Aus­kunft im Zuge­winn­aus­gleich und die Fest­stel­lung des Tren­nungs­zeit­punkts

Eine im Rah­men des Stu­fen­an­tra­ges zum Zuge­winn­aus­gleich erge­hen­de Teil­ent­schei­dung, mit der ein Ehe­gat­te zur Ver­mö­gens­aus­kunft auf einen zwi­schen den Betei­lig­ten strei­tig geblie­be­nen Tren­nungs­zeit­punkt ver­pflich­tet wird, ist im Hin­blick auf die Gefahr wider­spre­chen­der wei­te­rer (Teil-) Ent­schei­dun­gen hin­sicht­lich des allein durch die Aus­kunfts­ver­pflich­tung nicht in Rechts­kraft erwach­sen­den Tren­nungs­zeit­punk­tes unzu­läs­sig, soweit sie nicht mit einer Zwi­schen­fest­stel­lung zum Tren­nungs­zeit­punkt ver­bun­den wird.

Aus­kunft im Zuge­winn­aus­gleich und die Fest­stel­lung des Tren­nungs­zeit­punkts

Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung darf auch bei der grund­sätz­li­chen Teil­bar­keit des Streit­ge­gen­stan­des eine Teil­ent­schei­dung (§ 301 ZPO) nur erge­hen, wenn die Gefahr ein­an­der wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen – auch infol­ge abwei­chen­der Beur­tei­lung durch das Rechts­mit­tel­ge­richt – aus­ge­schlos­sen ist. Eine Gefahr sich wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen ist nament­lich dann gege­ben, wenn in einem Teil­ur­teil eine Fra­ge ent­schie­den wird, die sich dem Gericht im wei­te­ren Ver­fah­ren über ande­re Ansprü­che oder Anspruchs­tei­le noch ein­mal stellt oder stel­len kann. Das gilt auch inso­weit, als es um die Mög­lich­keit einer unter­schied­li­chen Beur­tei­lung von blo­ßen Urteilsele­men­ten geht, die weder in Rechts­kraft erwach­sen noch das Gericht nach § 318 ZPO für das wei­te­re Ver­fah­ren bin­den1.

Nach die­sem Maß­stab liegt in dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Cel­le ent­schie­de­nen Streit­fall eine unzu­läs­si­ge Teil­ent­schei­dung ent­ge­gen §§ 113 Abs. 2 Satz 1 FamFG, 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 und Satz 3 ZPO vor.

Zwi­schen dem Streit­ge­gen­stand einer Teil­ent­schei­dung auf der Aus­kunfts­stu­fe und den Streit­ge­gen­stän­den wei­te­rer Teil­ent­schei­dun­gen auf der Ver­si­che­rungs- bzw. Leis­tungs­stu­fe besteht zwar grund­sätz­lich eine unpro­ble­ma­ti­sche Teil­bar­keit. Der aus­ge­spro­che­nen Aus­kunfts­ver­pflich­tung des Ehe­man­nes liegt im Streit­fall jedoch ein – nach wie vor strei­ti­ger – ver­meint­li­cher Tren­nungs­zeit­punkt 30.04.2002 zugrun­de. Eben­die­ser Tren­nungs­zeit­punkt als jeweils tra­gen­des Ele­ment der Ver­pflich­tung auf allen Stu­fen wird durch den Teil­be­schluß über die Aus­kunfts­ver­pflich­tung für sich jedoch nicht zugleich rechts­kraft­fä­hig fest­ge­schrie­ben. Denn die Ent­schei­dung zur Aus­kunft führt weder zu einer inner­pro­zes­sua­len Bin­dungs­wir­kung noch ent­hält sie eine rechts­kraft­fä­hi­ge Fest­stel­lung zum Grund des Leis­tungs­an­spru­ches2. Dies hat zur Fol­ge, daß das Amts­ge­richt oder ein Rechts­mit­tel­ge­richt bei wei­te­ren Teil­be­schlüs­sen oder der Schlu­ß­ent­schei­dung einen abwei­chen­den Tren­nungs­zeit­punkt zugrun­de legen könn­ten. So wäre etwa durch­aus mög­lich, daß im Rah­men der Schlu­ß­ent­schei­dung die Zurech­nung eines, das Ver­mö­gen im Zeit­punkt der Been­di­gung des Güter­stan­des über­stei­gen­den Tren­nungs­ver­mö­gens auf den besag­ten Zeit­punkt, für den der Antrag­stel­ler nicht den ihm oblie­gen­den Ent­las­tungs­nach­weis ent­spre­chend § 1375 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 BGB füh­ren konn­te, des­we­gen ver­sagt wird, weil sich die erteil­te Aus­kunft nicht auf den tat­säch­li­chen Tren­nungs­zeit­punkt bezog. Die Eröff­nung einer der­art abwei­chen­den Beur­tei­lung von maß­geb­li­chen Ent­schei­dungs­ele­men­ten in wei­te­ren Teil­be­schlüs­sen oder der Schlu­ß­ent­schei­dung ver­bie­tet jedoch eine Teil­ent­schei­dung der vor­lie­gen­den Art.

Die nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen bestehen­de und die Teil­ent­schei­dung jeden­falls in der erfolg­ten Form unzu­läs­sig machen­de Gefahr wider­sprüch­li­cher Ent­schei­dun­gen könn­te unter den Umstän­den des Streit­fal­les durch die Ver­bin­dung der Aus­kunfts­ver­pflich­tung mit einer Zwi­schen­fest­stel­lung zur Begrün­dung einer Tren­nung im Rechts­sin­ne im ent­spre­chen­den Zeit­punkt auch durch­grei­fend ver­mie­den wer­den.

