar zu je 50 g wären der Klä­ge­rin zu über­las­sen, sofern es sich dabei um per­sön­li­che Gegen­stän­de oder Haus­halts­ge­gen­stän­de han­delt. Nach den Anga­ben des Haupt­zoll­amts wird Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 in den Mit­glied­staa­ten unter­schied­lich aus­ge­legt.

Stör­ar­ti­ge (latei­nisch Aci­pen­se­ri­for­mes spp.) sind nach Anhang II des CITES geschützt (Art. 3 Abs. 2 Buchst. a in Ver­bin­dung mit Art. 2 Buchst. b VO Nr. 338/​97). Sie wer­den daher in Anhang B der VO Nr. 338/​97 genannt. Zu den geschütz­ten Exem­pla­ren gehö­ren auch gezüch­te­te Tie­re und deren Eier (Art. 2 Buchst. t VO Nr. 338/​97).

Bei der Ein­fuhr von Exem­pla­ren der Arten des Anhangs B in die Gemein­schaft ist der Ein­fuhr­zoll­stel­le gemäß Art. 4 Abs. 2 Unter­abs. 1 VO Nr. 338/​97 grund­sätz­lich eine Ein­fuhr­ge­neh­mi­gung einer Voll­zugs­be­hör­de des Bestim­mungs­mit­glied­staats vor­zu­le­gen. Dies gilt jedoch gemäß Art. 7 Nr. 3 Satz 1 VO Nr. 338/​97 nicht für tote Exem­pla­re, Tei­le und Erzeug­nis­se aus Exem­pla­ren von Arten der Anhän­ge A bis D, wenn es sich um per­sön­li­che Gegen­stän­de oder Haus­halts­ge­gen­stän­de han­delt, die gemäß den von der Kom­mis­si­on fest­zu­le­gen­den Bestim­mun­gen in die Gemein­schaft ein­ge­führt wer­den. Auf die­ser Grund­la­ge hat die Kom­mis­si­on in Art. 57 VO Nr. 865/​2006 Ver­ein­fa­chun­gen zur Doku­men­ten­pflicht und Aus­nah­men davon gere­gelt. Dem­entspre­chend bestimmt Art. 57 Abs. 5 Buchst. a in Ver­bin­dung mit Abs. 3 Unter­abs. 1 VO Nr. 865/​2006, dass für die Ein­fuhr von Kavi­ar von Stör­ar­ti­gen (latei­nisch Aci­pen­se­ri­for­mes spp.) in Men­gen bis zu 125 g pro Per­son in gemäß Art. 66 Abs. 6 VO Nr. 865/​2006 ein­zeln gekenn­zeich­ne­ten Behäl­tern weder eine Ein­fuhr­ge­neh­mi­gung des Bestim­mungs­lan­des noch ein (Wieder-)Ausfuhrdokument des Her­kunfts­lan­des im Sin­ne des Art. 57 Abs. 3 Unter­abs. 1 VO Nr. 865/​2006 erfor­der­lich sind, sofern es sich um die Ein­fuhr von per­sön­li­chen Gegen­stän­den oder Haus­halts­ge­gen­stän­den einer Per­son mit gewöhn­li­chem Auf­ent­halt in der Gemein­schaft han­delt.

Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 jedoch nicht vor und ver­fügt der Ein­füh­rer nicht über die dann erfor­der­li­che Ein­fuhr­ge­neh­mi­gung oder gege­be­nen­falls ein Aus­fuhr­do­ku­ment des Her­kunfts­lan­des, hat die Zoll­be­hör­de den ein­ge­führ­ten Kavi­ar gemäß § 51 Abs. 2 Satz 1 BNatSchG zu beschlag­nah­men.

Für die Beur­tei­lung des Streit­falls kommt es dar­auf an, ob und in wel­chem Umfang sich die Klä­ge­rin auf die Aus­nah­me von der Doku­men­ten­pflicht nach Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 beru­fen kann, weil sie weder über eine Ein­fuhr­ge­neh­mi­gung noch über ein Aus­fuhr­do­ku­ment ver­füg­te. Es stellt sich ins­be­son­de­re die Fra­ge, wel­che recht­li­chen Fol­gen es hat, wenn die ein­ge­führ­te Gesamt­men­ge Kavi­ar (im Streit­fall 300 g Kavi­ar von Stör­ar­ti­gen, latei­nisch Huso Huso) die Men­ge von 125 g pro Per­son über­schrei­tet.

