Der gemeinsam genutzte Mietwagen

A mietet einen Mietwagen an und nutzt ihn gemeinsam mit B. Es kommt zum Unfall und schon stellt sich die Frage nach gegenseitigen Schadensersatzansprüchen und in diesem Zusammenhang auch die Frage, inwieweit in der Absprache über die gemeinsame Nutzung im Wege ergänzender Vertragsauslegung eine Absprache über wechselseitige Haftungsbeschränkungen zu sehen sein kann.

Der gemeinsam genutzte Mietwagen

Diese Frage stellte sich jetzt auch dem Bundesgerichtshof in einem dort anhängigen Revisionsverfahren. Und der BGH befand es als nicht zu beanstanden, dass das Berufungsgericht unter den besonderen Umständen des Streitfalles eine Beschränkung der Haftung der Beklagten auf grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz angenommen hat.

Zutreffend ist das Berufungsgericht, so der BGH, davon ausgegangen, dass sich eine Haftungsbeschränkung zwischen Insasse und Fahrer eines Fahrzeugs bei Fehlen einer ausdrücklichen Abrede aus einer konkludent getroffenen Vereinbarung oder im Wege ergänzender Vertragsauslegung auf der Grundlage des § 242 BGB ergeben kann1. Eine Haftungsbeschränkung kann demgegenüber nicht – auch wenn die Abrede über das Führen des Kfz wie vom Berufungsgericht im Streitfall zutreffend angenommen als Gesellschaftsvertrag zu qualifizieren ist – § 708 BGB entnommen werden. Denn der in dieser Bestimmung gere-gelte Haftungsmaßstab der Sorgfalt in eigenen Angelegenheiten kann nicht allgemein für die Pflichten im Straßenverkehr gelten2.

Ohne Erfolg wendet sich die Revision gegen die Annahme des Berufungsgerichts, der Absprache der Parteien über das Anmieten und Führen des Mietwagens sei im Wege ergänzender Vertragsauslegung ein wechselseitiger Haftungsverzicht für einfache Fahrlässigkeit beizulegen.

Nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats kann ein Haftungsverzicht, an den bei Abschluss der Vereinbarung niemand gedacht hat, im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung auf der Grundlage des § 242 BGB nur ausnahmsweise bei Vorliegen besonderer Umstände angenommen werden. Voraussetzung ist grundsätzlich, dass der Schädiger, wäre die Rechtslage vorher zur Sprache gekommen, einen Haftungsverzicht gefordert und sich der Geschädigte dem ausdrücklichen Ansinnen einer solchen Abmachung billigerweise nicht hätte versagen dürfen3. An diesen Voraussetzungen fehlt es regelmäßig, wenn der Schädiger gegen Haftpflicht versichert ist4. Denn eine Haftungsbeschränkung, die nicht den Schädiger, sondern den Haftpflichtversicherer entlastet, entspricht in der Regel nicht dem Willen der Beteiligten5. Für die Annahme eines Haftungsverzichts genügen für sich genommen auch die bloße Mitnahme eines anderen aus Gefälligkeit, enge persönliche Beziehungen zwischen den Beteiligten oder das Bestehen eines ungewöhnlichen Haftungsrisikos nicht. Erforderlich ist vielmehr grundsätzlich, dass der Schädiger keinen Haftpflichtversicherungsschutz genießt, für ihn ein nicht hinzunehmendes Haftungsrisiko bestehen würde und darüber hinaus besondere Umstände vorliegen, die im konkreten Fall einen Haftungsverzicht als besonders nahe liegend erscheinen lassen6. Besondere Umstände in diesem Sinn hat der Senat beispielsweise in Fällen angenommen, in denen der Geschädigte ein besonderes Interesse an der Übernahme des Steuers durch den Schädiger hatte, das Haftungsrisiko des Schädigers durch besondere Umstände deutlich erhöht war, der Geschädigte für die Abdeckung seines Risikos zumutbarer sorgen konnte als der Schädiger oder der Geschädigte den Schutz der gesetzlichen Unfall- oder Krankenversicherung genoss7.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 10. Februar 2009 – VI ZR 28/08

  1. vgl. BGH, BGHZ 41, 79, 81; 43, 72, 76; Urteile vom 14. Februar 1978 – VI ZR 216/76 – VersR 1978, 625; vom 14. November 1978 – VI ZR 178/77 – VersR 1979, 136; vom 18. Dezember 1979 – VI ZR 52/78 – VersR 1980, 426; vom 15. Januar 1980 – VI ZR 191/78 – VersR 1980, 384, 385 und vom 13. Juli 1993 – VI ZR 278/92 – VersR 1993, 1092, 1093; vgl. auch BGH, BGHZ 152, 391, 396[]
  2. vgl. BGH, BGHZ 46, 313, 317 f.; Urteil vom 14. November 1978 – VI ZR 178/77 – aaO[]
  3. vgl. BGH, Urteile vom 14. Februar 1978 – VI ZR 216/76 – aaO; vom 14. November 1978 – VI ZR 178/77 – aaO S. 137; vom 18. Dezember 1979 – VI ZR 52/78 – aaO S. 427 und vom 15. Januar 1980 – VI ZR 191/78 – aaO S. 386; vgl. auch BGH, BGHZ 152, 391, 396[]
  4. vgl. BGH, Urteile vom 18. Dezember 1979 – VI ZR 52/78 – aaO S. 427; vom 15. Januar 1980 – VI ZR 191/78 – aaO und vom 13. Juli 1993 – VI ZR 278/92 – aaO S. 1093; BGH, BGHZ 152, 391, 396[]
  5. BGH, Urteil vom 13. Juli 1993 – VI ZR 278/92 – aaO m.w.N.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 13. Juli 1993 – VI ZR 278/92 – aaO m.w.N.[]
  7. vgl. BGH, Urteile vom 14. Februar 1978 – VI ZR 216/76 – aaO; vom 14. November 1978 – VI ZR 178/77 – aaO; vom 18. Dezember 1979 – VI ZR 52/78 – aaO und vom 15. Januar 1980 – VI ZR 191/78 – aaO[]