Betreu­er­ver­gü­tung für einen DDR-Diplom­ju­ris­ten

Ein vom Betreu­er im Jahr 1989 an der Juris­ti­schen Hoch­schu­le Pots­dam erwor­be­ner Stu­di­en­ab­schluss als Diplom­ju­rist der DDR sowie ein 1991 erfolg­reich abge­schlos­se­nes Umschu­lungs­stu­di­um mit dem erreich­ten Fach­ab­schluss auf dem Gebiet Unternehmensführung/​Management recht­fer­tig­ten gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG nicht den höchs­ten Stun­den­satz von 44 €.

Betreu­er­ver­gü­tung für einen DDR-Diplom­ju­ris­ten

Unter Berück­sich­ti­gung einer frü­he­ren Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs in die­ser Sache [1] stellt die Aus­bil­dung des Betreu­ers zum Diplom­ju­rist der DDR zwar ein Hoch­schul­stu­di­um dar, der Betreu­er hat hier­durch jedoch kei­ne für die Betreu­ung nutz­ba­ren Fach­kennt­nis­se erwor­ben. Das Umschu­lungs­stu­di­um sowie die Fort­bil­dungs­maß­nah­men des Betreu­ers sind einem Hoch­schul­stu­di­um nicht ver­gleich­bar.

Nach Sinn und Zweck des § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG ist ein erhöh­ter Stun­den­satz nicht bereits gerecht­fer­tigt, wenn die Aus­bil­dung gleich­sam am Ran­de auch die Ver­mitt­lung betreu­ungs­re­le­van­ter Kennt­nis­se zum Inhalt hat. Erfor­der­lich ist viel­mehr, dass sie in ihrem Kern­be­reich hier­auf aus­ge­rich­tet ist. Davon ist aus­zu­ge­hen, wenn ein erheb­li­cher Teil der Aus­bil­dung auf die Ver­mitt­lung sol­chen Wis­sens gerich­tet ist und dadurch das erwor­be­ne betreu­ungs­re­le­van­te Wis­sen über ein Grund­wis­sen deut­lich hin­aus­geht [2].

Bei der Wür­di­gung darf nicht auf die Bezeich­nung des Berufs oder der Aus­bil­dung abge­stellt wer­den, son­dern es ist jeweils im Ein­zel­fall die kon­kre­te Aus­bil­dung des Betreu­ers zu bewer­ten [3].

Das Stu­di­um an der Juris­ti­schen Hoch­schu­le Pots­dam hat im Wesent­li­chen aus den Rechts­fä­chern Staats­recht, Straf­recht, Straf­ver­fah­rens­recht und Völ­ker­recht sowie wei­ter­hin aus den Fächern Mar­xis­tisch-Leni­nis­ti­sche Phi­lo­so­phie, Poli­ti­sche Öko­no­mie, Wis­sen­schaft­li­cher Sozia­lis­mus, Staats- und Rechts­ge­schich­te, Sys­tem der Rechts­pfle­ge der DDR, Staats­recht bür­ger­li­cher Staa­ten, Außen- und Rechts­po­li­tik bür­ger­li­cher Staa­ten, Kri­mi­na­lis­tik sowie päd­ago­gi­sche und psy­cho­lo­gi­sche Grund­fra­gen der staat­li­chen Lei­tung bestan­den, die nicht der Ver­mitt­lung von Fach­kennt­nis­sen gedient haben, die dem Betreu­er sei­ne Tätig­keit erleich­ter­ten; eine Aus­bil­dung im Fach­be­reich Psy­cho­lo­gie ist nicht dem Kern­be­reich des Stu­di­ums zuzu­ord­nen.

Das Umschu­lungs­stu­di­um stellt eine Zusatz­aus­bil­dung zum abge­schlos­se­nen Hoch­schul­stu­di­um dar, die geson­dert zu betrach­ten ist; eine Gesamt­schau aller Aus­bil­dun­gen ist gera­de nicht vor­zu­neh­men [4].

Soweit auf die im Stu­di­um erwor­be­nen Fähig­kei­ten wie metho­di­sches Den­ken und schnel­le Ein­ar­bei­tung in ande­re Fach­ge­bie­te abge­set­llt wird, han­delt es sich um Grund­fer­tig­kei­ten, die nicht den Kern­be­reich des Stu­di­ums betref­fen, son­dern gleich­sam am Ran­de der Aus­bil­dung erwor­ben wer­den [3].

An der Juris­ti­schen Hoch­schu­le Pots­dam-Eiche wur­de gera­de Zivil­recht nicht unter­rich­tet und war Ver­wal­tungs­recht nicht Bestand­teil der Abschluss­prü­fung, hat­te also unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung. Vor allem in die­sen Rechts­be­rei­chen erfolgt aber ein wesent­li­cher Teil der Tätig­keit des Betreu­ers, wäh­rend Fra­gen des Staats- und Völ­ker­rechts nicht und des Straf­rechts nur im Aus­nah­me­fall für die Betreu­ung nütz­lich sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2016 – XII ZB 685/​13

  1. BGH, Beschluss vom 10.04.2013 – XII ZB 349/​12, FamRZ 2013, 1029 Rn. 12 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 25.03.2015 – XII ZB 558/​14BtPrax 2015, 155 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 15.07.2015 – XII ZB 123/​14 , FamRZ 2015, 1794 Rn. 5[][]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 10.04.2013 – XII ZB 349/​12 , FamRZ 2013, 1029 Rn.19 mwN[]