Das vor­le­gen­de Gericht neigt der Auf­fas­sung zu, dass bei einem Über­schrei­ten der in Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 genann­ten Men­ge die gesam­te ein­ge­führ­te Men­ge zu beschlag­nah­men ist.

Dafür spre­chen die Zie­le von CITES sowie der VO Nr. 338/​97 und der VO Nr. 865/​2006, die dem Schutz gefähr­de­ter Tier- und Pflan­zen­ar­ten die­nen [1], weil auf die­se Wei­se die Beach­tung der Vor­schrif­ten ein­fach und effek­tiv durch­ge­setzt wer­den kann. Durch die­se Aus­le­gung wird zudem der Grund­satz der Doku­men­ten­pflicht gestärkt und sicher­ge­stellt, dass die Aus­nah­me von der Doku­men­ten­pflicht tat­säch­lich auf die Ein­fuh­ren klei­ner Men­gen beschränkt bleibt. Wird die Ver­güns­ti­gung nur dann gewährt, wenn ent­we­der die Höchst­men­ge ein­ge­hal­ten wird oder die not­wen­di­gen Doku­men­te vor­ge­legt wer­den, kann bei der Ein­fuhr ohne wei­te­re Beweis­auf­nah­me ent­schie­den wer­den, ob die Ware zu belas­sen ist. Andern­falls müss­te Beweis erho­ben wer­den, ob eine gewerb­li­che Ein­fuhr aus­schei­det, um ent­schei­den zu kön­nen, ob dem­je­ni­gen, der die Vor­schrif­ten nicht ein­ge­hal­ten hat, trotz die­ses Ver­sto­ßes ein Teil der Ware zu belas­sen ist. Wäre bei der Ein­fuhr einer grö­ße­ren Men­ge Kavi­ar als 125 g eine Teil­men­ge doku­men­ten­frei zu belas­sen, könn­ten letzt­lich auch Ein­fuh­ren grö­ße­rer Men­gen Kavi­ar von der Ver­ein­fa­chung zumin­dest teil­wei­se pro­fi­tie­ren.

Für eine enge Aus­le­gung von Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 im Sin­ne einer Frei­gren­ze spricht auch, dass in Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 nicht vor­ge­se­hen ist, eine über die zuläs­si­ge Men­ge von 125 g Kavi­ar hin­aus­ge­hen­de ver­brach­te Men­ge durch die Zah­lung einer Abga­be aus­zu­glei­chen. Dies wür­de nach der Auf­fas­sung des vor­le­gen­den Gerichts auch den Zie­len der genann­ten Rechts­grund­la­gen wider­spre­chen. Im Fal­le einer Frei­gren­ze wür­de für den Ein­füh­rer einer Men­ge von mehr als 125 g Kavi­ar von vor­ne­her­ein kei­ne Aus­sicht bestehen, zumin­dest eine Teil­men­ge ohne eine Vor­la­ge der erfor­der­li­chen Doku­men­te behal­ten zu dür­fen.

Gegen eine mög­li­che Auf­tei­lung der ein­ge­führ­ten Waren in einen doku­men­ten­frei­en und einen doku­men­ten­pflich­ti­gen und damit zu beschlag­nah­men­den Teil spricht außer­dem, dass die Men­ge von 125 g "pro Per­son" gilt. Die Situa­ti­on ist daher nicht mit einer Sam­mel­sen­dung ver­gleich­bar, die Päck­chen an meh­re­re indi­vi­du­el­le Emp­fän­ger beinhal­tet und für die der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on eine Behand­lung als Sen­dun­gen mit gerin­gem Wert zuge­las­sen hat, wenn jedes Päck­chen nur Waren bis zu einem Gesamt­wert von 22 EUR beinhal­tet [2].

