Beset­zung aus­ge­schrie­be­ner Notar­stel­len – und das Maß der fach­li­chen Eig­nung

Das Abstel­len auf das Maß der fach­li­chen Eig­nung der Bewer­ber ist grund­sätz­lich ein die Been­di­gung eines Beset­zungs­ver­fah­rens sach­lich recht­fer­ti­gen­der Grund.

Beset­zung aus­ge­schrie­be­ner Notar­stel­len – und das Maß der fach­li­chen Eig­nung

Die Fra­ge, ob dem Bewer­ber ein Anspruch auf Zuwei­sung einer der aus­ge­schrie­be­nen Notar­stel­len zusteht, beur­teilt sich anhand der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs über das Erlö­schen des Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruchs bei Been­di­gung des Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens aus sach­li­chem Grund 1. Unter Über­nah­me der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts steht danach dem Bewer­ber um eine aus­ge­schrie­be­ne Stel­le nur dann ein Anspruch auf rechts­feh­ler­freie Ent­schei­dung über sei­ne Bewer­bung zu, wenn eine Ernen­nung vor­ge­nom­men wird. Die Aus­schrei­bung einer Stel­le zwingt den Dienst­herrn nicht, die Stel­le mit einem der ursprüng­lich aus­ge­fal­le­nen Bewer­ber zu beset­zen. Viel­mehr darf der Dienst­herr ein ein­ge­lei­te­tes Bewer­bungs- und Aus­wahl­ver­fah­ren aus sach­li­chen Grün­den jeder­zeit been­den und von einer ursprüng­lich geplan­ten Stel­len­be­set­zung abse­hen 2.

Unsach­lich sind dabei sol­che Grün­de, die nicht aus Art. 33 Abs. 2 GG abge­lei­tet wer­den kön­nen, etwa wenn mit dem Abbruch des Aus­wahl­ver­fah­rens das Ziel ver­folgt wird, einen uner­wünsch­ten Kan­di­da­ten aus leis­tungs­frem­den Erwä­gun­gen von der wei­te­ren Aus­wahl für die Stel­le aus­zu­schlie­ßen. Als eine aus dem Orga­ni­sa­ti­ons­recht des Dienst­herrn erwach­sen­de ver­wal­tungs­po­li­ti­sche Ent­schei­dung berührt der Abbruch des Aus­wahl­ver­fah­rens grund­sätz­lich nicht die Rechts­stel­lung von Bewer­bern. Das für den Abbruch des Aus­wahl­ver­fah­rens maß­geb­li­che orga­ni­sa­ti­ons- und ver­wal­tungs­po­li­ti­sche Ermes­sen ist ein ande­res als das bei einer Stel­len­be­set­zung zu beach­ten­de Aus­wahler­mes­sen 3.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten ent­spre­chend für die Beset­zung der Amts­stel­len der Nota­re und der Nota­ras­ses­so­ren. Auch inso­weit ist die zustän­di­ge öffent­lich­recht­li­che Kör­per­schaft auf­grund ihrer Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt grund­sätz­lich berech­tigt, ein Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren aus sach­li­chen Grün­den zu been­den 4. Als sach­li­che Grün­de sind dabei sol­che anzu­se­hen, die ent­we­der aus § 4 BNo­tO oder aus den §§ 5 bis 7 BNo­tO abge­lei­tet wer­den kön­nen. Der Abbruch eines Aus­wahl­ver­fah­rens kann aller­dings nur dann recht­mä­ßig sein, wenn neben dem Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des sicher­ge­stellt ist, dass die von dem Ver­fah­ren Betrof­fe­nen von dem Abbruch recht­zei­tig und in geeig­ne­ter Form Kennt­nis erlan­gen. Dies kann durch Mit­tei­lun­gen an die im Ver­fah­ren bis­her betei­lig­ten Per­so­nen gesche­hen, jedoch auch durch eine öffent­li­che Ver­laut­ba­rung, etwa die erneu­te Aus­schrei­bung der zu beset­zen­den Stel­le 5.

Ein sach­li­cher Grund für die Been­di­gung des Bewer­bungs- bzw. Aus­wahl­ver­fah­rens trotz einer noch offe­nen Notar­stel­le kann dar­in gese­hen erden, dass im Sin­ne der Bes­ten­aus­le­se durch eine neue Aus­schrei­bung eine grö­ße­re Anzahl von geeig­ne­ten Bewer­bern als den im frü­he­ren Bewer­bungs­ver­fah­ren allein noch ver­blie­be­ne Bewer­ber gewon­nen wer­den woll­te. Mit die­sen Erwä­gun­gen wur­de erkenn­bar auf die fach­li­che Eig­nung im Sin­ne von § 6 Abs. 3 BNo­tO (a.F.) abge­stellt und sich dabei an den durch die nach Maß­ga­be des Rund­erlas­ses des Hes­si­schen Minis­te­ri­ums der Jus­tiz, für Inte­gra­ti­on und Euro­pa vom 26.10.2009 6 ermit­tel­ten Punkt­wer­ten ori­en­tiert.