Die Fra­ge des Getrennt­le­bens im Sin­ne von § 1567 BGB und sei­ner Begrün­dung betrifft nach den Maß­stä­ben der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ein zwi­schen­fest­stel­lungs­fä­hi­ges Rechts­ver­hält­nis, da die­ses für die Betei­lig­ten unmit­tel­bar recht­li­che Fol­gen aus­löst – so etwa Unter­halts­ver­pflich­tun­gen nach § 1361 BGB (statt nach § 1360 BGB), die Mög­lich­keit von Rege­lun­gen nach den §§ 1361a und 1361b BGB sowie im Fal­le des gesetz­li­chen Güter­stan­des Ansprü­che aus §§ 1379 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB. Inso­fern han­delt es sich um eine bestimm­te, recht­lich gere­gel­te Bezie­hung einer Per­son zu einer ande­ren Per­son3. Wei­ter hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­spro­chen, daß etwa ein Kün­di­gungs­grund allein das Rechts­ver­hält­nis dar­stel­len kann, wenn die Kün­di­gung selbst bereits zu bestimm­ten Rechts­fol­gen führt4, oder auch die „Rechts­na­tur” einer Kün­di­gung (Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund oder freie Kün­di­gung) als zwi­schen den Betei­lig­tes strei­ti­ges Rechts­ver­hält­nis zu ver­ste­hen ist5.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat es auch bereits aus­drück­lich für zuläs­sig erklärt, den Aus­kunfts­an­spruch mit einem Zwi­schen­fest­stel­lungs­an­trag über das zugrun­de­lie­gen­de Rechts­ver­hält­nis zu ver­bin­den6. Dabei hat er zugleich klar­ge­stellt, daß es für die Zuläs­sig­keit des Zwi­schen­fest­stel­lungs­an­tra­ges bereits aus­reicht, daß das fest­zu­stel­len­de Rechts­ver­hält­nis für die ver­schie­de­nen Tei­le der Stu­fen­kla­ge maß­geb­lich ist, da es sich bei der Stu­fen­kla­ge um einen beson­de­ren Fall der objek­ti­ven Kla­gen­häu­fung han­delt7.

Auf die­ser Grund­la­ge kön­nen kei­ner­lei ver­nünf­ti­ge Zwei­fel bestehen, daß auch die Fra­ge des Zeit­punkts der Her­bei­füh­rung der Tren­nung im Rechts­sin­ne, von der vor­lie­gend jeden­falls auf den unter­schied­li­chen Stu­fen des Antra­ges der Ehe­frau unmit­tel­ba­re Rechts­fol­gen abhän­gen, einer Zwi­schen­fest­stel­lung zugäng­lich wäre.

Dem Ober­land­des­ge­richt ist es schließ­lich auch von vorn­her­ein ver­wehrt, die feh­len­de Zwi­schen­fest­stel­lung selbst vor­zu­neh­men. Der Rechts­streit ist aus­schließ­lich im Umfang der amts­ge­richt­li­chen Teil­ent­schei­dung, also ledig­lich mit der erfolg­ten Aus­kunfts­ver­pflich­tung des Ehe­man­nes im Beschwer­de­ver­fah­ren ange­fal­len.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 23. Juli 2013 – 10 UF 74/​12

  1. BGH, Urtei­le vom 11.05.2011 – VIII ZR 42/​10, BGHZ 189, 356 ff., Tz. 13; vom 26.04.1989 – VIb ZR 48/​88, BGHZ 107, 236, 242; vom 10.10.1991 – III ZR 93/​90, NJW 1992, 511 unter III 1; vom 04.02.1997 – VI ZR 69/​96, NJW 1997, 1709 unter II; vom 04.10.2000 – VIII ZR 109/​09, WM 2001, 106 unter II 1 b; vom 25.11.2003 – VI ZR 8/​03, NJW 2004, 1452 unter II 1 a; vom 07.11.2006 – X ZR 149/​04, NJW 2007, 156, Tz. 12; vom 19.11.2008 – VIII ZR 47/​07, NJW-RR 2009, 494, Tz. 14 f.; vom 16.06.2010 – VIII ZR 62/​09MDR 2010, 944 f.
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. nur BGH, Urteil vom 19.12.1969 – V ZR 114/​66MDR 1970, 577; Urteil vom 27.11.1998 – V ZR 180/​97, ZIP 1999, 447 ff. = Rpfle­ger 1999, 176 ff und 268 ff. = WM 1999, 118 ff.; Zöl­ler-Gre­ger § 254 Rz. 9 m.w.N.
  3. vgl. BGH, Urteil vom 16.09.2008 – VI ZR 244/​07, NJW 2009, 751 ff.
  4. vgl. BGH, Urteil vom 16.02.1967 – II ZR 171/​65, WM 1967, 419
  5. vgl. BGH, Urteil vom 07.03.2013 – VII ZR 223/​11, NJW 2013, 1744 f. = MDR 2013, 544
  6. BGH, Urteil vom 19.12.1969 a.a.O.
  7. BGH a.a.O.; vgl. eben­so für den Fall von Kla­ge und Wider­kla­ge BGH, Urteil vom 07.03.2013 – VII ZR 223/​11, NJW 2013, 1744 f = MDR 2013, 544