Für eine enge Aus­le­gung des Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 im Sin­ne einer Frei­gren­ze spre­chen fer­ner Zif­fer 2 Buchst. e der Reso­lu­ti­on 12.7 und Zif­fer 3 Buchst. b Zif­fer iv der Reso­lu­ti­on 13.7 der CITES-Ver­trags­staa­ten-Kon­fe­renz (CoP), wonach die Aus­nah­me für per­sön­li­che Zwe­cke auf eine Men­ge von höchs­tens 125 g pro Per­son begrenzt wer­den soll ("limi­t­ing this exemp­ti­on to no more than 125 grams of cavi­ar per per­son").

Aller­dings scheint eine Aus­le­gung des Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 in dem Sin­ne, dass dem Ein­füh­rer bei einem Über­schrei­ten der Men­ge zumin­dest 125 g Kavi­ar als Frei­men­ge belas­sen wer­den kön­nen, nicht aus­ge­schlos­sen. Nach Aus­kunft des Haupt­zoll­am­tes sind die Aus­le­gung und Anwen­dung des Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 in den Mit­glied­staa­ten der Uni­on unein­heit­lich, wodurch die Zwei­fel des vor­le­gen­den Gerichts noch ver­stärkt wur­den.

Weder aus dem Wort­laut die­ser Vor­schrift noch aus den Reso­lu­tio­nen 12.7 und 13.7 der CoP lässt sich ein­deu­tig ent­neh­men, dass eine Ein­fuhr von Kavi­ar auto­ma­tisch ins­ge­samt der Doku­men­ten­pflicht unter­liegt, wenn die Men­ge von 125 g über­schrit­ten wird. Ähn­li­che For­mu­lie­run­gen wie in Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 sind bei­spiels­wei­se in Art. 23 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1186/​2009 betref­fend Sen­dun­gen mit gerin­gem Wert ("Als 'Waren mit gerin­gem Wert' … gel­ten Waren, deren Gesamt­wert je Sen­dung 150 EUR nicht über­steigt") und Art. 27 VO Nr. 1186/​2009 betref­fend Men­gen­be­schrän­kun­gen bei Sen­dun­gen von Pri­vat­per­son an Pri­vat­per­son ("Höchst­men­gen") ent­hal­ten. Die in die­sen Rege­lun­gen fest­ge­leg­ten Men­gen wer­den jedoch als Frei­men­gen behan­delt, die dem Ein­füh­rer in jedem Fall zu belas­sen sind.

Zugleich bekä­me Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 bei einer Aus­le­gung als Frei­gren­ze einen Sank­ti­ons­cha­rak­ter, der zumin­dest dem Wort­laut der Vor­schrift nicht zu ent­neh­men ist. Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 regelt nur, dass für die Ein­fuhr einer bestimm­ten Men­ge Kavi­ar kei­ne Doku­men­te erfor­der­lich sind. Abge­se­hen davon kann ein Ver­stoß gegen arten­schutz­recht­li­che Vor­schrif­ten gege­be­nen­falls auch straf­recht­lich geahn­det wer­den.

Außer­dem wird die Ein­fuhr einer Men­ge von bis zu 125 g Kavi­ar in CITES und in Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 offen­sicht­lich als unbe­denk­lich für den Fort­be­stand der Stör­ar­ti­gen ange­se­hen. Die­se Men­ge wird glei­cher­ma­ßen ein­ge­hal­ten, wenn von vor­ne­her­ein nur maxi­mal 125 g Kavi­ar ein­ge­führt wer­den und wenn dem Ein­füh­rer bei einer Über­schrei­tung die­ser Men­ge 125 g Kavi­ar belas­sen wer­den.

Sofern die Fra­ge 1 zu beja­hen ist, hängt die Ent­schei­dung der Revi­si­on wei­ter­hin davon ab, ob es sich bei den ein­ge­führ­ten Exem­pla­ren auch dann um per­sön­li­che Gegen­stän­de oder Haus­halts­ge­gen­stän­de im Sin­ne des Art. 7 Nr. 3 VO Nr. 338/​97 han­delt, wenn der Ein­füh­rer im Zeit­punkt des Ver­brin­gens erklärt, die­se nach der Ein­fuhr an ande­re Per­so­nen ver­schen­ken zu wol­len. Ist dies der Fall, wären der Klä­ge­rin im Streit­fall zwei Dosen Kavi­ar zu je 50 g zu belas­sen.

