Ren­ten­kür­zung im Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die spä­te­re Anpas­sung im Todes­fall

Für Anträ­ge auf Anpas­sung der infol­ge des Ver­sor­gungs­aus­gleichs durch­ge­führ­ten Ren­ten­kür­zung wegen Tod der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son ist das Fami­li­en­ge­richt nicht zustän­dig. Die Rege­lung, wonach die Anpas­sung der Ren­ten­kür­zung wegen Tod der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son nur für Regel­si­che­rungs­sys­te­me und nicht für die ergän­zen­de Alters­ver­sor­gung vor­ge­se­hen ist, ist mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar 1.

Ren­ten­kür­zung im Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die spä­te­re Anpas­sung im Todes­fall

Gemäß § 37 Abs. 1, 2 VersAus­glG wird ein Anrecht der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son auf Antrag nicht län­ger auf Grund des Ver­sor­gungs­aus­gleichs gekürzt, wenn die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son gestor­ben ist, wobei die Anpas­sung nur statt­fin­det, wenn die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son die Ver­sor­gung aus dem im Ver­sor­gungs­aus­gleich erwor­be­nen Anrecht nicht län­ger als 36 Mona­te bezo­gen hat.

Über einen Anpas­sungs­an­trag des Aus­gleichs­pflich­ti­gen nach die- ser Vor­schrift hat gemäß § 38 Abs. 1 Satz 1 VersAus­glG der Ver­sor­gungs- trä­ger zu ent­schei­den, bei dem das auf­grund des Ver­sor­gungs­aus­gleichs gekürz­te Anrecht besteht. Inso­weit besteht wie schon nach frü­he­rem Recht kei­ne Zustän­dig­keit des Fami­li­en­ge­richts; ein dort gestell­ter Antrag ist un- zuläs­sig. Hat der Aus­gleichs­pflich­ti­ge meh­re­re Ver­sor­gun­gen, die auf­grund des Ver­sor­gungs­aus­gleichs gekürzt wer­den, muss er gege­be­nen­falls meh­re­re Anträ­ge bei den jeweils zustän­di­gen Ver­sor­gungs­trä­gern stel­len. Die Ver­sor­gungs­trä­ger ent­schei­den im Ver­wal­tungs­we­ge. Gegen ihre Ent­schei­dung ist der Rechts­weg zum Gericht der jeweils zustän­di­gen Fach­ge­richts­bar­keit gege­ben 2.

Für die Ent­schei­dung über den Antrag des Ehe­manns war daher die allei­ni­ge Zustän­dig­keit der all­ge­mei­nen Zivil­ge­rich­te und nicht die der Fami­li­en­ge­rich­te begrün­det. Aller­dings kann die Rechts­be­schwer­de nicht dar­auf gestützt wer­den, dass das Gericht des ers­ten Rechts­zugs sei­ne Zustän­dig­keit zu Unrecht ange­nom­men hat (§ 72 Abs. 2 FamFG) 3.

Nach § 32 VersAus­glG ist die Anpas­sung der Ren­ten­kür­zung wegen Tod der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son aller­dings nur für Regel­si­che­rungs­sys­te­me vor­ge­se­hen. Im Bereich der ergän­zen­den Alters­vor­sor­ge sol­len die Anpas­sungs­vor­schrif­ten hin­ge­gen nicht zur Anwen­dung kom­men 4.

Jeden­falls die Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes gehört nicht zu den von der Vor­schrift erfass­ten Regel­si­che­rungs­sys­te­men. Sie ist auf tarif­ver­trag­li­cher Grund­la­ge pri­vat­recht­lich orga­ni­siert, auch wenn der Ver­sor­gungs­trä­ger Anstalt des öffent­li­chen Rechts ist 5.

Die damit vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Regel­si­che­rungs­sys­te­men und Sys­te­men der ergän­zen­den Alters­vor­sor­ge ist mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits zum soge­nann­ten Unter­halt­s­pri­vi­leg (§§ 33 f. VersAus­glG) ent­schie­den, dass der Gesetz­ge­ber nicht von Ver­fas­sungs wegen ver­pflich­tet war, glei­che Rege­lun­gen für Regel­si­che­rungs­sys­te­me und für Sys­te­me der ergän­zen­den Alters­vor­sor­ge zu tref­fen 6. Dies gilt im Ergeb­nis auch für die Anpas­sung wegen Tod der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son (§ 37 f. VersAus­glG), obgleich in sol­chen Fäl­len bereits fest­steht, dass die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son über die längs­tens 36 Mona­te bezo­ge­nen Leis­tun­gen hin­aus kei­ne wei­te­ren Leis­tun­gen mehr bezie­hen wird.

