Equal-Pay in der Zeit­ar­beit erst ab Dezem­ber 2010?

Nach einem Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düs­sel­dorf bestehen „Equal-Pay“-Ansprüche in der Zeit­ar­beit nicht für For­de­run­gen vor Dezem­ber 2010.

Equal-Pay in der Zeit­ar­beit erst ab Dezem­ber 2010?

In dem hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall ist der Klä­ger bei einer Zeit­ar­beits­fir­ma beschäf­tigt und als Able­ser im Kun­den­au­ßen­dienst eines gro­ßen Ener­gie­un­ter­neh­mens ein­ge­setzt. Die dem Arbeits­ver­hält­nis zugrun­de lie­gen­den tarif­li­chen Rege­lun­gen waren zunächst mit der Tarif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Gewerk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vi­ca­gen­tu­ren (CGZP) abge­schlos­sen wor­den, der das Bun­des­ar­beits­ge­richt am 14. Dezem­ber 2010 die Fähig­keit abge­spro­chen hat, wirk­sam Tarif­ver­trä­ge zu schlie­ßen [1]. Am 26. April 2010 hat­ten die Par­tei­en eine Zusatz­ver­ein­ba­rung abge­schlos­sen, wonach auf das Arbeits­ver­hält­nis die zwi­schen dem Arbeit­ge­ber­ver­band Mit­tel­stän­di­scher Per­so­nal­dienst­leis­ter (AMP) und den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten des Christ­li­chen Gewerk­schafts­bun­des (CGB) gel­ten­den Tarif­ver­trä­ge Anwen­dung fin­den.

Der Klä­ger ist der Ansicht, es feh­le für den Zeit­raum von 2007 bis Febru­ar 2011 an einem wirk­sa­men Zeit­ar­beits­ta­rif­ver­trag. Er habe daher Anspruch auf Zah­lung von Dif­fe­renz­ver­gü­tun­gen in Höhe von ins­ge­samt 43.620,87 € (Rest­ver­gü­tun­gen, Über­stun­den­zu­schlä­ge, 13. Monats­ge­häl­tern und tarif­li­chen Ein­mal­zah­lun­gen) ent­spre­chend der Ver­gü­tung eines von dem Ener­gie­un­ter­neh­men selbst beschäf­tig­ten Able­sers.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Arbeits­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Kla­ge abge­wie­sen [2]. Und auch mit sei­ner Beru­fung hat­te der Klä­ger jetzt vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf kei­nen Erfolg: Die Ansprü­che des Klä­gers bis Ende 2009 sei­en wegen der wirk­sa­men Aus­schluss­frist des durch die Zusatz­ver­ein­ba­rung in Bezug genom­me­nen Man­tel­ta­rif­ver­trags zwi­schen der AMP und den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten des CGB (MTV) ver­fal­len. Der MTV sei ein mehr­glied­ri­ger Tarif­ver­trag. Selbst wenn die CGZP tarif­un­fä­hig sei, gel­te dies nicht für die Ein­zel­ge­werk­schaf­ten des CGB. Die Aus­schluss­frist habe zudem nicht erst ab dem Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2010 zu lau­fen begon­nen. Ab dem Jah­re 2010 bestehe ein mit den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten der CGB wirk­sam ver­ein­bar­ter Zeit­ar­beits­ta­rif­ver­trag.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Revi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­sen.

LAG Düs­sel­dorf, 11 Sa 852/​11, Urteil vom 08.12.2011

  1. BAG, Beschluss vom 14.12.2010 – 1 ABR 19/​10[]
  2. ArbG Düs­sel­dorf, Urteil vom 06.06.2011 – 4 Ca 8180/​10[]