Die fal­sche Frist in der Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Der Rechts­mit­tel­füh­re­rin wird Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nur in Aus­nah­me­fäl­len zu gewäh­ren sein, wenn in der der Aus­gangs­ent­schei­dung bei­gefüg­ten Rechts­be­helfs­be­leh­rung die Beschwer­de­frist unzu­tref­fend ange­ge­ben war.

Die fal­sche Frist in der Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs besteht die Ver­pflich­tung des Gerichts zur Ertei­lung einer Rechts­be­helfs­be­leh­rung unter­schieds­los für alle nach dem FamFG geführ­ten Ver­fah­ren. Des­halb wird in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 17 Abs. 2 FamFG auch in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen ein Feh­len des Ver­schul­dens ver­mu­tet, wenn die erfor­der­li­che Rechts­be­helfs­be­leh­rung unter­blie­ben, unvoll­stän­dig oder feh­ler­haft ist1. Für die Fäl­le einer inhalt­lich unrich­ti­gen Rechts­be­helfs­be­leh­rung hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass grund­sätz­lich auch ein Rechts­an­walt auf die Rich­tig­keit einer durch das Gericht erteil­ten Rechts­be­helfs­be­leh­rung ver­trau­en darf2. Da aber von ihm erwar­tet wer­den kann, dass er die Grund­zü­ge des Ver­fah­rens­rechts und das Rechts­mit­tel­sys­tem in der jewei­li­gen Ver­fah­rens­art kennt, kann er das Ver­trau­en in die Rich­tig­keit einer Rechts­be­helfs­be­leh­rung nicht unein­ge­schränkt, son­dern nur in sol­chen Fäl­len in Anspruch neh­men, in denen die inhalt­lich feh­ler­haf­te Rechts­be­helfs­be­leh­rung zu einem unver­meid­ba­ren, zumin­dest aber zu einem nach­voll­zieh­ba­ren und daher ver­ständ­li­chen Rechts­irr­tum des Rechts­an­wal­tes geführt hat3.

Gemes­sen hier­an war im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall die Ver­säu­mung der Beschwer­de­frist durch den Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten der Antrag­stel­le­rin unver­schul­det:

Ob und gege­be­nen­falls mit wel­chem Rechts­mit­tel die Ableh­nung der öffent­li­chen Zustel­lung eines Schei­dungs­an­trags ange­foch­ten wer­den kann, war zum Zeit­punkt des Erlas­ses des amts­ge­richt­li­chen Beschlus­ses weder durch den Bun­des­ge­richts­hof noch durch die Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te ent­schie­den. Zudem wur­den zu der Fra­ge, ob sich die Statt­haf­tig­keit einer sofor­ti­gen Beschwer­de in Ehe- und Fami­li­en­streit­sa­chen auch aus § 567 Abs. 1 Nr. 2 ZPO erge­ben kann, in der Recht­spre­chung und im Schrift­tum unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen ver­tre­ten. Unter die­sen Umstän­den konn­te der Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te der Antrag­stel­le­rin auf die Rich­tig­keit der erteil­ten Rechts­be­helfs­be­leh­rung ver­trau­en, so dass ihm in Hin­blick auf die ver­spä­te­te Ein­rei­chung der Beschwer­de­schrift aus­nahms­wei­se kein Ver­schul­den ange­las­tet wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Febru­ar 2015 – XII ZB 242/​14

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.02.2013 XII ZB 6/​13 Fam­RZ 2013, 779 Rn. 6; und vom 13.06.2012 XII ZB 592/​11 Fam­RZ 2012, 1287 Rn. 7 []
  2. BGH, Beschluss vom 13.06.2012 XII ZB 592/​11 Fam­RZ 2012, 1287 Rn. 9 []
  3. BGH, Beschluss vom 13.06.2012 XII ZB 592/​11 Fam­RZ 2012, 1287 Rn. 9 mwN []