Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung im Hin­blick auf die Berufungsstattgabe

Eine Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung nur im Hin­blick auf die Beru­fungs­statt­ga­be ist zulässig.Das Lan­des­ar­beits­ge­richt darf die Zulas­sung der Revi­si­on im Beru­fungs­ur­teil der­art beschränken.

Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung im Hin­blick auf die Berufungsstattgabe

Zwar kann die Zulas­sung der Revi­si­on nicht auf ein­zel­ne Rechts­fra­gen oder Anspruchs­ele­men­te beschränkt wer­den; sie kann aber grund­sätz­lich auf einen tat­säch­lich und recht­lich selb­stän­di­gen Teil des Gesamt­streit­stoffs beschränkt wer­den1, der Gegen­stand eines selb­stän­dig anfecht­ba­ren Teil- oder Zwi­schen­ur­teils sein2 oder auf den der Revi­si­ons­klä­ger selbst sei­ne Revi­si­on beschrän­ken könn­te3. Letz­te­res setzt eine Selb­stän­dig­keit des von der Zulas­sungs­be­schrän­kung erfass­ten Teils des Streit­stoffs in dem Sin­ne vor­aus, dass die­ser in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht unab­hän­gig von dem übri­gen Pro­zess­stoff beur­teilt wer­den und auch im Fall einer Zurück­ver­wei­sung kein Wider­spruch zum unan­fecht­ba­ren Teil des Streit­stoffs auf­tre­ten kann. Es muss sich hier­bei weder um einen eige­nen Streit­ge­gen­stand han­deln, noch muss der betrof­fe­ne Teil des Streit­stoffs auf der Ebe­ne der Beru­fungs­in­stanz teil­ur­teils­fä­hig sein4.

Danach ist die hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung wirk­sam. Die Selb­stän­dig­keit des von der Zulas­sungs­be­schrän­kung erfass­ten Teils des Streit­stoffs ist gege­ben. Die­ser Teil kann auf­grund der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt gege­be­nen zwei­ten Begrün­dung in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht unab­hän­gig von dem übri­gen Pro­zess­stoff beur­teilt wer­den; auch kann im Fall einer Zurück­ver­wei­sung kein Wider­spruch zum unan­fecht­ba­ren Teil des Streit­stoffs auftreten.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat für die Zurück­wei­sung der Anschluss­be­ru­fung des Klä­gers eine Dop­pel­be­grün­dung gege­ben. Es hat sei­ne Ent­schei­dung inso­weit zum einen – tra­gend – damit begrün­det, dass dem Klä­ger ein Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen die Beklag­te wegen unter­blie­be­ner Ziel­ver­ein­ba­rung, unter­blie­be­ner Ziel­vor­ga­be und unter­blie­be­ner nähe­rer Bestim­mun­gen über die Vor­aus­set­zun­gen, die Höhe und die Aus­zah­lung der erfolgs­ab­hän­gi­gen varia­blen Ver­gü­tung nach § 5 Satz 2 des Arbeits­ver­trags schon dem Grun­de nach nicht zuste­he (ers­te Begrün­dung). Zum ande­ren hat es sei­ne Ent­schei­dung über die Anschluss­be­ru­fung des Klä­gers – glei­cher­ma­ßen tra­gend – dar­auf gestützt, dass ein Scha­dens­er­satz­an­spruch ange­sichts der Dau­er der Tätig­keit des Klä­gers für die Beklag­te abzüg­lich der Pro­be­zeit nur antei­lig bestehen kön­ne (zwei­te Begründung).

Danach war im hier ent­schie­de­nen Fall der Revi­si­ons­an­trag vom Bun­des­ar­beits­ge­richt dahin aus­zu­le­gen, dass der Klä­ger mit der Revi­si­on aus­schließ­lich die Wie­der­her­stel­lung des arbeits­ge­richt­li­chen Urteils begehrt und nicht außer­dem die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts über sei­ne Anschluss­be­ru­fung anficht. Bei einer Aus­le­gung des Revi­si­ons­an­trags dahin, dass die Revi­si­on unbe­schränkt ein­ge­legt wur­de, müss­te die Revi­si­on näm­lich, da der Klä­ger gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on gegen die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts über sei­ne Anschluss­be­ru­fung kei­ne (erfolg­rei­che) Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt hat, inso­weit als unzu­läs­sig ver­wor­fen wer­den. Ein sol­ches Ergeb­nis wäre weder aus Sicht des Klä­gers nach den Maß­stä­ben der Rechts­ord­nung ver­nünf­tig noch wür­de es sei­ner wohl­ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge entsprechen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Dezem­ber 2020 – 8 AZR 149/​20

  1. vgl. etwa BAG 28.05.2019 – 8 AZN 268/​19, Rn. 5, BAGE 167, 32; 15.01.2015 – 5 AZN 798/​14, Rn. 5, BAGE 150, 279[]
  2. vgl. etwa BAG 28.05.2014 – 10 AZB 20/​14, Rn. 8; 24.09.1986 – 7 AZR 669/​84 – zu – I 2 a der Grün­de, BAGE 53, 105; 28.05.1986 – 7 AZR 581/​84 – zu – I 1 der Grün­de, BAGE 52, 122; BGH 12.02.2019 – VI ZR 141/​18, Rn. 12; 10.10.2017 – VI ZR 520/​16, Rn. 8; 2.05.2017 – VI ZR 262/​16, Rn. 15; 21.09.2015 – VI ZR 100/​14, Rn.19; 30.03.2007 – V ZR 179/​06, Rn. 6[]
  3. vgl. BGH 25.06.2019 – I ZR 91/​18, Rn. 7; 12.02.2019 – VI ZR 141/​18 – aaO; 10.10.2017 – VI ZR 520/​16 – aaO; 2.05.2017 – VI ZR 262/​16 – aaO; 5.04.2016 – XI ZR 428/​15, Rn. 4; 21.09.2015 – VI ZR 100/​14 – aaO; 30.03.2007 – V ZR 179/​06 – aaO[]
  4. vgl. etwa BGH 25.06.2019 – I ZR 91/​18 – aaO; 22.10.2013 – XI ZR 42/​12, Rn. 27, BGHZ 198, 294; 16.10.2012 – XI ZR 368/​11, Rn. 18; 16.12.2010 – III ZR 127/​10, Rn. 5[]

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