Dafür, dass ein Exem­plar nur unter der Vor­aus­set­zung als per­sön­li­cher Gegen­stand oder Haus­halts­ge­gen­stand ange­se­hen wer­den kann, dass es für den Ein­füh­rer per­sön­lich bestimmt ist, spricht der Wort­laut des Art. 2 Buchst. j VO Nr. 338/​97, der auf das Hab und Gut "die­ser" Per­son abstellt (eng­lisch: "part of his nor­mal goods and chat­tels", fran­zö­sisch: "par­tie de ses biens et effets nor­maux")).

Den­noch kann nach Auf­fas­sung des vor­le­gen­den Gerichts ein ver­brach­tes Exem­plar auch dann ein per­sön­li­cher Gegen­stand sein, wenn der Ein­füh­rer es nach der Ein­fuhr ande­ren Per­so­nen schen­ken will (soge­nann­tes Rei­se­mit­bring­sel oder Sou­ve­nir), sofern kei­ne Anhalts­punk­te für eine kom­mer­zi­el­le Absicht bestehen.

Buchst. j VO Nr. 338/​97 unter­schei­det die Begrif­fe "Haus­halts­ge­gen­stän­de" und "per­sön­li­che Gegen­stän­de". Haus­halts­ge­gen­stän­de könn­ten als Gegen­stän­de ange­se­hen wer­den, die zum per­sön­li­chen Lebens­be­reich einer Pri­vat­per­son gehö­ren und die zum dau­ern­den Ver­bleib in ihrem Haus­halt bestimmt sind. Ein "per­sön­li­cher Gegen­stand" scheint dem­ge­gen­über ein Gegen­stand zu sein, der den per­sön­li­chen Bedürf­nis­sen einer Per­son dient oder zu die­nen bestimmt ist. Ein Gebrauch oder Ver­brauch durch die­se Per­son wird weder in Art. 2 Buchst. j VO Nr. 338/​97 noch in Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 vor­aus­ge­setzt. Genau­so wenig wer­den die inne­ren Absich­ten des Ein­füh­rers in Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 erwähnt. Der Begriff "per­sön­li­cher Gegen­stand" scheint also nicht zwin­gend mit einem Ver­bleib des Exem­plars beim Ein­füh­rer ver­bun­den zu sein.

Zum Befrei­ungs­tat­be­stand des Art. 8 der Richt­li­nie 92/​12/​EWG des Rates vom 25.02.1992 über das all­ge­mei­ne Sys­tem, den Besitz, die Beför­de­rung und die Kon­trol­le ver­brauch­steu­er­pflich­ti­ger Waren [3] und der dazu erlas­se­nen natio­na­len Rege­lung in § 20 Abs. 1 des Tabak­steu­er­ge­set­zes in der im Jahr 2007 maß­geb­li­chen Fas­sung hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass ver­brauch­steu­er­pflich­ti­ge Waren auch dann für den Bedarf des pri­va­ten Käu­fers erwor­ben wer­den, wenn sie auf­grund enger per­sön­li­cher Bezie­hun­gen zu einer ande­ren Pri­vat­per­son die­ser zum Geschenk gemacht wer­den sol­len. Dem­nach deckt jemand auch sei­nen eige­nen Bedarf, wenn er aus eige­nem Ent­schluss Geschen­ke für Fami­li­en­mit­glie­der kauft. Denn er tätigt Auf­wen­dun­gen, die nicht in Zusam­men­hang mit einem Auf­trags­ver­hält­nis ste­hen und für die von Drit­ten kei­ne Kos­ten­er­stat­tung erwar­tet wer­den kann [4].

Unter den­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen sieht das vor­le­gen­de Gericht im Streit­fall zwei Dosen zu je 50 g des von der Klä­ge­rin ein­ge­führ­ten Kavi­ars als per­sön­li­chen Gegen­stand der Klä­ge­rin an, auch wenn sie die­sen Teil der ein­ge­führ­ten Gesamt­men­ge des Kavi­ars ihren Kin­dern schen­ken woll­te und dies bereits bei der Ein­fuhr erklärt hat. Ein kom­mer­zi­el­ler Zweck im Sin­ne des Art. 57 Abs. 1 VO Nr. 865/​2006 ist in die­sem Fall nicht erkenn­bar.