Das Abstel­len auf das Maß der fach­li­chen Eig­nung der Bewer­ber ist als aus § 6 Abs. 3 BNo­tO (a.F.) abge­lei­tet, grund­sätz­lich ein die Been­di­gung eines Bewer­bungs­ver­fah­rens sach­lich recht­fer­ti­gen­der Grund. Die in Abschnitt A.II. 3. des genann­ten Rund­erlas­ses auf­ge­führ­ten Kri­te­ri­en für die Bestim­mung der jewei­li­gen Punkt­zahl der Bewer­ber sind selbst Aus­druck der für die Beur­tei­lung der (fach­li­chen) Eig­nung der Bewer­bung für eine Notar­stel­le maß­geb­li­chen Kri­te­ri­en. Dass der Beklag­te das durch die Aus­schrei­bung vom Juli 2010 begon­ne­ne Beset­zungs­ver­fah­ren nach Beset­zung von 46 der 47 aus­ge­schrie­be­nen Stel­len im Hin­blick auf eine nicht aus­rei­chen­de Punkt­zahl des Not­ar­be­wer­bers als letz­tem ver­blie­be­nen Bewer­ber been­det hat, ist dem­nach im Grund­satz nicht zu bean­stan­den.

Bei der an der fach­li­chen Eig­nung aus­ge­rich­te­ten Aus­übung sei­nes orga­ni­sa­ti­ons- und ver­wal­tungs­po­li­ti­schen Ermes­sens durf­te im vor­lie­gen­den Fall auch berück­sich­tigt wer­den, dass der ver­blei­ben­de Bewer­ber mit der von ihm erreich­ten, in der Berech­nung nicht bean­stan­de­ten Punkt­zahl sehr deut­lich hin­ter dem ursprüng­lich auf Rang­stel­le 47 befind­li­chen Bewer­ber und immer noch deut­lich hin­ter dem­je­ni­gen auf der Rang­stel­le 50 zurück­blieb. Unsach­li­che und leis­tungs­frem­de Erwä­gun­gen sind dar­in nicht zu erken­nen.

Die Aus­schrei­bung einer Stel­le zwingt den aus­schrei­ben­den Dienst­herrn, die Stel­le mit einem der ursprüng­lich aus­ge­fal­le­nen Bewer­ber zu beset­zen. Er ist viel­mehr berech­tigt, ein ein­ge­lei­te­tes Bewer­bungs- und Aus­wahl­ver­fah­ren aus sach­li­chen Grün­den jeder­zeit zu been­den und von der ursprüng­lich geplan­ten Stel­len­be­set­zung abzu­se­hen.

Frag­lich ist damit allein die feh­ler­freie Aus­übung des ange­spro­che­nen orga­ni­sa­ti­ons- und ver­wal­tungs­po­li­ti­schen Ermes­sens über die Been­di­gung des Aus­wahl­ver­fah­rens und nicht (mehr) die­je­ni­ge hin­sicht­lich des bei der Stel­len­be­set­zung zu beach­ten­den Aus­wahler­mes­sens. Ange­sichts der dem Aus­schrei­ben­den jeder­zeit bei Vor­lie­gen eines sach­li­chen Grun­des offen ste­hen­den Mög­lich­keit des Abbruchs des Beset­zungs­ver­fah­rens wird inso­weit ohne­hin kaum jemals eine vor­he­ri­ge Ver­hal­tens­wei­se des Aus­schrei­ben­den eine Ein­schrän­kung sei­nes Ermes­sens über den Abbruch des Beset­zungs­ver­fah­rens her­bei­füh­ren kön­nen. Umge­kehrt kann auf Sei­ten der nicht berück­sich­tig­ten Bewer­ber im Grund­satz kein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en in die Fort­füh­rung des Beset­zungs­ver­fah­rens bis zur Aus­schöp­fung sämt­li­cher aus­ge­schrie­be­ner Stel­len ent­ste­hen. Es besteht ledig­lich ein Anspruch auf feh­ler­freie Aus­übung der vor­be­schrie­be­nen Ermes­sens­ent­schei­dung über den Abbruch des Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Novem­ber 2014 – NotZ(Brfg) 7/​14

  1. vgl. zuletzt BGH, Beschluss vom 25.11.2013 – NotZ(Brfg) 9/​13, DNotZ 2014, 307 ff.[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.07.2012 – NotZ(Brfg) 2/​12, ZNotP 2012, 358 Rn. 4; vom 25.11.2013 – NotZ(Brfg) 9/​13, DNotZ 2014, 307; BVerw­GE 141, 361 Rn. 26 f. mwN und BVerwG, NVwZ-RR 2000, 172 Rn. 25 f.; BVerfG, Beschluss vom 12.07.2011 – 1 BvR 1616/​11, IÖD 2011, 242 Rn. 24[]
  3. vgl. BVerw­GE 141, 361 Rn. 27 und BVerwG, NVwZ-RR 2000, 172, Rn. 26; BVerfG, Beschluss vom 12.07.2011 – 1 BvR 1616/​11, aaO[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.07.2012 – NotZ (Brfg) 2/​12, aaO Rn. 5; vom 25.11.2013 – NotZ(Brfg) 9/​13 aaO Rn. 7[]
  5. vgl. BVerw­GE 141, 361 Rn. 28; BVerfG, NVwZ 2012, 366 Rn. 23[]
  6. JMBl.2009 Nr. 12 vom 01.12 2009, S. 563 ff.[]