Denn bei den in §§ 32 ff. VersAus­glG nor­mier­ten "Pri­vi­le­gi­en", wel­che eine Leis­tungs­pflicht des Ver­si­che­rers über die schlich­te Tei­lung der ehe­zeit­lich erwor­be­nen Anrech­te hin­aus begrün­den, han­delt es sich regel­mä­ßig um ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Bes­ser­stel­lun­gen geschie­de­ner Ehe­gat­ten gegen­über ande­ren Ange­hö­ri­gen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft, die wovon auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­ge­gan­gen ist 7 nicht kos­ten­neu­tral bewirkt wer­den kön­nen. Denn wäh­rend der aus­gleichs­be­rech­tig­te Ehe­gat­te den hälf­ti­gen ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Wert­an­teil des ehe­zeit­lich erwor­be­nen Anrechts bereits mit der Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs als eine eigen­stän­di­ge, vom Ver­si­che­rungs­schick­sal des aus­gleichs­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten los­ge­lös­te Ver­sor­gung erwirbt, wel­che anders als das zu Ehe­zei­ten bestehen­de Recht auch eine eige­ne Inva­li­di­täts­ver­sor­gung umfasst, einer Wie­der­ver­hei­ra­tung stand­hält und sogar spä­te­re Ansprü­che auf Wit­wer- oder Wit­wen­ren­te eines neu­en Ehe­gat­ten begrün­den kann, nimmt der aus­gleichs­pflich­ti­ge Ehe­gat­te über das Pri­vi­leg der Anpas­sung der Ren­ten­kür­zung wegen Tod der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son an zusätz­li­chen Ren­ten­leis­tun­gen teil, die ihm auf­grund eines bei ihm ein­ge­tre­te­nen Ver­si­che­rungs­falls so gewährt wer­den, als ver­fü­ge er noch über sein unge­teil­tes Anrecht. Hier­in liegt eine Ver­meh­rung der mög­li­chen Ver­si­che­rungs­fäl­le und Leis­tungs­pflich­ten des Ver­si­che­rers, die nicht durch ren­ten­recht­li­che Zei­ten (§ 54 SGB VI) erdient ist und des­halb der Sache nach eine ver­si­che­rungs­frem­de Sozi­al­leis­tung des Trä­gers der Ren­ten­ver­si­che­rung an geschie­de­ne Ehe­gat­ten dar­stellt. Eine wei­te­re Meh­rung der Leis­tungs­pflich­ten tritt ein, wenn der Aus­gleichs­be­rech­tig­te die Leis­tung bereits für längs­tens 36 Mona­te bezo­gen hat­te und den­noch die Kür­zung beim Aus­gleichs­pflich­ti­gen voll­stän­dig ent­fällt.

Obwohl in der hier­mit ein­her­ge­hen­den Ver­meh­rung der mög­li­chen Ver­si­che­rungs­fäl­le und Leis­tungs­an­sprü­che geschie­de­ner Ehe­gat­ten zugleich eine Benach­tei­li­gung der in fort­be­stehen­der Ehe leben­den Ver­si­cher­ten gese­hen wer­den könn­te, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Eigen­tums­schutz nach Art. 14 Abs. 1 GG dahin ver­stan­den, dass es im Zusam­men­hang mit dem Vor­verster­ben des aus­gleichs­be­rech­tig­ten vor dem aus­gleichs­ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten zu einem ver­fas­sungs­wid­ri­gen Zustand kom­men kön­ne, wenn die abge­split­te­ten Wert­ein­hei­ten beim Berech­tig­ten kei­ne Ren­ten­leis­tung aus­ge­löst haben, den Ver­pflich­te­ten hin­ge­gen wegen ihres Umfangs spür­bar belas­ten. Fer­ner sei es auch mög­lich, dass der Ver­sor­gungs­aus­gleich wegen der Kür­ze der Ren­ten­leis­tun­gen an den aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten im Ver­hält­nis zur Höhe der über­tra­ge­nen Wert­ein­hei­ten und unter Wür­di­gung der Lage des über­le­ben­den Aus­gleichs­ver­pflich­te­ten ver­fas­sungs­wid­ri­ge Aus­wir­kun­gen haben kön­ne 7.

