Die Kla­ge auf Ver­rin­ge­rung der Arbeits­zeit wäh­rend der Eltern­zeit

Für die von der Arbeit­neh­me­rin gemäß § 15 Abs. 6 BEEG aF bean­spruch­te Ver­rin­ge­rung der Arbeits­zeit wäh­rend der Eltern­zeit ist die Leis­tungs­kla­ge die rich­ti­ge Kla­ge­art [1].

Die Kla­ge auf Ver­rin­ge­rung der Arbeits­zeit wäh­rend der Eltern­zeit

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ar­beits­ge­richt für das BEEG in der Fas­sung des Bundes­el­tern­geld- und Eltern­zeit­ge­set­zes vom 27.01.2015, gül­tig ab 1.01.2015 bis 31.12.2017 („BEEG aF“) [2].

Anders als die blo­ße Inan­spruch­nah­me der Eltern­zeit, die als Gestal­tungs­recht [3] nicht von einer Zustim­mung des Arbeit­ge­bers abhän­gig ist [4], setzt die Eltern­teil­zeit eine Ver­trags­än­de­rung vor­aus, auf die der Arbeit­neh­mer unter den in § 15 Abs. 6 und Abs. 7 BEEG aF genann­ten Vor­aus­set­zun­gen einen Anspruch hat. Macht der Arbeit­neh­mer sei­nen Anspruch vor den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen erfolg­reich gel­tend (§ 15 Abs. 7 Satz 7 BEEG aF), gilt die für die Ver­trags­än­de­rung erfor­der­li­che Zustim­mungs­er­klä­rung des Arbeit­ge­bers gemäß § 894 ZPO mit Rechts­kraft des Urteils als abge­ge­ben [5].

Die auf Ver­trags­än­de­rung gerich­te­te Leis­tungs­kla­ge muss dem Bestimmt­heits­ge­bot des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO genü­gen.

Das Ange­bot des Arbeit­neh­mers, wäh­rend der Eltern­zeit die Regel­ar­beits­zeit zu ver­rin­gern, muss den Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen ent­spre­chen, wie sie all­ge­mein an Ver­trags­an­trä­ge iSd. § 145 BGB gestellt wer­den [6]. Des­halb muss die nach der spe­zi­el­len Voll­stre­ckungs­re­gel des § 894 Satz 1 ZPO als abge­ge­ben gel­ten­de Wil­lens­er­klä­rung den für einen sol­chen Ver­trag not­wen­di­gen Min­dest­in­halt (essen­ti­alia nego­tii) umfas­sen. Hier­zu gehö­ren nach § 611 Abs. 1 BGB die „ver­spro­che­nen Diens­te“ bzw. seit 1.04.2017 nach § 611a Abs. 1 Satz 1 BGB die Arbeits­leis­tung, zu der der Arbeit­neh­mer ver­pflich­tet ist, und damit Art und Beginn der Arbeits­leis­tung. Eine Eini­gung über wei­te­re Inhal­te ist grund­sätz­lich nicht erfor­der­lich, sofern klar ist, dass die Arbeits­leis­tung ver­gü­tet wer­den soll. Ist die Höhe der Ver­gü­tung nicht bestimmt, ist gemäß § 612 Abs. 2 BGB die übli­che Ver­gü­tung als ver­ein­bart anzu­se­hen. Zur Ermitt­lung des Inhalts einer mit der Kla­ge erstreb­ten Wil­lens­er­klä­rung kann – wie bei ande­ren aus­le­gungs­be­dürf­ti­gen Kla­ge­an­trä­gen – die Kla­ge­be­grün­dung her­an­ge­zo­gen wer­den [7].

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te im hier ent­schie­de­nen Fall sowohl der von der Arbeit­neh­me­rin zur Ent­schei­dung gestell­te Haupt- als auch der Hilfs­an­trag. Mit dem Haupt­an­trag begehrt die Arbeit­neh­me­rin die Redu­zie­rung der wöchent­li­chen Regel­ar­beits­zeit im Zeit­raum vom 25.09.2017 bis zum 24.09.2019 auf 20 Wochen­stun­den bei einer Ver­tei­lung der redu­zier­ten Arbeits­zeit von Mon­tag bis Don­ners­tag von 6.00 Uhr bis 11.00 Uhr. Mit dem Hilfs­an­trag ver­langt sie die Redu­zie­rung der Arbeits­zeit im sel­ben Umfang wie mit dem Haupt­an­trag, aller­dings bei einer Ver­tei­lung der Arbeits­zeit, wie sie die­se der Arbeit­ge­be­rin außer­ge­richt­lich ange­tra­gen hat. Die Arbeit­neh­me­rin war nicht gehal­ten, die Art der Arbeits­leis­tung näher zu spe­zi­fi­zie­ren. Die­se ergibt sich aus dem ansons­ten unver­än­dert fort­be­stehen­den Arbeits­ver­trag vom 11.09.2008 [8].

Die Kla­ge ist nicht infol­ge Zeit­ab­laufs unzu­läs­sig gewor­den. Selbst die – voll­stän­di­ge – Been­di­gung der Eltern­zeit lässt das Rechts­schutz­be­dürf­nis für eine eltern­zeit­be­ding­te Kla­ge auf Ver­rin­ge­rung der Arbeits­zeit nicht ent­fal­len [9].

Die Kla­ge ist auch nicht schon des­halb unbe­grün­det, weil die Arbeit­neh­me­rin die rück­wir­ken­de Ver­rin­ge­rung und Neu­ver­tei­lung ihrer Arbeits­zeit ver­langt. Seit Inkraft­tre­ten des § 311a BGB in der Fas­sung des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 26. Novem­ber 2001 (BGBl. I S. 3138) kommt auch die Ver­ur­tei­lung zur Abga­be einer Wil­lens­er­klä­rung in Betracht, mit der ein Ver­trags­an­ge­bot ange­nom­men wer­den soll, das rück­wir­kend auf eine Ver­trags­än­de­rung zu einem in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Zeit­punkt gerich­tet ist. Die erstreb­te Fik­ti­on der Abga­be der Annah­me­er­klä­rung nach § 894 Satz 1 ZPO soll zum Abschluss eines Ver­trags füh­ren, der rück­wir­kend Rech­te und Pflich­ten begrün­det [10].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2019 – 9 AZR 435/​18

  1. vgl. BAG 16.04.2013 – 9 AZR 535/​11, Rn. 12[]
  2. vgl Art. 10 Abs. 1 Satz 1 des Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Mut­ter­schutz­rechts vom 23. Mai 2017, BGBl. I S. 1228[]
  3. BAG 10.05.2016 – 9 AZR 145/​15, Rn. 18[]
  4. BAG 15.04.2008 – 9 AZR 380/​07, Rn. 31, BAGE 126, 276[]
  5. vgl. BAG 5.06.2007 – 9 AZR 82/​07, Rn. 21, BAGE 123, 30[]
  6. BAG 19.04.2005 – 9 AZR 233/​04, zu II 1 der Grün­de, BAGE 114, 206[]
  7. vgl. BAG 18.09.2018 – 9 AZR 20/​18, Rn. 18[]
  8. vgl. BAG 18.07.2017 – 9 AZR 259/​16, Rn. 10, BAGE 159, 368[]
  9. vgl. BAG 19.02.2013 – 9 AZR 461/​11, Rn. 10, BAGE 144, 253[]
  10. BAG 11. Dezem­ber 2018 – 9 AZR 298/​18 – Rn. 24, BAGE 164, 307[]