Alters­dis­kri­mi­nie­rung – wegen der Ein­stel­lung eines jün­ge­ren Stel­len­be­wer­bers

Der Umstand, dass die Arbeit­ge­be­rin einen jün­ge­ren Bewer­ber ein­ge­stellt hat, der zudem über kei­ne ein­schlä­gi­ge Berufs­aus­bil­dung, aller­dings über ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung ver­fügt, stellt kein Indiz für eine Dis­kri­mi­nie­rung der Stel­len­be­wer­be­rin wegen ihres Alters dar.

Alters­dis­kri­mi­nie­rung – wegen der Ein­stel­lung eines jün­ge­ren Stel­len­be­wer­bers

Die­ser Umstand spricht nicht mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit für einen Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der Nicht­ein­stel­lung der Stel­len­be­wer­be­rin und ihrem Alter.

Inso­weit kommt zum Tra­gen, dass Anfor­de­rungs­pro­fi­le in Stel­len­an­zei­gen häu­fig auch Qua­li­fi­ka­tio­nen benen­nen, deren Vor­han­den­sein der Arbeit­ge­ber sich für den Ide­al­fall zwar wünscht, die aber kei­nes­falls zwin­gen­de Vor­aus­set­zung einer erfolg­rei­chen Bewer­bung sind [1] und jeden­falls der pri­va­te Arbeit­ge­ber grds. frei ist in der Ent­schei­dung, wel­cher Anfor­de­rung einer Stel­len­aus­schrei­bung er das grö­ße­re Gewicht bei­misst.

Aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 19.08.2010 [2] folgt nichts Abwei­chen­des. In dem die­sem Urteil zugrun­de lie­gen­den Ver­fah­ren hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu beur­tei­len, ob eine Stel­len­aus­schrei­bung, mit der „jun­ge“ Volljuristinnen/​Volljuristen gesucht wur­den, gegen § 11 AGG ver­stößt und des­halb die Ver­mu­tung begrün­de­te, dass die kla­gen­de Par­tei, deren Bewer­bung kei­nen Erfolg hat­te, wegen ihres Alters benach­tei­ligt wur­de. In die­sem Zusam­men­hang hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt aus­ge­führt, dass es nicht ent­schei­dend sei, dass der in der Stel­len­aus­schrei­bung ver­wen­de­te Begriff „jung“ nicht ein­deu­tig zu defi­nie­ren sei; auf jeden Fall lie­ge dann ein Indiz für die Benach­tei­li­gung eines Bewer­bers wegen sei­nes höhe­ren Alters vor, wenn ein ande­rer deut­lich jün­ge­rer Bewer­ber ein­ge­stellt wor­den sei. Damit hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt gera­de nicht erkannt, dass der Umstand, dass der letzt­lich ein­ge­stell­te Bewer­ber lebens­jün­ger ist als der nicht­be­rück­sich­tig­te, für sich allein betrach­tet ein Indiz für eine Dis­kri­mi­nie­rung des abge­lehn­ten Bewer­bers wegen des­sen höhe­ren Alters ist.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Dezem­ber 2016 – 8 AZR 418/​15

  1. vgl. etwa BAG 19.05.2016 – 8 AZR 477/​14, Rn. 36 mwN[]
  2. BAG 19.08.2010 – 8 AZR 530/​09, Rn. 59[]