Abstam­mungs­ver­fah­ren – und die Betei­li­gung der Eltern des toten Vaters

Stirbt wäh­rend eines Abstam­mungs­ver­fah­rens der als Vater gel­ten­de Mann, so sind sei­ne Eltern nach sei­nem Tod jeden­falls so lan­ge nicht am Ver­fah­ren zu betei­li­gen, wie nicht ein hier­zu berech­tig­ter übri­ger Betei­lig­ter frist­ge­recht gemäß § 181 FamFG die Fort­set­zung des Ver­fah­rens ver­langt hat.

Abstam­mungs­ver­fah­ren – und die Betei­li­gung der Eltern des toten Vaters

Die Betei­li­gung in Abstam­mungs­sa­chen regelt § 172 FamFG, wonach das Kind, die Mut­ter und der Vater sowie in bestimm­ten Fäl­len auch das Jugend­amt (auf sei­nen Antrag) zu betei­li­gen sind. Wie das Beschwer­de­ge­richt zutref­fend aus­führt, ist die­se Auf­zäh­lung jedoch nicht abschlie­ßend. Viel­mehr sind auch wei­te­re Per­so­nen als sog. Muss­be­tei­lig­te zum Ver­fah­ren hin­zu­zu­zie­hen, sofern die Vor­aus­set­zun­gen des § 7 Abs. 2 Nr. 1 FamFG vor­lie­gen, also ihr Recht durch das Ver­fah­ren unmit­tel­bar betrof­fen wird [1].

Dass die Eltern des Kin­des­va­ters – eben­so wie sei­ne sons­ti­gen nächs­ten Ver­wand­ten – zu des­sen Leb­zei­ten zu die­sen Muss­be­tei­lig­ten gehö­ren, wird zu Recht von nie­man­dem ver­tre­ten. Denn sämt­li­che ver­wandt­schaft­li­chen und recht­li­chen Bezie­hun­gen zum Kind stel­len sich für sie nur als Reflex ihres Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis­ses zum Kin­des­va­ter, nicht aber als unmit­tel­ba­res Recht dar [2].

Die Groß­mutter macht ohne Erfolg gel­tend, mit dem Tod ihres Soh­nes sei sie durch das Abstam­mungs­ver­fah­ren unmit­tel­bar in ihren Rech­ten betrof­fen und daher nach § 7 Abs. 2 Nr. 1 FamFG als Betei­lig­te zum Ver­fah­ren hin­zu­zu­zie­hen.

Stirbt in einer Abstam­mungs­sa­che im Sin­ne von § 169 FamFG ein Betei­lig­ter vor Rechts­kraft der Ent­schei­dung, hat das Gericht gemäß § 181 Satz 1 FamFG die übri­gen Betei­lig­ten dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Ver­fah­ren nur fort­ge­setzt wird, wenn ein Betei­lig­ter dies inner­halb einer Frist von einem Monat durch Erklä­rung gegen­über dem Gericht ver­langt. Ohne ein sol­ches Ver­lan­gen bin­nen der vom Gericht gesetz­ten Frist gilt das Ver­fah­ren gemäß § 181 Satz 2 FamFG als in der Haupt­sa­che erle­digt.

Wäh­rend des Laufs der Frist nach § 181 FamFG befin­det sich das Ver­fah­ren mit­hin in einem Schwe­be­zu­stand, in dem allein zu klä­ren ist, ob es auf­grund des Antrags eines hier­zu Berech­tig­ten fort­ge­setzt wird oder mit dem Tod des Betei­lig­ten sein Ende gefun­den hat. Die Hin­zu­zie­hung nächs­ter Ver­wand­ter des ver­stor­be­nen Man­nes im Sta­di­um zwi­schen des­sen Tod und dem Fort­set­zungs­ver­lan­gen eines der übri­gen Betei­lig­ten bzw. dem Frist­ab­lauf käme daher nur dann in Betracht, wenn den nächs­ten Ver­wand­ten selbst das Antrags­recht des § 181 Satz 1 FamFG zustün­de und ihnen dadurch die Mög­lich­keit eröff­net wäre, den Schwe­be­zu­stand durch ein eige­nes Fort­set­zungs­ver­lan­gen zu been­den. Ver­neint man hin­ge­gen ihre Berech­ti­gung im Sin­ne des § 181 FamFG, fehlt es dann, wenn wie hier kei­ner der übri­gen Betei­lig­ten ein Fort­set­zungs­ver­lan­gen inner­halb der vom Gericht gesetz­ten Frist stellt, an einem (Hauptsache-)Verfahren, an dem die nächs­ten Ver­wand­ten betei­ligt wer­den könn­ten.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof im Par­al­lel­ver­fah­ren ent­schie­den hat [3], sind die Eltern des Kin­des­va­ters nach des­sen Tod nicht gemäß § 181 Satz 1 FamFG berech­tigt, die Fort­set­zung des Ver­fah­rens zu ver­lan­gen. Dies ergibt die Aus­le­gung der Vor­schrift nach Wort­laut, Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te, Sinn und Zweck sowie Sys­te­ma­tik des Geset­zes.

Man­gels eines Fort­set­zungs­ver­lan­gens durch einen der hier­zu berech­tig­ten übri­gen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten gilt das Abstam­mungs­ver­fah­ren daher als in der Haupt­sa­che erle­digt. Für die von der Mut­ter des Ver­stor­be­nen begehr­te Hin­zu­zie­hung ist man­gels anhän­gi­gen Ver­fah­rens dem­nach kein Raum.

Die Fra­ge, ob die nächs­ten Ver­wand­ten des Ver­stor­be­nen – und damit gege­be­nen­falls auch die (Groß-)Mutter – im Fal­le eines wirk­sa­men Fort­set­zungs­ver­lan­gens zu dem dann fort­zu­füh­ren­den Ver­fah­ren hin­zu­zu­zie­hen wären, bedarf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Juli 2015 – XII ZB 670/​14

  1. vgl. BT-Drs. 16/​6308 S. 345; Keidel/​Engelhardt FamFG 18. Aufl. § 172 Rn. 13[]
  2. vgl. BGH, Beschluss BGHZ 163, 37 = FamRZ 2005, 1067 f.[]
  3. BGH, Beschluss vom 28.07.2015 – XII ZB 671/​14[]