Die nach die­ser Ver­fas­sungs­recht­spre­chung not­wen­di­gen, für den Ver­si­che­rer auf­wands­er­hö­hen­den Leis­tun­gen hat der Gesetz­ge­ber den Trä­gern der staat­li­chen Regel­si­che­rungs­sys­te­me auf­er­legt, nicht jedoch den pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gern und bei­trags­fi­nan­zier­ten Zusatz­ver­sor­gungs­kas­sen. Zu die­ser Dif­fe­ren­zie­rung war der Gesetz­ge­ber berech­tigt, da zwi­schen den Regel­si­che­rungs­sys­te­men und den Sys­te­men der ergän­zen­den Alters­vor­sor­ge Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie eine unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen. Denn anders als bei den Regel­si­che­rungs­sys­te­men muss sich die Ren­ten­leis­tungs­pflicht der Trä­ger der ergän­zen­den Alters­vor­sor­ge in ein ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sches Äqui­va­lenz­ver­hält­nis zur vor­he­ri­gen Bei­trags­leis­tung fügen, im Fal­le der Zusatz­ver­sor­gungs­kas­sen durch ein Umla­ge­sys­tem. Dies hin­dert es, Trä­gern der ergän­zen­den Alters­vor­sor­ge über die durch den Ver­sor­gungs­aus­gleich ange­ord­ne­te, wert­neu­tra­le Halb­tei­lung bestehen­der Anrech­te hin­aus zusätz­li­che Leis­tungs­pflich­ten und Risi­ken durch die in den §§ 32 ff. VersAus­glG nor­mier­ten Pri­vi­le­gi­en auf­zu­bür­den, wel­che das ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Gleich­ge­wicht von Bei­trags­zah­lung und Leis­tungs­an­spruch ein­sei­tig zulas­ten des Ver­si­che­rers oder der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ver­schö­ben. Aus die­sem Grund hält der Bun­des­ge­richts­hof an sei­ner Recht­spre­chung fest, wonach eine Kür­zung der Aus­set­zung der Ver­sor­gung außer­halb der Regel­si­che­rungs­sys­te­me nicht in Betracht kommt 8.

Davon abge­se­hen for­dert der Grund­rechts­schutz einen Här­teaus­gleich allen­falls dann, wenn die abge­split­te­ten Wert­ein­hei­ten den Ver­pflich­te­ten wegen ihres Umfangs spür­bar belas­ten. Das ist hier jeden­falls nicht gege­ben, da im vor­lie­gen­den Fall nur ein Anteil von rund fünf Pro­zent der durch den Ver­sor­gungs­aus­gleich beding­ten Kür­zun­gen auf die Zusatz­ver­sor­gung ent­fällt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. März 2013 – XII ZB 271/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 07.11.2012 – XII ZB 271/​12 Fam­RZ 2013, 189[]
  2. FAKomm-Fam­R/Wick 5. Aufl. § 38 VersAus­glG Rn. 2[]
  3. vgl. Keidel/​MeyerHolz FamFG 17. Aufl. § 72 Rn. 47[]
  4. BT-Drucks. 16/​10144 S. 71 f.[]
  5. FAKomm-Fam­R/Wick 5. Aufl. § 32 VersAus­glG Rn. 11[]
  6. BGH, Beschluss vom 07.11.2012 – XII ZB 271/​12, Fam­RZ 2013, 189[]
  7. BVerfGE 53, 257, 303 = Fam­RZ 1980, 326, 335[][]
  8. vgl. bereits BGH, Beschluss vom 07.11.2012 – XII ZB 271/​12, Fam­RZ 2013, 189 Rn. 14 ff.[]
  9. BFH, Urteil vom 28.07.2015 – VIII R 50/​14, BFHE 250, 413, BSt­Bl II 2015, 894[]
  10. vgl. BGH, Beschluss vom 05.06.2013, Az.: XII ZB 635/​12[]