Die­ses Ergeb­nis wider­spricht auch nicht Zif­fer 8 des Annex 1 zu Reso­lu­ti­on 13.7 der CoP, wonach Exem­pla­re im per­sön­li­chen Eigen­tum ste­hen oder zu nicht kom­mer­zi­el­len Zwe­cken beses­sen wer­den müs­sen. Wäh­rend die ers­te Alter­na­ti­ve davon aus­geht, dass der Ein­füh­rer die Exem­pla­re nicht ver­schenkt, son­dern selbst behält, ist die zwei­te Alter­na­ti­ve ("pos­ses­sed für non-com­mer­cial pur­po­ses") wei­ter for­mu­liert, weil der per­sön­li­che Zweck nicht mit einem per­sön­li­chen Besitz ver­bun­den ist.

Abge­se­hen von die­sen recht­li­chen Erwä­gun­gen schie­ne es dem vor­le­gen­den Gericht auch in prak­ti­scher Hin­sicht bedenk­lich, die Doku­men­ten­frei­heit nach Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 allein auf­grund der erklär­ten Absicht, den Kavi­ar ver­schen­ken zu wol­len, zu ver­nei­nen. Eine sol­che Aus­le­gung wirft die Fra­ge auf, wie die Absich­ten des Ein­füh­rers im Rah­men der zoll­recht­li­chen Abfer­ti­gung zuver­läs­sig über­prüft wer­den sol­len. Letzt­lich wür­de ein Ein­füh­rer, der sei­ne Schen­kungs­ab­sicht erklärt, gegen­über einem Ein­füh­rer, der behaup­tet, den Kavi­ar für sich behal­ten zu wol­len, oder sich über­haupt nicht äußert, benach­tei­ligt, weil ihm die Doku­men­ten­frei­heit ver­sagt wür­de. Dar­über hin­aus kann eine bei der Abfer­ti­gung zunächst erklär­te Absicht nach der Ein­fuhr auf­ge­ge­ben wer­den. Es ist schließ­lich nicht nach­voll­zieh­bar, war­um einer­seits die Ein­fuhr von 125 g Kavi­ar doku­men­ten­frei mög­lich sein soll, wenn der Ein­füh­rer den Kavi­ar selbst ver­braucht oder wenn er ihm nahe­ste­hen­de Per­so­nen zum Essen ein­lädt, wäh­rend ande­rer­seits eine Doku­men­ten­pflicht dann besteht, wenn der Ein­füh­rer den Kavi­ar die­sen Per­so­nen nach der Ein­fuhr schen­ken möch­te.

Die Zwei­fel des vor­le­gen­den Gerichts an der Aus­le­gung des Art. 57 Abs. 5 Buchst. a VO Nr. 865/​2006 wer­den dadurch ver­stärkt, dass die Fra­ge, ob als Geschenk mit­ge­führ­te Waren als per­sön­li­cher Gegen­stand oder Haus­halts­ge­gen­stand behan­delt wer­den kön­nen, nach den Anga­ben des Haupt­zoll­amts von den Mit­glied­staa­ten unter­schied­lich beant­wor­tet wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 15. Okto­ber 2019 – VII R 23/​18

  1. vgl. Erwä­gungs­grün­de 1 und 2 der VO Nr. 338/​97[]
  2. vgl. EuGH, Urteil "Har Vaes­sen Doua­ne Ser­vice" vom 02.07.2009 – C‑7/​08, EU:C:2009:417, Slg. 2009, I‑5581-5610, zu Art. 27 der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 918/​83 des Rates vom 28.03.1983 über das gemein­schaft­li­che Sys­tem der Zoll­be­frei­un­gen, ABl.EU Nr. L 105, 1, in der Fas­sung nach der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 3357/​91 des Rates vom 07.11.1991 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 918/​83 über das gemein­schaft­li­che Sys­tem der Zoll­be­frei­un­gen[]
  3. ABl.EG Nr. L 76/​1[]
  4. BFH, Beschluss vom 08.09.2011 – VII R 59/​10, Samm­lung der Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs 234, 571, Zeit­schrift für Zöl­le und Ver­brauch­steu­ern 2012, 26[]