Verkürzung der Verjährungsfrist im Gesellschaftsvertrag einer Publikumsgesellschaft

Es entspricht ständiger Rechtsprechung, dass Gesellschaftsverträge von Publikumsgesellschaften objektiv auszulegen sind. Der Bundesgerichtshof kann deshalb die notwendigen Feststellungen selbst treffen1.

Verkürzung der Verjährungsfrist im Gesellschaftsvertrag einer Publikumsgesellschaft

Dabei konnte es der Bundesgerichtshof hier dahinstehen lassen, ob die Bereichsausnahme des § 310 Abs. 4 BGB für Gesellschaftsverträge im Hinblick auf die Richtlinie 93/13/EWG des Rates vom 05.04.1993 über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen2 nicht eingreift, wenn sich Verbraucher an der Publikumsgesellschaft beteiligen3.

Selbst in der Annahme, dass Gesellschaftsverträge von Publikumsgesellschaften auch weiterhin einer an den Maßstäben von Treu und Glauben ausgerichteten ähnlichen Auslegung und Inhaltskontrolle wie Allgemeine Geschäftsbedingungen unterliegen4, hält die Regelung des Gesellschaftsvertrages einer individualvertraglichen Billigkeitskontrolle gemäß §§ 157, 242 BGB nicht stand. Indem sie pauschal die Verjährungsfrist für sämtliche Schadensersatzansprüche und damit auch bei Haftung wegen Vorsatzes unter Verstoß gegen § 202 Abs. 1 BGB sowie wegen grober Fahrlässigkeit verkürzt, bevorzugt sie einseitig die Belange der Gründungsgesellschafter zu Lasten der berechtigten Interessen der Anlagegesellschafter. Insoweit gelten dieselben Erwägungen wie zur Verjährungsregelung in Kapitel – VIII des Prospekts, die im Übrigen (zusätzlich) auch gegen die generelle Einführung einer Ausschlussfrist sprechen5.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 22. September 2015 – II ZR 340/14

  1. vgl. nur BGH, Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 75/10, ZIP 2012, 1342 Rn. 32; Urteil vom 08.10.2013 – II ZR 335/12 15; Urteil vom 01.07.2014 – II ZR 72/12 16 f.[]
  2. ABL. L 95 vom 21.04.1993, S. 2934[]
  3. so OLG Oldenburg, NZG 1999, 896, 897; OLG Frankfurt, NJW-RR 2004, 991, 992; KG, Urteil vom 08.12 2011 – 23 U 163/11, BeckRS 2013, 14059 aE; aA Staudinger/Schlosser, BGB, [2013], § 310 Rn. 32, 44[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 14.04.1975 – II ZR 147/73, BGHZ 64, 238, 241; Urteil vom 27.11.2000 – II ZR 218/00, ZIP 2001, 243, 244; Beschluss vom 13.12 2011 – II ZB 6/09, ZIP 2012, 117 Rn. 50; Urteil vom 01.07.2014 – II ZR 72/12 17 mwN[]
  5. zu letzterer BGH, Urteil vom 09.07.2013 – II ZR 9/12, ZIP 2013, 1616 Rn. 44 f.[]