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Der Einzelrichter und die rechtsgrundsätzliche Bedeutung einer Beschwerdesache

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30. Dezember 2011 | Zivilrecht

Misst ein Einzelrichter in einem Beschwerdeverfahren einer Sache rechtsgrundsätzliche Bedeutung zu und lässt deswegen die Rechtsbeschwerde zu, ist die Zulassung zwar wirksam, seine Entscheidung unterliegt jedoch auf Rechtsbeschwerde im Hinblick auf die von Amts wegen zu berücksichtigende fehlerhafte Besetzung des Beschwerdegerichts der Aufhebung (Bestätigung von BGH, Beschluss vom 13. März 2003 – IX ZB 134/02, BGHZ 154, 200; Senatsbeschlüsse vom 27. April 2010 – VIII ZB 81/09, WuM 2010, 385; vom 21. September 2010 – VIII ZB 73/09, WuM 2011, 61; vom 8. März 2011 – VIII ZB 65/10, WuM 2011, 242).

Die Rechtsbeschwerde ist statthaft. Die Entscheidung des Beschwerdegerichts, die Rechtsbeschwerde zuzulassen, ist für den Bundesgerichtshof bindend (§ 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO). Darauf, ob das Beschwerdegericht die Voraussetzungen des § 574 Abs. 2 ZPO zutreffend beurteilt hat, kommt es hierbei nicht an1. Auch der Umstand, dass die Zulassungsentscheidung durch den Einzelrichter unter Missachtung des Verfahrens nach § 568 Satz 2 ZPO (Übertragung auf die mit drei Mitgliedern besetzte Kammer) erfolgt ist, ändert an der Wirksamkeit der Zulassung nichts2.

Die Rechtsbeschwerde ist auch begründet. Der Beschluss des Beschwerdegerichts unterliegt bereits deswegen der Aufhebung, weil er unter Verletzung des verfassungsrechtlichen Gebots des gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) ergangen ist. Der Einzelrichter hat bei Rechtssachen, in denen er einen Zulassungsgrund bejaht, zwingend das Verfahren dem Kollegium zu übertragen (§ 568 Satz 2 ZPO). Bejaht er mit der Zulassungsentscheidung zugleich die – im Sinne aller in § 574 Abs. 2 ZPO genannten Zulassungsgründe zu verstehende3 – grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache, ist seine Entscheidung objektiv willkürlich und verstößt gegen das Verfassungsgebot des gesetzlichen Richters. Dieser Verstoß ist vom Rechtsbeschwerdegericht von Amts wegen zu berücksichtigen4.

Die Sache ist deshalb unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses an das Beschwerdegericht – Einzelrichter – zurückzuverweisen.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 22. November 2011 – VIII ZB 81/11

  1. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 21.11.2002 – V ZB 40/02, NJW 2003, 1126 unter II 1
  2. vgl. BGH, Beschlüsse vom 08.03.2011 – VIII ZB 65/10, WuM 2011, 242 Rn. 3 mwN; vom 21.09.2010 – VIII ZB 73/09, WuM 2011, 61 Rn. 4; vom 27.04.2010 – VIII ZB 81/09, WuM 2010, 385 Rn. 5; BGH, Beschluss vom 14.09.2009 – V ZB 108/09, GE 2009, 1311
  3. BGH, Beschluss vom 08.03.2011 – VIII ZB 65/10, aaO; BGH, Beschlüsse vom 13.03.2003 – IX ZB 134/02, BGHZ 154, 200, 202; vom 09.03.2006 – V ZB 178/05, FamRZ 2006, 697 unter III [2] a; vom 22.01.2008 – X ZB 27/07, WuM 2008, 159 Rn. 5
  4. st. Rspr.; BGH, Beschluss vom 13.03.2003 – IX ZB 134/02, aaO S.202 ff.; BGH, Beschlüsse vom 27.04.2010 – VIII ZB 81/09, aaO Rn. 6; vom 21.09.2010 – VIII ZB 73/09, aaO Rn. 5; vom 08.03.2011 – VIII ZB 65/10, aaO

 

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