Die Anhö­rung im Betreu­ungs­ver­fah­ren – und das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Wird dem Betrof­fe­nen das im Ver­fah­ren ein­ge­hol­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nicht recht­zei­tig vor dem Anhö­rungs­ter­min über­las­sen, lei­det die Anhö­rung an einem wesent­li­chen Ver­fah­rens­man­gel 1.

Die Anhö­rung im Betreu­ungs­ver­fah­ren – und das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Wird dem Betrof­fe­nen das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nicht recht­zei­tig vor dem Anhö­rungs­ter­min über­las­sen, lei­det die Anhö­rung an einem wesent­li­chen Ver­fah­rens­man­gel 2.

Von einer Bekannt­ga­be des Gut­ach­tens mit sei­nem vol­len Wort­laut kann nur abge­se­hen wer­den, wenn zu besor­gen ist, die Bekannt­ga­be wer­de die Gesund­heit des Betrof­fe­nen schä­di­gen oder zumin­dest ernst­haft gefähr­den. In einem sol­chen Fall muss jedoch dem anwalt­lich nicht ver­tre­te­nen Betrof­fe­nen ein Ver­fah­rens­pfle­ger bestellt wer­den, die­sem das Gut­ach­ten über­ge­ben wer­den und die Erwar­tung gerecht­fer­tigt sein, dass der Ver­fah­rens­pfle­ger mit dem Betrof­fe­nen über das Gut­ach­ten spricht 3.

Im hier ent­schie­de­nen Fall folg­te zwar aus der Stel­lung­nah­me des Ver­fah­rens­pfle­gers, dass ihm das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten mit der Bekannt­ga­be des amts­ge­richt­li­chen Beschlus­ses über­sandt wor­den ist. Das ver­mag die Bekannt­ga­be des Gut­ach­tens an die Betrof­fe­ne aber schon des­halb nicht zu erset­zen, weil aus­weis­lich des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nicht zu besor­gen war, dass die Bekannt­ga­be die Gesund­heit der Betrof­fe­nen schä­di­gen oder zumin­dest ernst­haft gefähr­den wer­de. Über­dies konn­te der Ver­fah­rens­pfle­ger das Gut­ach­ten auch erst nach Erlass der Haupt­sa­che­ent­schei­dung mit der Betrof­fe­nen bespre­chen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Febru­ar 2019 – XII ZB 393/​18

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 21.11.2018 – XII ZB 57/​18[]
  2. BGH, Beschluss vom 21.11.2018 – XII ZB 57/​18 6 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 17.05.2017 – XII ZB 18/​17 Fam­RZ 2017, 1323 Rn. 11 mwN[]