Emp­fangs­be­kennt­nis und Zustell­da­tum

Das Zustel­lungs­da­tum ist der Tag, an dem der Anwalt als Zustel­lungs­adres­sat vom Zugang des über­mit­tel­ten Schrift­stücks Kennt­nis erlangt und die­ses emp­fangs­be­reit ent­ge­gen­ge­nom­men hat1. Damit ist die Zustel­lung als Über­ga­be im Sin­ne von § 166 Absatz 1 ZPO bewirkt. Der Tag der Zustel­lung ist aber nicht schon der frü­he­re Tag, der bei Ein­gang in der Kanz­lei von einem Büro­mit­ar­bei­ter ver­merkt wor­den ist. Aus­zu­stel­len ist das Emp­fangs­be­kennt­nis somit auf die­sen Zeit­punkt der Ent­ge­gen­nah­me durch den Anwalt.

Emp­fangs­be­kennt­nis und Zustell­da­tum

Ein der­ar­ti­ges Emp­fangs­be­kennt­nis erbringt grund­sätz­lich Beweis nicht nur für die Ent­ge­gen­nah­me des dar­in bezeich­ne­ten Schrift­stücks als zuge­stellt, son­dern auch für den Zeit­punkt der Ent­ge­gen­nah­me durch den Unter­zeich­ner und damit der Zustel­lung2. Der Gegen­be­weis der Unrich­tig­keit der im Emp­fangs­be­kennt­nis ent­hal­te­nen Anga­ben ist zuläs­sig. Die­ser setzt vor­aus, dass die Beweis­wir­kung des § 174 ZPO voll­stän­dig ent­kräf­tet und jede Mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen ist, dass die Anga­ben des Emp­fangs­be­kennt­nis­ses rich­tig sein kön­nen; hin­ge­gen ist die­ser Gegen­be­weis nicht schon dann geführt, wenn ledig­lich die Mög­lich­keit der Unrich­tig­keit besteht, die Rich­tig­keit der Anga­ben also nur erschüt­tert ist3.

Den Beklag­ten ist zuzu­ge­ste­hen, dass der Umstand, dass der Klä­ger­ver­tre­ter das ange­grif­fe­ne Urteil erst am 16.05.2012 erhal­ten haben will, ange­sichts des­sen Absen­dung beim Arbeits­ge­richt am 7.05.2012 und des­sen Ein­gang beim Beklag­ten­ver­tre­ter am 11.05.2012 zumin­dest Fra­gen auf­wirft. Aller­dings haben die Beklag­ten den Gegen­be­weis, an den stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len sind, nicht erbracht. Es fehlt über­haupt jeder Ver­such eines Beweis­an­tritt durch die Beklag­ten.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 8. April 2013 – 9 Sa 92/​12

  1. BGH, Beschluss vom 27.05.2003 – VI ZB 77/​02, NJW 2003, 2460
  2. vgl. BGH, Urteil vom 24.04.2001 – VI ZR 258/​00, NJW 2001, 2722 unter II 1 und 2
  3. vgl. BGH, Urteil vom 24.04.2001 aaO, unter II 2